21. Mai 2022

Kubitaltunnelspaltung

An der Innenseite des Ellenbogens verläuft der Nervus ulnaris in einem engen Knochenkanal zum Unterarm. Beim Übertritt in die Unterarmmuskulatur unterquert er ein bindegewebiges Faserband; hier kann es allmählich zu einer Druckerhöhung mit Schädigung des Nerven kommen. Der Nervus ulnaris vermittelt das Gefühl an Ring- und Kleinfinger und steuert die Funktion der kleinen Handmuskeln.  Ein Kubitaltunnelsyndrom bezeichnet die Krankheitserscheinungen bei einer Schädigung des N. ulnaris durch eine Druckerhöhung im Nervenkanal am Ellenbogen.

Operationsprinzip

Bei der Operation wird die Faserplatte über dem Nerven gelegen komplett durchtrennt und offen belassen. Kann der Nerv im Anschluss daran bei Beugung des Ellenbogens aus dem Kanal herausspringen, wird er in gleicher Sitzung komplett vor den Ellenbogen verlagert („Vorverlagerung“).

Blutleere

Zur Operation ist eine Blutfreiheit erforderlich. Hierzu wird der Arm mit einer Binde gewickelt und am Oberarm eine Stauungsmanschette angelegt. Der Druck bleibt bis zum Wundverschluss bestehen. Eine solche Blutleere kann für mindestens zwei Stunden aufrecht erhalten werden, ohne Schäden im Gewebe zu verursachen. Dies wird akribisch kontrolliert. Bei länger dauernder Operation wird die Manschette nach 2 Stunden geöffnet. Schäden im Gewebe durch die Blutleere sind damit nicht zu befürchten.

Eingriff

Der Hautschnitt liegt an der Innenseite des Ellenbogens. Die Gewebeschichten unter der Haut werden getrennt. Das über dem Nerven gelegene Band („Unterarmfaszie“) wird über die Länge des Hautschnitts hinaus bis in die Muskulatur am Unterarm durchtrennt. Anschließend erfolgt eine Bewegungsprüfung des Ellenbogengelenks. Bleibt der Nerv in seinem Kanal, wird der Eingriff beendet und die Haut mit wenigen Stichen geschlossen. Nach der Operation wird ein Verband angelegt, eine Schiene ist nicht erforderlich.

Tritt der Nerv bei der Bewegungsprüfung aus dem Knochenkanal über den Oberarmknochen nach vorne, ist eine vollständige Vorverlagerung sinnvoll. Der Hautschnitt wird dann in Richtung auf den Oberarm verlängert und der Nerv bis zum Oberarm aus dem Gewebe gelöst. Er kann dann ohne Spannung vor den Oberarmknochen verlagert werden. Die Haut wir danach verschlossen. Nach dem Wundverschluss wird ein Verband und zusätzlich eine Schiene vom Oberarm bis zum Handgelenk angelegt.

Besteht bei der Operation eine gewisse Blutungsneigung, wird eine Drainage eingelegt. („Redon-Drainage“). Diese wir mit einem Silikonschlauch zu einem Vakuumgefäß verbunden und nimmt über Nacht eventuell gebildetes Sickerblut auf.

Am Tag danach

Wurde lediglich eine Neurolyse durchgeführt, wird ersten Tag nach dem Eingriff die Drainage gezogen, der Verband gewechselt, typischerweise gegen ein Pflaster, dass die Wunde nach außen abschließt. Ein spezielles Übungsprogramm in den ersten Tagen ist nicht erforderlich. Nach 10-12 Tagen werden die Fäden entfernt. Bis dahin sollte die Wunde trocken bleiben.

Im Falle einer Vorverlagerung wird die Schiene wieder angelegt und bis zum Fadenzug nach 10 Tagen belassen.

Nachbehandlung

Nach dem Fadenzug kann der Ellenbogen bewegt werden. Eine spezielle funktionelle Therapie ist in den meisten Fällen nicht erforderlich.

Verlauf, Komplikationen und Ausblick

Eingriffstypische aber ausgesprochen seltene Komplikationen sind eine Beschädigung des Nerven im Rahmen der Operation oder eine unvollständige Öffnung und Druckentlastung durch Eingriff.

Nach dem Eingriff sind die Gefühlsstörungen an Ring- und Kleinfinger in den meisten Fällen noch nicht vollständig normalisiert. Die Erholung des Nerven kann mehrere Monate bis zu 2 Jahre in Anspruch nehmen und ist nicht immer vollständig. Inwieweit der Nerv sich nach der Operation erholt, hängt vom Grad der Schädigung ab. Eine vollständige Erholung ist in den meisten Fällen noch möglich.