21. Mai 2022

Schnellender Finger

PDF-Download Häufig gestellte Fragen Ringbandspaltung

Beugesehnenkanal am Finger, durch Ringbänder verstärkt

Die von den Unterarmmuskeln kommenden Sehnen verlaufen zusammen mit ihren Sehnenscheiden zu den Mittel- und Endgliedern der Finger oder zum Endglied des Daumens. An den Fingern werden die Sehnen zusammen mit ihren Sehnenscheiden in einem bindegewebigen Kanal eng am Knochen geführt. Dieser beginnt etwa in der Mitte der Hohlhand und reicht bis zu den Fingerendgelenken. Er wird an seinem Beginn in der Hohlhand und an bestimmten Stellen in seinem Verlauf durch straffe Faserzüge verstärkt (die sogenannten Ringbänder). Diese werden in ihrer Reihenfolge von A1 nach A5 und C1 bis C3 bezeichnet. Entsprechend einem Bowdenzug gewährleisten die Ringbänder bei der Fingerbeugung die Spannung der Sehne, die sich unter Zug nicht vom Knochen abheben kann. Bei den Fingern handelt es sich um 2 Beugesehnen. Die tiefe Beugesehne verläuft über den ganzen Finer bis dessen Endglied. Die zweite Beugesehne verläuft oberflächlich, teilt sich und endet am Mittelglied.

Regelhaft entwickelt sich im Laufe des Lebensalters im unterschiedlichen Ausmaß eine gewisse Verdickung der oberflächlichen der beiden Beugesehnen. Mit der knotigen Verdickung der Sehne zwischen dem ersten (A1-Ringband) und dem zweiten (A2-Ringband) entstehen Bewegungsschmerzen und im weiteren Verlauf ein Schnappen bei der Bewegung des Fingers. Manchmal ist die Verdickung der Sehne und ihrer Hüllen nur vorübergehend; das Schnappen verschwindet wieder ohne weitere Maßnahmen. Meist sind die Veränderungen jedoch anhaltend; in schweren Fällen kann es zu einer Blockierung des Fingers in Beuge- oder Streckstellung kommen. In fortgeschrittenen Fällen ist die verdickte oberflächliche Beugesehne an ihrer Oberfläche aufgeraut und aufgefasert, Der Finger kann kann nicht mehr vollständig gestreckt werden

Untersuchung

Bereits der Verlauf der Symptome gibt einen deutlichen Hinweis. Bei der Untersuchung kann der Sehnenknoten getastet werden. Das Schnappen ist bei der Untersuchung nicht immer vorhanden; manchmal tritt es nur morgens auf und ist dann nicht mehr nachzuweisen. Ganz gelegentlich tritt ein Bewegungsschnappen am Finger aus anderer Ursache auf, etwa durch „Verrutschen“ der Stecksehne. Dies muss bei der Untersuchung differenziert werden.

Eine Kernspintomografie („MRT“) kann das Schnappen nicht nachweisen. Man kann damit entzündliche Veränderungen am Sehnenkanal erkennen, die über den Sehnenknoten hinausgehen.

Behandlungsmöglichkeiten

Eine Kortisoninjektion in die Ringbandumgebung kann die Verdickung der Sehne vorübergehend bessern. Das Schnappen kann damit zunächst beseitigt werden. Die Veränderungen selbst werden durch das Kortison nicht beseitigt; meist treten die Symptome nach einiger Zeit wieder in gleicher Form auf. Wiederholte Kortisoninjektionen können zu einer Beschädigung der Sehne und im schlimmsten Fall zu einem Riss der Sehne führen.

Ringbandspaltung

Die operative Behandlung besteht in der Durchtrennung („Spaltung“) des ersten Ringbandes („A1-Ringbandspaltung“). In örtlicher Betäubung wird die Haut unmittelbar darüber dem Sehnenknoten geöffnet und das erste Ringband durchtrennt.

Das Schnappen bei der Beugung ist nach der Operation zuverlässig beseitigt. Konnte der Finger vor der Operation nicht vollständig gestreckt werden, kann sich dies in den Monaten danach allmählich normalisieren. Ursache ist die starke Verdickung der oberflächlichen Beugesehne, die nicht unter des zweite Ringband eintritt.

Risiken und mögliche Komplikationen

In manchen Fällen kommt es nach der Operation zu einer Verhärtung der Operationsnarbe und zu einer Bewegungseinschränkung des Fingers, meist für Streckung. Sie ist auch hier durch die Verdickung der Sehne und einer relativen Enge beim Eintritt des verdickten Sehnenanteils in das zweite (A2) Ringband verursacht. In diesen Fällen kann der Finger in den ersten Wochen nach der Operation nicht vollständig gestreckt werden. Diese Veränderungen bilden sich normalerweise in den ersten Wochen nach der Operation allmählich zurück. Die Entwicklung kann durch abschwellende Medikamente und gezielte Bewegungs- und insbesondere Dehnungsübungen beschleunigt werden. Bessert sich dies auch in der Folgezeit nicht, kann eine erneute Operation helfen, bei der die stark verdickte Sehne selbst reduziert wird.

Empfehlung

Ein schnellender Finger muss nur behandelt werden, wenn des Schnappen subjektiv störend ist. Hilft eine Injektion nicht, ist das Schnappen mit der Ringbandspaltung zuverlässig beseitigt. Manchmal bleiben nach der Operation Beschwerden, die sich in den allermeisten Fällen allmählich spontan zurückbilden.

Letzte Aktualisierung: 28.4.2022