21. Mai 2022

Denervation des Handgelenks

Alle Gefühlsqualitäten (Tastsinn, Druck, Temperatur, Lage, Schmerz) werden durch sensible Nervenfasern zum Gehirn geleitet. Bestimmte Nervenfasern steuern Körperfunktionen wie Motorik oder Drüsentätigkeit. Jeder Nerv besteht aus ganz verschiedenen Fasern, von denen jede eine bestimmte Qualität vermittelt. Auf dem Weg zur Körperperipherie hin teilt sich ein Nerv in verschiedene Äste. Einzelne Nervenäste leiten Schmerz und Temperatur, andere Gefühl und Motorik.

Manche Faserbündel übertragen das Schmerzempfinden. Meist verlaufen sie zusammen mit denjenigen Fasern, die Lage und Temperatur vermitteln.

Operationsprinzip

Bei einer Denervationsoperation werden ausschließlich schmerzleitende Nervenäste operativ aufgesucht und unter Sicht des Auges durchtrennt. Nervenfasern, die das oberflächliche Gefühl vermitteln und solche, die die Motorik steuern, bleiben dabei verschont. Eine Gefühlsstörung oder – Minderung ist nicht zu befürchten.  Das oberflächliche Tastgefühl, besonders in den Fingerspitzen, bleibt ebenso unbeeinflusst wie die Beweglichkeit.

Leider können nicht alle schmerzleitenden Nerven isoliert adressiert und durchtrennt werden. Nach einer Denervation ist daher die Schmerzbefreiung auch nicht vollständig, sondern nur graduell im Sinne einer Linderung. Auch ist sie in Ihrer Ausprägung von Patient zu Patient unterschiedlich. Im Falle einer Besserung hält die Besserung für einige Jahre an. Meist treten dann erneut Schmerzen auf.

Die Ursache für die Schmerzen werden bei einer Denervationsoperation nicht beeinflusst. Die Arthrose selbst wird nicht behandelt.

Eine Denervation ist ein damit ein kleinerer Eingriff. Die Operation findet im Unterhautgewebe statt, das Gelenk wird nicht geöffnet. Meist kann er in örtlicher Betäubung (Plexusanästhesie) ambulant durchgeführt werden. Nach dem Eingriff wird für 10 Tage eine Schiene getragen. Mit einem Zeitintervall nach der OP stellt sich ganz allmählich eine Besserung der der vorbestehenden Schmerzsymptomatik ein.

Vor der Operation

Allgemeine Vorerkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen waren Gegenstand des Vorbereitungsgesprächs. Über das Verhalten vor der Operation wurde mit dem Anästhesisten gesprochen, speziell über Medikamente, Essen und Trinken am OP-Tag. Im Besonderen gilt dies für eine eventuelle Blutverdünnung und Allergien (Penicillinallergie).

Hautveränderungen im OP-Bereich und am zu operierenden Arm sollten dem Operateur bekannt sein. Dies gilt auch für bestehende Infektionen unabhängig von der aktuellen Erkrankung.

Betäubung

Der Eingriff kann in Armbetäubung oder alternativ in Vollnarkose ausgeführt werden.

Blutleere

Zur Operation ist eine Blutfreiheit erforderlich. Hierzu wird der Arm mit einer Binde gewickelt und am Oberarm eine Stauungsmanschette angelegt. Der Druck bleibt bis zum Wundverschluss bestehen. Eine solche Blutleere kann für mindestens zwei Stunden aufrecht erhalten werden, ohne Schäden im Gewebe zu verursachen. Dies wird akribisch kontrolliert. Bei länger dauernder Operation wird die Manschette nach 2 Stunden geöffnet. Schäden im Gewebe durch die Blutleere sind damit nicht zu befürchten.

Eingriff

Die Haut wird an drei Stellen geöffnet. Schmerzleitende Nervenfasern werden unter Lupenvergrößerung visualisiert und durchtrennt.

Nach dem Eingriff

Die Hand ist verbunden. Sie sollte am Operationstag nicht längere Zeit herunterhängen. Die Finger können frei bewegt werden -was nicht schmerzt, ist erlaubt. Der Verband sollte nicht zu eng sein und im Verlauf nicht nass werden.

Schmerzmittel wurden nach der Operation mitgegeben oder rezeptiert. Ein hoher Schmerzmittelbedarf ist ungewöhnlich und sollte mit dem Operateur kommuniziert werden.

Vorteile

Es handelt sich um einen kleineren Eingriff. Schwerwiegende Komplikationen oder negative Auswirkungen auf die Funktion des betroffenen Gelenks sind ausgesprochen selten.

Eine Denervation kann mit anderen operativen Verfahren kombiniert werden. Dies ist dann sinnvoll, wenn durch andere Verfahren eine Veränderung nicht vollständig beseitigte werden kann.

Nachteile und spezielle Risiken

Die Schmerzlinderung ist nicht vollständig und hält auch nur einen begrenzten Zeitraum an.

Spezifische Nachteile über die allgemeinen Risiken sind nicht zu erwarten. Theoretisch ist es möglich, durch die Schmerzlinderung das betroffene Gelenk zu stark zu belasten.

Eine Schmerzlinderung durch Denervation ist nicht bei allen Gelenken möglich. An der Hand ist sie besonders bei bestimmten Arthroseformen des Handgelenks wirksam.