27. November 2022

Bakterielle Infektionen an der Hand

PDF-Download Häufig gestellte Fragen Multiresistente Keime

Bakterielle Infektion der Hand

Eine bakterielle Infektion entsteht durch das Eindringen und die Vermehrung von eiterbildenden („pyogenen“) Bakterien.

Die häufigste Ursache einer Handinfektion ist eine Öffnung der Haut, meist eine offene Verletzung. Die Wunde („Eintrittspforte“) kann dabei ganz geringfügig sein. An der Hand ausgesprochen selten sind Infektionen nach operativen Eingriffen.

Häufig sind Infektionen im Bereich des Fingernagels lokalisiert. Schon kleine Hautläsionen, etwa bei der Nagelpflege, können dabei das Eindringen der Bakterien ermöglichen.

Besonders gefährdet sind solche Verletzungen mit Gegenständen, die mit Bakterien kontaminiert sind. Hierzu gehören Bissverletzungen und Schnittverletzungen mit Gegenständen, die zuvor mit Fleisch oder Abfällen in Berührung waren.

Eine häufige Ursache für Infektionen an der Hand sind Tierbisse. Bei Tierbissverletzungen ist die Infektionsgefahr größer, wenn es sich um kleine Tiere handelt. Deren kleine und spitze Zähne können tief in das Gewebe eindringen und Bakterien in den Körper transportieren.

Bei Bissverletzungen kommt die Aggressivität bestimmter Bakterienstämme hinzu. Hervorzuheben sind dabei Katzenbisse, zu einem wegen deren Häufigkeit, zum anderen wegen ganz besonderer hochaggressiver Bakterien im Katzenspeichel („Pasteurella multocida“). Hervorzuheben sind auch Verletzungen die durch menschliche Zähne hervorgerufen werden, etwas durch das Eindringen eines Zahnes in die Haut des Handrückens beim Faustschlag.

Verletzungen bei der Gartenarbeit sind ebenfalls eine häufige Ursache von Handinfektionen. Zu erwähnen sind dabei kleinere Fremdkörper, deren Eindringen nicht bemerkt wird oder die mit einfachen Mitteln nicht beseitigt werden konnten.

Auch eine Operationswunde kann Ausgangsort einer bakteriellen Infektion sein. Umfangreiche hygienische Vorkehrungen auch bei kleinen Eingriffen an der Hand helfen, dieses Risiko so klein wie möglich zu halten.

Der Verlauf einer bakteriellen Infektion ist von mehreren Faktoren abhängig. Wesentliche Faktoren sind die Anzahl eingedrungener Bakterien, deren Aggressivität („Virulenz“), die Abwehrkraft des Organismus und nicht zuletzt die medizinische Behandlung. Besondere Probleme bei Handinfektionen entstehen durch die unmittelbare räumliche Nähe verschiedener anatomischer Strukturen. Sehnen und Sehnenscheiden ermöglichen eine rasche Ausbreitung der Infektion entlang deren Gleitschichten im Gewebe. Kommt es bei einer Verletzung zu einer Gelenkeröffnung, können sich Bakterien in Gelenkinneren ausbreiten und vermehren.

Häufige Diagnosen

Häufigste bakterielle Infektion an der Hand ist die Infektion am Nagelwall („Paronychie“). Durch kleine Einrisse der Haut, oft bei der Nagelpflege, treten Bakterien ein. Nach anfänglicher Rötung kann es zu einer Eiterbildung („Einschmelzung“) am Nagelrand kommen.

Eine eitrige Fingerinfektion der Fingerkuppe entsteht durch kleine Hautverletzung und wird als „Panaritium“ bezeichnet. Es sind verschiedene Ausbreitungs- und Erscheinungsformen möglich: Neben der Infektion des Unterhautgewebes („Panaritium subcutaneum“) kann es zur Beteiligung von Sehnen und Sehnenscheiden („Panaritium tendineum“) sowie von Knochen („Panaritium ossale“) und Gelenken („Panaritium articulare“) kommen.

Unter einem „Abszess“ versteht man eine örtliche Eiteransammlung im Gewebe; als „Empyem“ bezeichnet man eine Eiteransammlung in einem Gelenk.

Häufigste bakterielle Infektion an der Hand ist die Infektion am Nagelwall („Paronychie“) Durch kleine Einrisse  der Haut, oft bei der Nagelpflege, treten Bakterien ein. Nach anfänglicher Rötung kann es zu einer Eiterbildung („Einschmelzung“) am Nagelrand kommen.

Symptome

Die charakteristischen Symptome einer Infektion sind Schwellung, Rötung, Druckschmerz und eingeschränkte Funktion. Bei der Infektion einer offenen Wunde kommt es zu einer eitrigen Absonderung. Bei ausgeprägter Infektion können Allgemeinsymptome wie Temperaturanstieg und Krankheitsgefühl hinzukommen.

Notwendige Untersuchungen

Grundlage ist die körperliche Untersuchung der Hand. Laboruntersuchungen sind vor allem für die Beurteilung des Verlaufs oder zur Abgrenzung gegenüber rheumatischen und anderen nichtinfektiösen Entzündungen (Gicht!) wichtig. Die Blutuntersuchung ergibt in schweren Fällen charakteristische Veränderungen (Blutsenkungsgeschwindigkeit, Zahl und Verteilung der weißen Blutkörperchen und weitere Parameter wie der CRP-Wert („C-reaktives Protein“).

Röntgenuntersuchungen können eine knöcherne Beteiligung nachweisen, manchmal auch einen Fremdkörper. Zudem sind sie bei längerem Verlauf notwendig. Nur in besonderen Fällen, insbesondere bei unsicherer Diagnose, sind Computertomographie, Sonographie und Kernspintomografie (MRT) hilfreich.

Behandlung

Eine Infektion der Hand kann im Anfangsstadium und in leichten Fällen nichtoperativ („konservativ„) behandelt werden. Bestandteile der konservativen Behandlung sind eine Ruhigstellung sowie eine Antibiotikagabe; kurzfristige Kontrollen sind notwendig. Die Gefahr der Antibiotikabehandlung besteht in einer Verschleierung der Symptome trotz weiterer Ausbreitung der Infektion. In ungünstigen Fällen wird hierdurch eine notwendige chirurgische Behandlung verzögert.

Im Regelfall muss eine eitrige Fingerinfektion frühzeitig operativ behandelt werden, um deren weitere Entwicklung zu stoppen.

Bestandteile der operativen Behandlung sind die Eröffnung des Infektionsherdes. Mit der Entfernung entzündeten Gewebes wird der Infektion der Nährboden entzogen. Zur  Schaffung eines ausreichenden Sekretabflusses wird die Wunde nicht vollständig geschlossen. Eine Spannung beim Wundschluss ist in jedem Fall zu vermeiden. Können wichtige Strukturen wie Knochen oder Sehnen nicht ohne Spannung bedeckt werden, wird  ein Hautersatz verwendet und die Wunde in einem zweiten Schritt nach Rückgang der Infektion verschlossen.

Bei der Operation wird Material zur bakteriologischen Untersuchung gewonnen. Die vorhandenen Bakterien werden angezüchtet, die Wirksamkeit potentieller Antibiotika getestet.

Nicht immer ist es möglich, die Bakterien anzuzüchten. Wurde vor der Sekretentnahme antibiotisch behandelt, kann eine Anzüchtung gänzlich unmöglich sein. Grundsätzlich soll daher vor dem Beginn der antibiotischen Behandlung Material zur bakteriologischen Untersuchung gewonnen und eingeschickt werden.

Nicht alle Infektionen sind durch häufige eiterbildende Bakterien verursacht. Liegt eine Sonderform vor, wird zusätzlich Material zur feingeweblichen Untersuchung eingeschickt.

Im Anschluss an die Operation wird eine antibiotische Behandlung durchgeführt. Diese kann mit Spritzen („intravenös“), Tabletten oder auch durch in die Wunde selbst eingelegte Antibiotikaträger („Ketten“) durchgeführt werden. Die Wahl des Antibiotikums erfolgt mit der Operation  „blind“, nach Annahme des wahrscheinlich vorliegenden Bakterienstamms. Nach Eintreffen des Ergebnisses der bakteriologischen Testung kann die Behandlung dann durch die Wahl eines zielgerichteten Antibiotikums modifiziert werden.

Eine Schienenruhigstellung ist in der Anfangsphase bis zum Rückgang der Infektionszeichen hilfreich.

Im günstigen Fall wird die Infektion durch einen einzigen Eingriff beherrscht. Bilden sich die Infektionserscheinungen nicht innerhalb von wenigen Tagen zurück, sind weitere Maßnahmen notwendig – in der Regel ein erneuter Eingriff, um noch vorhandene Infektionsherde auszuräumen. War beim Ersteingriff ein Verschluss nicht möglich und musste Kunsthaut verwendet werden, ist eine weiterer Eingriff notwendig. In Frage kommt eine direkte Naht, in schweren Fällen auch eine Hautverschiebung oder -transplantation.

Je nach Schwere der Veränderungen kann zu Bewegungseinschränkungen und schmerzhaften Narben kommen. Sind die akuten Krankheitserscheinungen abgeklungen, wird mit der Bewegungstherapie begonnen. In manchen Fällen sind spätere Korrekturen wie Narbenentfernung und Sehnenlösung notwendig.

Risiken und Komplikationen

  • Erfahrungsgemäß liegen die größten Risiken weniger bei den direkten Operationsfolgen, sondern in den Folgen einer zu spät begonnenen oder unzureichend durchgeführten chirurgischen Behandlung.
  • Die Gefahr liegt in einem verlängerten Krankheitsverlauf und einer Ausbreitung der Keime entlang der verschiedenen Strukturen.
  • Mögliche Infektionsfolgen sind eine starke Narbenbildung, eine Gefühlsstörung sowie eine Bewegungseinschränkung der Finger oder des Handgelenks.