Bakterielle Infektionen an der Hand

PDF- Download Häufige Fragen

 Bakterielle Infektion der Hand entstehen durch das Eindringen und die Vermehrung von eiterbildenden (“pyogenen”) Bakterien.

Die häufigste Ursache einer Handinfektion ist eine Öffnung der Haut, meist eine offene Verletzung. Die Wunde (“Eintrittspforte”) kann dabei ganz geringfügig sein.

Häufig sind Infektionen im Bereich des Fingernagels lokalisiert. Schon kleine Hautläsionen, etwa bei der Nagelpflege können dabei das Eindringen der Bakterien ermöglichen.

Besonders gefährdet sind solche Verletzungen, die bereits anfangs mit Bakterien kontaminiert sind. Hierzu gehören Bissverletzungen und Schnittverletzungen mit Gegenständen, die zuvor mit Fleisch oder Abfällen in Berührung waren.

Bei Tierbissverletzungen ist die Infektionsgefahr größer, wenn es sich um kleine Tiere handelt. Deren kleine und spitze Zähne können tief in das Gewebe eindringen und Bakterien in den Körper transportieren.  Bei Bissverletzungen kommet die Aggressivität bestimmter Bakterienstämme hinzu. Hervorzuheben sind dabei Katzenbisse, zu einem wegen deren Häufigkeit, zum anderen wegen ganz besonderer hochaggressiver Bakterien im Katzenspeichel („Pasteurella multocida“). Hervorzuheben sind auch Verletzungen die durch menschliche Zähne hervorgerufen werden, etwas durch das Eindringen eines Zahnes in die Haut des Handrückens beim Faustschlag.

Verletzungen bei der Gartenarbeit sind ebenfalls eine häufige Ursache von Handinfektionen. Zu erwähnen sind dabei kleinere Fremdkörper, deren Eindringen nicht bemerkt wird oder die mit einfachem Mitteln nicht beseitigt werden konnten.

Auch eine Operationswunde kann Ausgangsort einer bakteriellen Infektion sein. Umfangreiche hygienische Vorkehrungen auch bei kleinen Eingriffen an der Hand helfen, dieses Risiko so klein wie möglich zu halten.

Infektionen können sehr verschiedene Verläufe nehmen. Abhängig ist dies von der Anzahl der eingedrungenen Bakterien, von deren Aggressivität (“Virulenz”), von der Abwehrkraft des Organismus und nicht zuletzt von der ärztlichen Behandlung. Besondere Probleme bei Handinfektionen entstehen durch die unmittelbare räumliche Nähe verschiedener anatomischer Strukturen. Sehnen und Sehnenscheiden ermöglichen eine rasche Ausbreitung der Infektion entlang deren Gleitschichten im Gewebe. Nach der Abheilung der Infektion führen Verklebungen zwischen den beteiligten Strukturen leicht zu Kontrakturen und Bewegungseinschränkungen.

  

Medizinische  Diagnosen

Häufigste bakterielle Infektion an der Hand ist die Infektion am Nagelwall („Paronychie“) Durch kleine Einrisse  der Haut, oft bei der Nagelpflege, treten Bakterien ein. Nach anfänglicher Rötung kann es zu einer Eiterbildung („Einschmelzung“) am Nagelrand kommen.

Eine eitrige Fingerinfektion der Fingerkuppe entsteht durch kleine Hautverletzung und wird als “Panaritium” bezeichnet. Es sind verschiedene Ausbreitungs- und Erscheinungsformen möglich: Neben der Infektion des Unterhautgewebes (“Panaritium subcutaneum”) kann es zur Beteiligung von Sehnen und Sehnenscheiden (“Panaritium tendineum”) sowie von Knochen (“Panaritium ossale”) und Gelenken („Panaritium articulare“) kommen. Unter einer “Phlegmone” wird die Ausbreitung der Infektion in den Gewebsspalten bezeichnet. Besonders gefährlich ist die Ausbreitung entlang der Sehnengleitschichten (“Sehnenscheidenphlegmone”). Unter einem “Abszess” versteht man eine örtliche Eiteransammlung im Gewebe; als “Empyem” bezeichnet man eine Eiteransammlung in einem Gelenk.

Symptome

Die charakteristischen Symptome einer Infektion sind Schwellung, Rötung, Druckschmerz und eingeschränkte Funktion. Bei der Infektion einer offenen Wunde kommt es zu einer eitrigen Absonderung. Bei ausgeprägter Infektion können Allgemeinsymptome wie Temperaturanstieg und Krankheitsgefühl hinzukommen.

Notwendige Untersuchungen

Grundlage ist die körperliche Untersuchung der Hand. Laboruntersuchungen sind vor allem für die Beurteilung des Verlaufs oder zur Abgrenzung gegenüber rheumatischen und anderen nichtinfektiösen Entzündungen wichtig. Die Blutuntersuchung ergibt in schweren Fällen charakteristische Veränderungen (Blutsenkungsgeschwindigkeit, Zahl und Verteilung der weißen Blutkörperchen und weitere Parameter wie der CRP-Wert („C-reaktives Protein”).

Röntgenuntersuchungen können eine knöcherne Beteiligung nachweisen und sind bei längerem Verlauf notwendig. Nur in besonderen Fällen, insbesondere bei unsicherer Diagnose, sind Computertomographie, Sonographie und Kernspintomografie (MRT) hilfreich.

Behandlung

Eine Infektion der Hand kann im Anfangsstadium und in leichten Fällen nichtoperativ (“konservativ“) behandelt werden. Bestandteile der konservativen Behandlung sind eine Ruhigstellung sowie eine Antibiotikagabe; kurzfristige Kontrollen sind notwendig. Die Gefahr der Antibiotikabehandlung besteht in einer Verschleierung der Symptome trotz weiterer Ausbreitung der Infektion. In ungünstigen Fällen wird hierdurch eine notwendige chirurgische Behandlung verzögert.

Im Regelfall muss eine eitrige Fingerinfektion frühzeitig operativ behandelt werden, um deren weitere Entwicklung zu stoppen.

Bestandteile der operativen Behandlung sind die Eröffnung des Infektionsherdes, die Entfernung entzündeten Gewebes, um der Infektion den Nährboden zu entziehen und die Schaffung eines ausreichenden Sekretabflusses.

Bei der Operation wird Material zur bakteriologischen Untersuchung gewonnen. Die vorhandenen Bakterien werden angezüchtet, die Wirksamkeit potentieller Antibiotika an der Bakterienkultur getestet.

Nicht immer ist es möglich, die Bakterien anzuzüchten. Wurde bereits vor der Sekretentnahme antibiotisch behandelt, kann dies gänzlich unmöglich sein. Grundsätzlich soll daher vor dem Beginn der antibiotischen Behandlung Material zur bakteriologischen Untersuchung gewonnen und eingeschickt werden.

Im Anschluss an die Operation wird eine antibiotische Behandlung durchgeführt. Diese kann mit Spritzen (“intravenös”), Tabletten oder auch durch in die Wunde selbst eingelegte Antibiotikaträger (“Ketten”) durchgeführt werden. Die Wahl des Antibiotikums erfolgt „blind“, nach Annahme des wahrscheinlich vorliegenden Bakterienstamms. Nach Eintreffen des Ergebnisses der bakteriologischen Testung kann die Behandlung dann durch die Wahl eines zielgerichteten Antibiotikums modifiziert werden.

Im günstigsten Fall wird die Infektion durch einen einzigen Eingriff beherrscht. Bilden sich die Infektionserscheinungen nicht innerhalb von wenigen Tagen zurück, sind weitere Maßnahmen notwendig – in der Regel ein erneuter Eingriff, um noch vorhandene Infektionsherde auszuräumen.

Eine Schienenruhigstellung ist in der Anfangsphase bis zum Rückgang der Infektionszeichen hilfreich.

Je nach Schwere der Veränderungen kann zu Bewegungseinschränkungen und schmerzhaften Narben kommen. Sind die akuten Krankheitserscheinungen abgeklungen, wird mit der Bewegungstherapie begonnen. In manchen Fällen sind spätere Korrekturen wie Narbenentfernung und Sehnenlösung notwendig.  

 Risiken und Komplikationen

Erfahrungsgemäß liegen die größten Risiken weniger bei den direkten Operationsfolgen sondern in den Folgen einer zu spät begonnenen oder unzureichend durchgeführten Behandlung.

Die Gefahr liegt in einem verlängerten Krankheitsverlauf und einer Ausbreitung der Keime entlang der verschiedenen Strukturen.

Mögliche Infektionsfolgen sind eine starke Narbenbildung, eine Gefühlsstörung sowie eine Bewegungseinschränkung der Finger oder des Handgelenks.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.