4. Februar 2023

Speichenbruch

Druckversion als PDF Häufig gestellte Fragen Osteosynthese

Die handgelenksnahe Speiche bildet die Gelenkpfanne zur Handwurzel. Ihr Bruch stellt einen der häufigstenKnochenbrüche dar. Ursache ist meist ein Sturz auf die ausgestreckte Hand.

Das körperferne Speichenende (links blau eingefärbt) bildet die Gelenkfläche zu den ersten Handwurzelknochen und den wesentlichen Teil des Handgelenks. Zusammen mit dem Ellenkopf (links grün dargestellt) bildet es zudem die Gelenkflächen des Ellen-Speichengelenks. Das Handgelenk ermöglicht das Heben und Senken sowie die seitliche Abkippung der Hand. Das Gelenk zwischen Speiche und Elle („Distales Radioulnargelenk“) ermöglicht die Drehung im Unterarm.

Der Bruch der handgelenksnahen Speiche ist eine der häufigsten Knochenbrüche überhaupt. Zu einer solchen Fraktur kommt es bei einem Sturz auf die ausgestreckte Hand. Typischerweise kommt es dabei neben einer Verschiebung der Bruchstücke zu einem Zusammenschieben („Einstauchung“) der Fragmente. Bei älteren Menschen spielt eine manifeste Osteoporose einen ursächlichen Faktor.

Je nach Schwere des Traumas kann es zu einfachen und komplizierten Bruchformen kommen. Möglich sind einfache Haarrisse ohne Verschiebung der Knochenfragmente. Bei einem stärkeren Trauma sind komplizierte Bruchformen mit der Ausbildung mehrerer Bruchfragmente und deren Verschiebung möglich.

Links ein normales Handgelenk im Röntgenbild in der Aufsicht. Rechts eine Speichenfraktur im gelenknahen Abschnitt.

Grundsätzlich unterscheidet man Brüche außerhalb des Handgelenkes und des Ellen-Speichengelenks von solchen, die direkt in das Gelenk hinein verlaufen und zur direkten Beschädigung der Gelenkflächen des Handgelenks und des Ellen-Speichengelenks („Radioulnargelenk“) führen.

Zuletzt ist eine Schädigung der Bänder und Kapselstrukturen möglich.  Hierzu gehört eine zwischen Ellenkopf und Handwurzel befindliche Knorpelscheibe („Diskus triangularis“). Auch kann es zur Beschädigung des Bandes zwischen dem ersten und zweiten Handwurzelknochen (Kahnbein und Monbein, „SL-Band„) kommen.

Neu aufgetretene Gefühlsstörungen an den Fingern können Folge eines begleitenden so genannten Karpaltunnelsyndroms („KTS“) sein. Dieses kann durch die Fraktur ausgelöst werden oder ein vorbestehendes Karpaltunnelsyndrom wird verschlechtert.

Der Bruch der körperfernen Speiche tritt in den meisten Fällen im höheren Lebensalter auf. Teilursache hierfür ist eine vorbestehende Osteoporose. Ist es zu einem Speichenbruch gekommen, sollte man nach dessen Abheilung eine Untersuchung der Knochendichte vornehmen.

Häufig kann ein Speichenbruch schon äußerlich an einer Formveränderung des Handgelenks („Bajonettstellung“) erkannt werden: Die Handwurzel ist gegenüber dem Unterarm zur Streckseite hin verschoben. Die Diagnose eines Speichenbruchs wird in den meisten Fällen durch eine einfache Röntgenuntersuchung gestellt. Bei komplizierten Brüchen ist eine Computertomografie hilfreich, um eine Fehlstellung der Gelenkfläche sicher beurteilen zu können.

Seitlicher Blick auf das gebrochene Handgelenk. Rechts ein normales Handgelenk zum Vergleich.

Ein Speichenbruch hat eine sehr gute Heilungstendenz, auch bei komplizierten Bruchformen.  Auch ohne operative Maßnahmen kommt es fast immer knöchernen Verheilung der Fragmente. Entscheidend für die Funktion der Hand jedoch nicht nur die knöcherne Ausheilung, sondern die Stellung der Fragmente, in der die Fraktur zur Ausheilung kommt. Ist durch den Knochenbruch eine Fehlstellung eingetreten und wurde diese durch die Erstbehandlung nicht korrigiert, kommt es zu einer Ausheilung in Fehlstellung. Je nach Art und Ausprägung der Fehlstellung ist nach der knöchernen Heilung eine Funktionseinschränkung wahrscheinlich. Je nach Art der vorliegenden Fehlstellung betrifft diese sowohl die Beweglichkeit des Handgelenkes als auch die Unterarmdrehfähigkeit.

Ist es zu einer Fehlstellung im Gelenk selbst mit einer Verschiebung von Gelenkfragmenten gekommen, so entwickelt sich in den Jahren nach der Fraktur allmählich eine zunehmende Knorpelschädigung und Deformierung die man als Arthrose bezeichnet. Dieser Vorgang kann sehr unterschiedlich schnell verlaufen und ist stark vom Grad der Verschiebung abhängig.

Ziel der Behandlung der Radiusfraktur ist die Wiederherstellung der Funktion des Handgelenks. Eine Fehlstellung geringer Ausprägung führt in der Regel nicht zu wesentlichen Einschränkungen. Das Eintreten einer gravierenden Fehlstellung soll durch die Behandlung verhindert werden.

Die Art der durchzuführenden Behandlung ist dabei sehr stark vom vorliegenden Bruchtyp abhängig. Sind die Fragmente unverschoben, ist eine einfache Immobilisierung in einer Schienenanordnung oder einem Gipsverband ausreichend. Sind die Fragmente verschoben, kann es möglich sein, die Verschiebung durch ein geschlossenes Manöver („Reposition“) zu beseitigen. Ist dies durch ein geschlossenes Manöver nicht möglich, ist eine operative Öffnung des Bruches und Stabilisierung mit Metall notwendig.

1. Die nichtoperative („konservative“) Behandlung

Diese besteht in einer Ruhigstellung des Handgelenks in einem Gips- oder Kunststoffverband. Bei einfachen Brüchen ist diese Behandlung ausreichend. Verschobene Brüche müssen vorher eingerichtet („reponiert“) werden. Dies wird im Röntgenbild kontrolliert. Ist das Ergebnis stabil, kann die Behandlung in einer Schiene oder einem Gipsverband weitergeführt werden. Häufige Röntgenkontrollen sind im Allgemeinen notwendig. Kommt es doch im Verlauf wieder zu einer Fragmentverschiebung, kann ein operativer Eingriff notwendig werden.

2. Die operative Behandlung (Osteosynthese)

Wenn eine zufriedenstellende Wiedereinrichtung der Fraktur und ausreichende Stabilisierung durch ein äußeres Manöver nicht gelingt, ist ein operativer Eingriff meist die bessere Lösung. Immer hängt es davon ab, wie ausgeprägt die Verschiebung ist und welcher Art der Fehlstellung vorliegt. Eine geringe Fehlstellung kann durchaus auch konservativ behandelt werden. Insbesondere eine Verschiebung von Gelenkfragmenten erfordert häufig ein primär operatives Vorgehen.

Bruch der körperfernen Speiche, rechts nach Einrichtung („Reposition“) und Osteosynthese mit kleiner Titanplatte

Bei der Operation wird die Fraktur geöffnet und unter Sicht des Auges und Kontrolle durch Röntgenaufnahmen eingerichtet („reponiert“). Die Stabilisierung erfolgt dann durch einen metallischen Kraftträger. Am häufigsten verwendet werden dabei kleine Titanplatten, die mit Schrauben am Knochen befestigt werden. Die Schrauben verbinden sich dabei starr mit der verwendeten Platte („winkelstabil“).

Selten wird auch eine Stabilisierung mit anderen Verfahren durchgeführt. Zu erwähnen ist die Verwendung von kleinen Metallstiften („Kirschnerdrähte“) oder einer äußeren Klammer („Fixateur externe“).

Auch nach unkomplizierter knöcherner Heilung dauert es lange, bis die Funktion der Hand wiederhergestellt ist. Abhängig ist dies von der Schwere der Verletzung und der eingetretenen Gewebeschädigung. In der Regel dauert die Nachbehandlung über 3-4 Monate. Nicht selten bleibt eine wenn auch geringe Einschränkung der Unterarmdrehfähigkeit oder der Handgelenksbeweglichkeit zurück.

Mögliche Heilungskomplikationen

Vor allem nach konservativer Behandlung kann es trotz anfangs guter Stellung der Frakturfragmente im weiteren Verlauf zu einer neuerlichen Verschiebung und damit zu einer Verheilung in Fehlstellung kommen.  

Der Riss der langen Daumenstrecksehne tritt selten als typische Komplikation der konservativen Therapie und auch einmal als Komplikation überstehender Osteosyntheseschrauben auf.

Der -sehr seltene- Riss der Daumenbeugesehne ist eine mögliche Folge der Osteosynthese mit einer beugeseitig angelegten Platte. Dies kann durch die Plattenentfernung nach abgeschlossener Heilung verhindert werden.

Sehr seltene operationsbedingte Komplikationen sind eine Beschädigung von Sehnen und Nerven im Operationsgebiet.

In sehr seltenen Fällen kann sich – sowohl nach operativer als auch nach konservativer Behandlung – eine starke Schwellung verbunden mit Schmerzen, einer glänzenden Haut mit bläulicher („livider“) Verfärbung sowie einer vermehrten Schweißneigung auftreten- Hinzu kommen typische Veränderungen im Röntgenbild entwickeln. Man spricht hier von einer Dystrophie der Hand (sogenannter Morbus Sudeck, „complex regional pain syndrome“, “CRPS“).

Empfehlung

Gering verschobene Speichenbrüche können konservativ behandelt werden. Eine Operation bessert nicht das zu erwartende Ergebnis und birgt unnötige Risiken. Auch ist der Heilungsverlauf nicht beschleunigt.

Eine starke Verkippung des Gelenkanteils (besonders die eher seltenere Verschiebung zur Beugeseite), und eine Verschiebung innerhalb der Gelenkflächen der Speiche sind Argumente zur operativen Behandlung. Auch ein Taubheitsgefühl an den Fingerspitzen spricht für operative Therapie.

Letzte Aktualisierung: 2.2.2023