28. September 2022

Arthroskopie des Handgelenks

Das Handgelenk verbindet den Unterarm mit der Hand, in anatomischer Hinsicht die Unterarmknochen mit den Mittelhandknochen. Gegenüber dem Unterarm kann die Hand in allen Ebenen des Raums bewegt werden, zusätzlich ist die Drehung im Unterm möglich. Ermöglicht wird dieser Bewegungsumfang durch eine Reihe kleiner Handwurzelknochen, die größtenteils mit Gelenkknorpel überzogen sind.

Stabilität und Führung kommt durch Bandverbindungen zwischen den Knochen, teilweise auch durch muskuläre Führung. Einige der Bänder verlaufen außerhalb, andere innerhalb  der Gelenkkapsel.

Sämtliche Strukturen können von Verletzungen, aber auch von entzündlichen und degenerativen Erkrankungen betroffen sein.

Bei einer Arthroskopie wird mit einer sehr kleinen Optik in das Gelenk eingegangen. Man kann Knorpeloberflächen und Bänder sowie die Gelenkinnenhaut von innen direkt einsehen. Über eine und mehrere kleine Öffnungen können Instrumente eingesetzt werden. Dies kann eine kleiner abgerundeter Tasthaken sein, für bestimmte Einsatzzwecke miniaturisierte motorgetriebene Instrumente wir kleine Fräsen oder Instrumente zur Naht gerissener Kapselanteile.

Eine Arthroskopie ist damit im Grunde eine  minimalinvasive Technik zur Untersuchung und zur operativen Behandlung. Sie unterscheidet sich von einer offenen Operation in verschiedener Hinsicht.

Blick auf den genähten Diskus triangularis durch eine 3mm große Optik

Zunächst ist der Zugang und damit auch die operationsbedingte  Traumatisierung auf ein Minimum begrenzt. In technischer Hinsicht ist man mit der Optik unmittelbar vor den zu versorgenden Strukturen. Die Sicht ist maximal vergrößert und  ein präzises Arbeiten wird ermöglicht. Gleichermaßen hat man einen Zugang „von innen“, der in dieser Weise beim offenen Operieren nicht vorhanden ist.

Für eine Arthroskopie ist ein gewisser technischer Aufwand nötig. Die Innenraum des Handgelenks ist sehr begrenzt. Um sich mit der Optik und einem Arbeitsinstrument bewegen zu können, muss der Arm unter Längszug gelagert werden. Eine Muskelentspannung ist hierzu notwendig. Wie anderen handchirurgischen Operationen braucht man eine Blutleere oder Blutsperre. So kann die Arthroskopie unter vollständiger Armbetäubung (Plexusanästhesie) oder besser unter Vollnarkose durchgeführt werden.

Als reines Untersuchungsverfahren wird eine Arthroskopie nur dann eingesetzt, wenn Diagnose und Therapieentscheidungen mit einfacheren Mitteln nicht möglich sind. In Frage kommt dies bei Bänderrissen im Handgelenk (SL-Band) oder zwischen Elle und Speiche.

Eine arthroskopische Therapie ist bei verschiedenen Erkrankungen möglich.

  • Bei entzündlichen Erkrankungen der Gelenkinnenhaut kann das veränderte Gewebe entfernt werden. Die kommt bei rheumatischen Erkrankungen in Betracht
  • Bei  reaktiven entzündlichen Veränderungen der Gelenkinnenhaut kann deren Entfernung eine Beschwerdelinderung erwirken.
  • Bestimmte Formen der Handgelenksarthrose können durch Entfernung oder Teilentfernung arthrotisch veränderte Knochenstrukturen behandelt werden. Dazu gehören Arthrose bei Veränderungen des Ellenkopfs und auch Arthrosen des Daumensattelgelenks.
  • Bei manchen Verletzungen ist eine direkte Naht oder abgerissener Bandstrukturen  möglich, vorwiegend am Diskus triangularis über dem Ellenende.
  • Schließlich können bestimmte Gelenkzysten („Ganglion“) arthroskopisch „von innen“ entfernt werden.

Eine Arthroskopie ist keine definitive Maßnahme, sondern eine minimal invasive Technik zur Untersuchung und Operation bei ganz verschiedenen Veränderungen und Erkrankungen und ist  hier ist hier Teil des Diagnose- und Therapiekonzepts.