27. November 2022

Bandplastik am Handgelenk („SL-Band-Plastik“)

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Kahnbein und Mondbein sind durch ein straffes Faserband verbunden. Dies ermöglich eine nur geringe Beweglichkeit beider Knochen gegeneinander. Reißt das Band infolge eine gewaltsamen Überstreckung, weichen beide Knochen auseinander. Das Handgelenk verliert an Stabilität. Auf die Dauer wird die Knorpelfläche geschädigt und es entwickelt sich eine Arthrose. Ein gerissenes SL-Band kann durch einen Sehnenstreifen nachgebildet und in seiner Funktion zumindest teilweise ersetzt werden.

Operationsprinzip

Das Handgelenk wird geöffnet und die Handwurzelknochen in ihre korrekte Stellung zueinander gebracht. Sie werden mit kleinen Drahtstiften in dieser Stellung fixiert. Eine zur Mittelhand führende Beugesehne des Handgelenks wird längs geteilt und eine Hälfte abgetrennt. Durch ein Bohrloch im Kahnbein wird dieser zur Streckseite geführt und im Verlauf des SL-Bands in die Handgelenkskapsel eingeflochten und fixiert.

Vor der Operation

Allgemeine Vorerkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen waren Gegenstand des Vorbereitungsgesprächs. Über das Verhalten vor der Operation wurde mit dem Anästhesisten gesprochen, speziell über Medikamente, Essen und Trinken am OP-Tag. Im Besonderen gilt dies für eine Blutverdünnung und eventuelle Allergien (Penicillinallergie).

Hautveränderungen im OP-Bereich und am zu operierenden Arm sollten dem Operateur bekannt sein. Dies gilt für alle bestehende Wunden Infektionen unabhängig von der aktuellen Erkrankung.

Blutleere

Zur Operation ist eine Blutfreiheit erforderlich. Hierzu wird der Arm mit einer Binde gewickelt und am Oberarm eine Stauungsmanschette angelegt. Der Druck bleibt bis zum Wundverschluss bestehen. Eine solche Blutleere kann für mindestens zwei Stunden aufrecht erhalten werden, ohne Schäden im Gewebe zu verursachen. Dies wird akribisch kontrolliert. Bei länger dauernder Operation wird die Manschette nach 2 Stunden geöffnet. Schäden im Gewebe durch die Blutleere sind damit nicht zu befürchten.

Operationsablauf

Die Haut über der tastbaren Sehne am beugeseitigen Handgelenk wird geöffnet, Die Sehne wir längs getrennt und eine Hälfte an der Muskulatur abgetrennt. Dieser bleibt an seinem Ansatz an der Mittelhand befestigt.

Das Handgelenk wird streckseitig geöffnet. Durch das Kahnbein wird ein Bohrkanal gelegt. Dieser reicht von dessen Beugeseite bis zum Ansatz des SL-Bands am streckseitigen Rand des Kahnbeins. Der abgespaltene Anteil der abtrennten Sehne wird durch das Kahnbein zur Streckseite hin durchgezogen. Jetzt erfolgt zunächst die Lagekorrektur der auseinandergewichenen und gegeneinander verdrehten beiden Knochen (Kahnbein und Mondbein). Diese werden mit feinen Metallstiften in der korrekten Lage miteinander fixiert. Dies wird im Röntgenbild kontrolliert.

Stimmt alles, wird die Sehne im Verlauf des SL-Bands in die Handgelenkskapsel eingeflochten und fixiert. Die Wunden werden geschlossen, die Hand verbunden und eine Schiene für Unterarm und Handgelenk angelegt.

Nach der Operation

Die Hand ist verbunden und geschient. Die Finger können bewegt werden. Eine gewisse Schwellung nach der Operation entwickelt sich in den ersten Stunden regelhaft. Verband und Schiene sollten nicht zu eng angewickelt sein.

Die Fäden bleiben 10 Tage. Das Handgelenk wird insgesamt für 6-8 Woche geschient. Dann werden in einem zweiten, jetzt kleinen Eingriff die Metallstifte aus der Handwurzel entfernt. Erst dann kann ganz allmählich mit einer Mobilisation des Handgelenks begonnen werden. Dies ist ein langwieriger Prozess; 1-3 Monate nach der Drahtentfernung können veranschlagt werden.

Ausblick

Durch die Instabilität verursachte Beschwerden werden gebessert. Gegenüber dem Spontanverlauf ist die Arthroseentwicklung verzögert. Auch nach gelungener Operation bleit eine Bewegungseinschränkung zurück. Das ersetzte Band kann das gerissenen Band nicht in vollem Umfang ersetzen. Allmählich lockert es sich wieder. Die Arthroseentwicklung kann verzögert, jedoch nicht vollständig verhindert werden.

Letzte Aktualisierung: 6.10.2022