21. Mai 2022

Enchondrom

PDF-Download Häufig gestellte Fragen

Enchondrom am Fingerendglied
Das gleiche Enchondrom im Kernspintomogramm („MRT“)

Gut- und bösartige Gewebeneubildungen können prinzipiell von jedem Gewebe des Körpers, auch vom Knochengewebe ausgehen. Das so genannte Enchondrom ist der häufigste gutartige Knochentumor an der Hand.

Bei einem Enchondrom vermehren sich knorpelige Zellen. Dieser eignet sich im Inneren des Knochens in einem Bereich der normal nicht von Knorpelüberzogene ist. Der Tumor wächst extrem langsam über Jahre und nimmt langsam an Größe zu. Dies ereignet sich vollständig schmerzfrei sodass in den ersten Jahren der Tumorentwicklung keinerlei Symptome auftreten.

Als Reaktion auf das Tumorwachstum bildet sich der umgebende gesunde Knochen ganz allmählich zurück. Die Festigkeit nimmt ab. Im weiteren Verlauf kann es sein das der knorpelige Tumor durch den Knochen hindurch tritt. Als Folge des Tumors kommt es irgendwann in dessen Entwicklung zum Bruch des Knochens. Aufgrund der Schwächung der der Knochenstruktur ist hierzu keine große Kraft notwendig. Man bezeichnet dies als eine pathologische Fraktur. Trotz des Tumors ist die Heilungstendenz einer solchen pathologischen Fraktur ausgesprochen gut die Heilungsdauer ist meist kürzer als nach „normalen“ Frakturen.

Die Ursache der Entstehung   ist wie bei den meisten Tumoren nicht bekannt.

Symptome bestehen in der Anfangsphase nicht. Nimmt die Festigkeit des Knochens ab, kann dieser ohne adäquates Traume brechen: es kommt zu einer so genannten „pathologischen Fraktur“. Bei manchen Enchondromen kommt es zu einer äußerlich sichtbaren Verdickung des Fingers im Tumorbereich.Sofern keine Fraktur eintritt, ist die Tumorentwicklung schmerzfrei und verläuft lange – häufig über Jahre- unbemerkt.

Bei der Untersuchung führt ein einfaches Röntgenbild in aller Regel zur Diagnose. Weitergehende Untersuchungen wie Kernspintomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) sind nur im Ausnahmefall notwendig.

Die Behandlung eines Enchondroms ist operativ:  Wird ein Enchondrom festgestellt und liegt noch keine Fraktur des Knochens vor, wird der befallene Abschnitt des Knochens wird eröffnet und das krankhafte Gewebe entfernt. Es resultiert ein Knochendefekt entsprechend der Größe des Tumors. Auch ohne weitere Maßnahmen füllt sich der Knochendefekt ganz allmählich. In dieser Zeit ist der Knochen vermindert belastbar. Die Zeitspanne hängt von der Größe des Defektes ab.

Eine schnellere Auffüllung wird durch Übertragung von gesundem Knochen, meist aus dem Beckenkamm erreicht. Ob dies notwendig ist, richtet sich nach der Größe des Tumors und der Nachbarschaft zu Gelenken. Bei großen Enchondrom verkürzt die Auffüllung mit Knochengewebe die Zeit bis zur Belastbarkeit des Knochens erheblich. Die Gefahr eines Knochenbruchs wird reduziert. Insbesondere bei Enchondromen im Gelenkbereich ist dies ein Argument für eine Übertragung von Knochengewebe.

Eine Fraktur eines mit einem Enchondrom befallenen Knochens hat ohne Operation eine ausgesprochen gute Heilungstendenz. Dagegen ist die gleichzeitige Entfernung des Enchondroms und operative Stabilisierung des Knochens technisch problematisch, da der Knochen sehr ausgedünnt ist. Besteht keine erhebliche Fehlstellung, so wartet man mit der Entfernung des Enchondroms zunächst, bis die Fraktur fest verheilt ist.

Nicht immer kann ein Enchondrom vollständig operativ entfernt werden. In manchen Fällen kann der Tumor am Ort erneut auftreten („Rezidiv“). Hierzu bedarf es im Regelfall mehrere Jahre.

In selten seltenen Fällen kann ein Enchondrom mit einem bösartigen Tumor des Knochens verwechselt werden (so genanntes „low grade“ Chondrosarkom).  In diesen Fällen kommt es rasch,  innerhalb von Wochen oder Monaten zum erneuten Auftreten im operierten Bereich.

Grundsätzlich sollte auch nach einer erfolgreichen Operation nach einigen Monaten eine Röntgenkontrolle durchgeführt werden. Auch bei jeder erneuten Größenzunahme im operierten Bereich ist eine Nachkontrolle notwendig.

Letzte Aktualisierung: 28.4.2022