28. September 2022

Mondbeinnekrose

PDF-Download Häufig gestellte Fragen Entfernung der ersten Handwurzelreihe Denervation des Handgelenks

Mondbein („Os lunatum“)

Das Mondbein („Os lunatum“) bildet den zentralen Knochen der Handwurzel und damit des Handgelenks. Es ist größenteils von Gelenkflächen überzogen und ist an allen Bewegungen des Handgelenks beteiligt.

Bei einer Mondbeinnekrose („Lunatummalazie“, „Kienböck’sche Erkrankung“) handelt es sich um eine Durchblutungsstörung des Knochengewebes. Ihre Ursache ist in den meisten Fällen unbekannt.

Die Beanspruchung der Hand, auch nicht im Rahmen schwerer Arbeit, führt nicht zur Entstehung einer Mondbeinnekrose. Allenfalls bei bestimmten Belastungen mit maschuinengetribenem Arbeitsgerät  (Pressluftarbeit) wird ein Zusammenhang vermutet.  Die Mondbeinnekrose verläuft über Jahre hinweg langsam zunehmend. Der Verlauf kann in Stadien eingeteilt werden.

Stadium I

Im Stadium I zeigt das normale Röntgenbild noch keine Veränderungen. Die Mondeinnekrose kann nur im Kernspintomogramm (MRT, links im Bild, erkennbar an der Dunkelfärbung des erkrankten Knochens ) nachgewiesen werden.

Stadium II

Mit der weiteren Krankheitsentwicklung stirbt der Knochen ab. Kennzeichen Stadiums II ist die Verdichtung  der Knochenstruktur, erkennbar links im nomalen Röntgenbild an der hellen Verfärbung des Mondbeins („Os lunatum“).

Stadium III

Mit dem weiteren Verlauf kommt es im Stadium III zum zum Zusammenbruch des Knochens (Abbildung links). Die Gelenkflächen des Handgelenks verändern sich durch die Lageänderung der Handwurzelknochen.

Die Symptome einer Mondbeinnekrose sind uncharakteristisch. Meist bestehen Handgelenksbeschwerden über einen längeren Zeitraum, die allmählich in der Intensität zunehmen.

Die körperliche Untersuchung zeit anfangs nur wenige Veränderungen. Erst im späteren Verlauf entwickelt sich eine Bewegungseinschränkung des Handgelenks.

Bevor im Röntgenbild etwas zu erkennen ist, kann im Anfangsstadium mit einer Kernspintomografie (MRT) die Durchblutungsstörung nachwiesen werden. Eine Röntgenuntersuchung zeigt die Veränderungen zuverlässig erst im zweiten Stadium.  Die Computertomografie  (CT) kann die Knochenfeinstruktur besser abbilden und wird daher meist vor einer operativen Behandlung durchgeführt.

 In manchen Fällen ist eine Spiegelung („Arthroskopie“) des Handgelenks angezeigt, um Veränderungen des Gelenkknorpels erkennen zu können.

Durch die Untersuchungen wird die Mondbeinnekrose entspechend ihrem Verlauf in die definierten Stadien eingeteilt. Diese Stadieneinteilung bildet die Grundage einer Therapieplanung und der Entscheidung für ein bestimmtes Verfahren.

Behandlung

Im Stadium I, immer dann, wenn die Veränderungen nur im Kernspintomogramm zu sehen sind,  kann eine Ruhigstellung im Unterarmgipsverband erfolgreich sein. Diese wird über 2-3 Monate in einem Schienenverband durchgeführt. Nach Abnahme der Schiene kann das Kernspintomogramm die Besserung bestätigen.

Eine weitergehnder  Entlastung des Mondbeins kann durch eine vorübergehende Fixierung der benachbarten Handwurzelknochen (Kahnbein, großes und kleines Vieleckbein) mit Drahtstiften erzielt werden („Temporäre STT-Arthrodese“) . Diese werden unter Betäubung durch die Haut eingebort und erst nach einigen Monaten wieder entfernt.

Bei jungen Patienten im Stadium I kann in günstiger Situation die Entwicklung der Erkrankung aufgehalten werden. Eine Heilung ist in diesem Stadium noch prinzipiell möglich.

Im Stadium II, wenn die Knochenstruktur noch nicht zusammengebrochen ist, kann das Mondbein in bestimmten Fällen durch Einsetzen eines gefäßgestielten Knochenspans aus der Speiche zur Ausheilung gebracht werden. Die Operation ist kompliziert, sie verlangt mikrochirurgische Techniken und eine besondere Erfahrung des Operateurs. Auch bei erfolgreichem Verlauf ist mit langen Ausheilungszeiten zu rechnen.

In den Stadien I, II und III haben Operationen,  durch die der Druck auf das Mondbein verringert wird, einen positiven Einfluss auf die weitere Entwicklung und auch die subjektiven Beschwerden. Ob hierdurch eine vollständige Heilung möglich, hängt ganz wesentlich vom Erkrankungsstadium ab.

  • Die Verkürzung der Speiche und
  • die Verbindung der daumenseitigen Handwurzelknochen (So genannte STT-Arthrodese).

Verblockung der daumenseitigen Handwurzelknochen („STT-Arthrodese“) bei einer Mondbeinnekrose im Stadium III. Das Mondbein erfährt hierdurch eine Druckentlastung.

Verkürzung der Speiche zur Druckentlastung des Monbeins bei eienr Mondbeinnekrose im Stadium II.

Beide Operationen können die Beschwerden lindern und das Fortschreiten der Veränderungen am Mondbein verlangsamen. Der Erfolg kann bei beiden Verfahren nicht mit Sicherheit vorhegesagt werden.

Eine weitere Möglichkeiten zur Schmerzlinderung kommen in Frage:

  • Die komplette Entfernung des Mondbeins und der benachbarten Handwurzelknochen („proximal row carpectomy“).
  • Die Unterbrechung ausschließlich schmerzleitender Nervenfasern zum Handgelenk (so genannte Denervierung). Das Schmerzempfinden wird hierdurch nicht vollständig beseitigt, so doch in den meisten Fällen deutlich gemindert. Das Gefühl an den Fingern wird nicht beeinträchtigt. Die Methode ist in allen Stadien entweder allein oder in Verbindung mit einer der oben beschriebenen operativen Maßnahmen wirksam.

Die Behandlung der Mondbeinnekrose im Stadium IV bei bereits eingetretner Handgelenskarthrose unterscheidet sich nur wenig von der Behandlung anderer Formen der Handgelenksarthrose.

Als Verfahren zur Schmerzlinderung kommen eine Denervierung der Handwurzel, eine definitive Versteifung („Arthrodese“) oder aber ein Handgelenksersatz durch eine Endoprothese in Frage.

Empfehlung

Eine Heilung der Mondbeinnekrose ist nur in frühen Stadien möglich, entweder durch Ruhigstellung oder Einsetzen eines Knochenspans, selten auch einmal durch eine druckentlastende Operation.

In fortgeschrittenen Stadien können Schmerzen gelindert, die Veränderungen selbst nicht mehr rückgängig gemacht werden.  

Eine generelle Therapieempfehlung für alle Stadien der Mondbeinnekrose kann nicht gegeben werden. Das Verfahren ist vom Stadium der Erkrankung, der Intensität der Beschwerden und den funktionellen Erfordernissen abhängig und wird individuell festgelegt.