4. Februar 2023

Multiresistente Keime

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Multiresistente Keime sind Bakterien, die gegen die Behandlung mit verschiedenen Antibiotika unempfindlich sind.  

Multiresistente Keime

Antibiotika sind Substanzen, die konzentrationsabhängig Bakterien abtöten oder ihre Vermehrung verhindern können. Gleichzeitig führt die antibiotische Behandlung von Bakterien, die zunächst sensibel auf diese Antibiotika waren dazu, dass sich Bakterienstämme behaupten, die gegen die Behandlung resistent wurden. Kommt es zur Verbreitung dieser resistenten Bakterien, können diese zu Infektionen führen die mit den verwendeten Antibiotika nicht mehr behandelt werden können. Die Antibiotikabehandlung ist damit gleichermaßen die Ursache für die Entstehung dieser Resistenzen. Unter Antibiotikaeinfluss werden die diejenigen Bakterienstämme in ihrer Entwicklung begünstigt, die solche Resistenzen spontan ausgebildet haben. Tatsächlich hat der Anteil resistenter Stämme stetig zugenommen.

Inzwischen sind viele Bakterienstämme gegenüber den gängigen Antibiotika unempfindlich (resistent) geworden. Chronische Wunden, die mit solchen resistenten Keimen besiedelt sind, stellen inzwischen in bestimmten medizinischen Situationen ein ausgesprochenes Behandlungsproblem dar. Beobachtet wurden vermehrt Infektionen, die während der Krankenhausbehandlung durch den Kontakt mit Patienten mit infizierten Wunden entstanden sind. Dies hat zum Begriff der „Krankenhausinfektion“ geführt.

Viele der inzwischen resistenten Bakterien kommen sowohl bei Menschen als auch bei Tieren vor. Hauptursache der Verbreitung resistenter Keime ist zunehmend die massenhafte Verwendung von Antibiotika bei der Geflügelzucht. Diese führt zur Selektion resistenter Bakterienstämme.  Einer der häufigsten vorkommenden und zu schweren Wundinfektionen führender Keim ist der so genannte Staphylokokkus aureus. Dieser ist als Teil der normalen Mund- und Rachenflora weit verbreitet. Nicht jeder Stamm des Staphylococcus aureus ist multiresistent. Allerdings sind viele Menschen Träger multiresistenter Keime im Rachenraum ohne jede Krankheitserscheinung und ohne davon zu wissen.

Eine Ursache für die Resistenzentwicklung bei medizinischer Behandlung ist eine unkritische Antibiotikatherapie ohne zwingende medizinische Notwendigkeit. Auch eine inkonsequente Antibiotikabehandlung oder unzureichende chirurgische Maßnahmen am Infektionsgeschehen begünstigen die Resistenzentwicklung.

Wie entsteht eine Infektion mit resistenten Keimen?

Kommen resistente Keime in Kontakt mit einer offenen Wunde, ist die Gefahr gegeben, dass sich diese mit resistenten Keimen besiedelt. Ein weiteres Risiko besteht bei allen chronischen Wunden. Wird eine solche chronische Wunde, die zunächst mit einem nicht resistenten Keim besiedelt ist, über einen längeren Zeitraum antibiotisch behandelt, kann es zu einem Keimwechsel kommen. Die resistenten Keime bleiben übrig und sind dann durch Antibiotika schlecht zu eliminieren.

In der Handchirurgie sind Infektionen mit multiresistenten Keimen ausgesprochen selten. Fast immer handelt es sich dabei um Infektion mit Keimen, die „von draußen kommen“ und bereits besiedelt mit resistenten Keimen handchirurgisch behandelt werden müssen.

Der Anteil an Infektionen als Komplikation einer primär sauberen handchirurgischen Operation ist ohnehin sehr klein. Noch einmal kleiner ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion einer sauberen Operationswunde mit resistenten Keimen im Rahmen der handchirurgischen Behandlung. Wesentliche Ursache hierfür ist die gute Durchblutung der Hand und damit die gute Abwehrlage.

Auch ist das Vorhandensein von chronisch infizierten Wunden an der Hand ist ein seltener Umstand. In aller Regel wird dies durch eine konsequente Infektionsbehandlung vermieden. Die Konstellation einer chronischen Wunde mit langdauernder Antibiotikatherapie ist bei einer Handerkrankung oder Verletzung extrem selten.

Viele Maßnahmen helfen, Infektionen und insbesondere Infektionen mit resistenten Keimen zu vermeiden. Umfangreiche und materialaufwendige hygienische Vorbeugungsmaßnahmen in allen medizinischen Behandlungseinrichtungen haben das Risiko einer Keimweitergabe stark reduziert. In der Handchirurgie ist es zusätzlich die konsequente primäre Behandlung erworbener Infektionen und deren konsequente zielgerichtete Therapie nach Keimtestung, die das Entstehen chronischer Verläufe vermeidet und damit auch das Risiko der Entstehung resistenter Keime.

Bei Handoperation besteht – noch- kein besonderer Anlass zur Sorge. Dies soll nicht in falscher Sicherheit wiegen. Die Gefahr der Entstehung einer solchen Infektion ist nie mit letzter Sicherheit vollständig auszuschließen.

Letzte Aktualisierung: 2.2.2023