21. Mai 2022

Untersuchungsverfahren

Labor, Röntgen, Computertomografie und Kernspintomografie

Viele handchirurgische Erkrankungen und Verletzungen können durch eine einfache körperliche Untersuchung diagnostiziert werden. In vielen Situationen sind Labor- und so genannte bildgebende Untersuchungen notwendig.

Im Rahmen einer Notfallsituation sind bestimmte Laboruntersuchungen notwendig. Dazu gehören Blutbild und die Blutsenkungsgeschwindigkeit sowie Entzündungsparameter wie CRP („C-reaktives Protein“) und auch manchmal die Bestimmung der Harnsäure. Bei bestimmten Fragestellungen sind spezielle Laboruntersuchungen notwendig. Dazu gehöret die Abklärung bestimmter entzündlicher Veränderungen oder rheumatischer Erkrankungen – diese werden durch den Internisten oder Rheumatologen durchgeführt. 

Bei den meisten Verletzungen und Erkrankungen der Hand ist die einfache Röntgenaufnahme die bildgebende Basisuntersuchung.  

Röntgenbild eines gesunden Handgelenks

Die „einfache“ Röntgenaufnahmen blickt „durch die Hand“. Abgebildet werden knöcherne Strukturen, die quasi zusammen auf eine Ebene projiziert werden. Man erkennt Frakturen, tumoröse und entzündliche Veränderungen des Knochens sowie Störungen der Knochenstruktur. Eine Röntgenuntersuchung ermöglicht die Darstellung der Lagebeziehung der Knochen zueinander und Veränderungen der Gelenke wie eine Verrenkung („Luxation“). Es ergeben sich indirekte Zeichen von Bänderrissen durch Änderung des Abstands und der Stellung der Handknochen.

Ein Röntgenbild kann nur knöcherne Strukturen und manche Fremdköper abbilden. Bänder, Sehnen und sonstige „Weichteile“ sind nicht zu sehen.

Jede Röntgenuntersuchung hat eine gewisse Strahlenbelastung. Bei der Röntgenaufnahme der Hand ist diese im Vergleich zu Röntgenuntersuchungen an Brust-und Bauchraum nur minimal. Gleichermaßen sollte grundsätzlich nur bei einer konkreten Fragestellung geröntgt werden.

Auf dem linken Bild ist der Bruch des Kahnbeins nur eben sichtbar. Die Abbildung der Computertomografie  (Bildmitte) zeigt den Bruch deutlich, die seitliche Aufnahme dazu (rechts) die Verschiebung und Verkippung der Fragmente.

Auch die Computertomografie ist prinzipiell eine Röntgenuntersuchungen. Bei einer Computertomografie (CT) wird die Hand geröntgt und rechnerisch in kleinen „Scheiben“ abgebildet, die dann getrennt betrachtet werden. Auch ist es möglich, das Knochenskelett dreidimensional abbilden und „von außen“ das Skelett zu betrachten. 

Die Computertomografie ist das beste Verfahren zur Darstellung der Knochenfeinstruktur. Sie dient zur Feststellung von Knochenbrüchen, deren Verlauf dann exakt beurteilt werden kann. Auch alle anderen Knochenerkrankungen wie Arthrosen, entzündliche und tumoröse Veränderungen werden abgebildet.

Bruch der körperfernen Speiche; links im „einfachen “ Röntgenbild, in der MItte im Computertomogramm in einer Schicht und rechts im Computertomogramm in der Aufsicht

Ein Computertomogramm („CT“) ist bei komplizierten Frakturen zur Diagnose, Therapieentscheidung und -planung erforderlich. Allerdings hat ein CT eine gegenüber einer „einfachen“ Röntgenuntersuchung deutlich höhere Strahlenbelastung. 

Kahnbeinbruch im Kernspintomogram („MRT“)

Eine  Kernspintomografie („MRT“) hat – im Gegensatz zum Röntgen und vor allem zum Computertomogramm – keine Strahlenbelastung. Allenfalls die Verwendung von Kontrastmittel ist bei wiederholter Durchführung zu diskutieren. 

Die Kernspintomografie (MRT) bildet alle übrigen Gewebe („Weichteile“) ab. Im Gegensatz zur Röntgenuntersuchung und Computertomografie, durch die fast ausschließlich Knochen abgebildet wird, sind bei der Kernspintomografie auch alle anderen Strukturen wie Sehnen, Bänder und Nerven und deren krankhafte Veränderungen sichtbar. Dargestellt aber auch biologische Vorgänge wie eine Flüssigkeitsansammlung („Ödem“) oder auch die Durchblutung.

Am Knochen können durch eine Kernspintomografie sowohl Veränderungen der Durchblutung als auch Reizzustände abgebildet werden. Im Kernspintomogramm können sowohl eine Fraktur als auch Frakturvorstufen, bei denen der Knochen noch nicht vollständig gebrochen ist, festgestellt werden. Bei der Darstellung der Knochenfeinstruktur ist jedoch das Computertomogramm das geeignetere Verfahren.

Mit der Ultraschalluntersuchung der Hand („Sonografie„) können fast alle Strukturen der Hand dargestellt werden. Hierzu gehören Knochen und Gelenke, Sehnen, Bänder und Kapsel, Zysten und Tumoren und mit speziellem Gerät auch die Nerven bis in die kleinsten Aufzweigunngen. Man kann dies von jedem beliebigen Winkel aus realisieren.

Im Ultraschall ist es möglich, die Beschaffenheit und den Flüssigkeitsgehalt der Strukturen festzustellen, damit entzündliche Vorgänge festzustellen und in ihrem Verlauf zu beobachten. eine weitere Anwendung ist die Lagekontrolle von Injektionskanülen im Gewebe, etwa bei Injektionen in ein Gelenk oder in eine Sehnenscheide.

Eine Ultraschalluntersuchung ist vollkommen ungefährlich und ohne jede Strahlenbelastung. Sie kann damit jederzeit wiederholt werden.

Die Ultraschalluntersuchung ist im Gegensatz zur Röntgen- oder Kernspintomografie eine dynamische Untersuchung, die eine Bewegung der Aufnahmesonde erfordert. Es können zwar Bilder gefertigt werden, deren Aussagkraft ist jedoch begrenzt. Viele Detail werden in ihrer Lagebeziehung im Röntgenbild oder mit einer Kernspintomografie exakter abgebildet. Die Sonografie ist einfach durchzuführen. Sie ergänzt CT und MRT und ist mit verbesserter Aufnahmetechnik zunehmend unverzichtbar.

Empfehlung

Welches Untersuchungsverfahren notwendig ist, ist von Situation zu Situation völlig verschieden und muss vorher individuell nach Untersuchung entschieden werden.