28. Juni 2022

Multiresistente Keime

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Über viele Jahre konnten bakterielle Infektion gut antibiotisch behandelt werden. Inzwischen sind viele Bakterienstämme gegenüber den gängigen Antibiotika unempfindlich (resistent) geworden. Chronische Wunden, die mit solchen resistenten Keimen besiedelt sind, stellen inzwischen in bestimmten medizinischen Situationen ein ausgesprochenes Behandlungsproblem dar. Beobachtet wurden vermehrt Infektionen, die während der Krankenhausbehandlung durch den Kontakt Patienten mit infizierten Wunden entstanden sind. Dies hat zum Begriff der „Krankenhausinfektion“ geführt.

Wir wissen inzwischen, dass die Bakterien spontan solche Resistenzen entwickeln. Unter Antibiotikaeinfluss die diejenigen Bakterienstämme in ihrer Entwicklung begünstigt, die solche Resistenzen spontan ausgebildet haben. Tatsächlich hat der Anteil resistenter Stämme stetig zugenommen.

Viele der inzwischen resistenten Bakterien kommen sowohl bei Menschen als auch bei Tieren vor. Hauptursache der Verbreitung resistenter Keime ist zunehmend die massenhafte Verwendung von Antibiotika bei der Geflügelzucht. Einer der häufigsten vorkommenden und zu schweren Wundinfektionen führender Keim ist der so genannte Staphylokokkus aureus. Dieser ist als Teil der normalen Mund- und Rachenflora weit verbreitet. Nicht jeder Stamm des Staphylococcus aureus ist multiresistent. Allerdings sind viele Menschen Träger multiresistenter Keime im Rachenraum ohne jede Krankheitserscheinung und ohne davon zu wissen.

Eine Ursache für die Resistenzentwicklung bei medizinischer Behandlung ist eine unkritische Antibiotikatherapie ohne zwingende medizinische Notwendigkeit. Auch eine inkonsequente Antibiotikabehandlung die über einen zu langen Zeitraum durchgeführt wird oder unzureichende chirurgische Maßnahmen am Infektionsgeschehen begünstigen die Resistenzentwicklung.

Wie entsteht eine Infektion mit resistenten Keimen?

Ist man Träger resistenter Keime und kommen diese in Kontakt mit einer offenen Wunde ist die Gefahr gegeben, dass sich diese mit resistenten Keimen besiedelt. Ein weiteres Risiko besteht bei allen chronischen Wunden. Wird eine solche chronische Wunde, die zunächst mit einem nicht resistenten Keim besiedelt ist, über einen längeren Zeitraum antibiotisch behandelt, kann es zu einem Keimwechsel kommen. Die resistenten Keime bleiben übrig und sind dann durch Antibiotika schlecht zu eliminieren.

In der Handchirurgie sind Infektionen mit multiresistenten Keimen ausgesprochen selten. Fast immer handelt es sich dabei um Infektion mit Keimen, die „von draußen kommen“ und bereits besiedelt mit resistenten Keimen handchirurgisch behandelt werden müssen.

Der Anteil an Infektionen als Komplikation einer primär sauberen handchirurgischen Operation ist ohnehin sehr klein. Tatsächlich ist eine Infektion einer sauberen Operationswunde mit resistenten Keimen im Rahmen der handchirurgischen Behandlung ein extrem seltenes Ereignis, wesentlich seltener als in anderen medizinischen Disziplinen. Es gibt mehrere Ursachen Ursache für diesen günstigen Umstand. Die Durchblutung der Hand ist gut, die Heilungsvoraussetzungen sind daher günstig.

Auch ist das Vorhandensein von chronisch infizierten Wunden an der Hand ist ein seltener Umstand. In aller Regel wird dies durch eine konsequente Infektionsbehandlung vermieden. Die Konstellation einer chronischen Wunde mit langdauernder Krankenhausbehandlung ist aufgrund einer Handerkrankung oder Verletzung extrem selten.

Viele Maßnahmen helfen, Infektion und insbesondere Infektionen mit resistenten Keimen zu vermeiden. Umfangreiche und materialaufwendige hygienische Vorbeugungsmaßnahmen in allen medizinischen Behandlungseinrichtungen haben das Risiko einer Keimweitergabe stark reduziert. In der Handchirurgie ist es zusätzlich die konsequente primäre Behandlung erworbener Infektionen und deren zielgerichtete Therapie nach Keimtestung die das Entstehen chronischer Verläufe vermeidet und damit auch das Risiko der Entstehung resistenter Keime.

Bei Handoperation besteht kein besonderer Anlass zur Sorge. Dies soll nicht in falscher Sicherheit wiegen. Die Gefahr der Entstehung einer solchen Infektion ist nie mit letzter Sicherheit vollständig auszuschließen.