12. August 2022

Blutleere und Blutsperre oder „WALANT“ bei Handoperationen

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Die Besonderheit bei Handoperationen ist die unmittelbare Nähe verschiedener anatomischer Strukturen wie Knochen, Sehnen, Nerven und Blutgefäße. Bei einem operativen Eingriff an der Hand werden die zu operierenden Strukturen freigelegt und alle nicht beteiligten Strukturen geschont. Schon eine minimale Blutung im Operationsgebiet kann die Übersicht gefährden. Der Eingriff wird erschwert. Das Risiko der Verletzung unbeteiligter Strukturen ist schon bei geringer Blutung gegeben.

Die Vermeidung einer Blutung im Operationsgebiet wird durch die Verwendung einer so genannten Blutsperre oder Blutleere oder durch die Verwendung blutgefäßverengender Medikamente im Operationsgebiet realisiert.

Bei einer Blutsperre wird diese durch eine Stauungsmanschette am Oberarm realisiert. Diese wird am Oberarm angebracht und vor dem Beginn der Operation mit einem Druck gefüllt, der deutlich oberhalb des Blutdrucks liegt. Wurde dazu der Arm zuvor mit einer Binde gewickelt, spricht man von einer Blutleere.

Eine Blutsperre oder Blutleere versucht nach einer bestimmten Zeit Schäden am Gewebe. In den ersten zwei Stunden sind solche Schäden nicht zu erwarten. Wird diese Zeit bei lang dauernden Operationen in Blutleere überschritten, sind zunächst die Nerven gefährdet und es kann zu elektrisierenden Missempfindungen kommen. Die Blutleerezeit wird mit bei jeder Operation mit akribischer Sorgfalt überwacht und Gewebeschäden damit mit größer Sicherheit vermieden. Sollte in besonderen Fällen eine längere Operationszeit notwendig sein, wird die Manschette nach zwei Stunden geöffnet.

Die Verwendung einer Blutleere oder Blutsperre ist nach kurzer Zeit schmerzhaft. Sie erfordert eine Betäubung des ganzen Armes oder alternativ eine Vollnarkose. Bei der Verwendung einer auf das Operationsgebiet an der Hand begrenzten örtlichen Betäubung und nicht des gesamten Armes ist daher die Anwendungszeit der Blutleere und damit die mögliche Operationszeit begrenzt. Eine solche örtliche Betäubung ist nur für Eingriffe mit kurzer Operationsdauer geeignet.

Unmittelbar nach einer Blutleere kommt es – abhängig von deren Dauer – für einige Minuten zu einer reaktiven Mehrdurchblutung des Gewebes und einer gewissen Blutungsneigung. Dies ist besonders dann zu beachten, wenn außerdem Medikamente zur Blutverdünnung angewendet werden.

Als Alternative zur Blutleere kann die Blutungsneigung im Gewebe durch die Verwendung blutgefäßverengender Medikamente zusammen mit einer örtlichen Betäubung wirksam reduziert werden („WALANT“: „wide awake local anaesthesia no torniquet“). Eine WALANT-Anästhesie eignet sich für kleine und mittlere Eingriffe an der Hand. Zusätzlich zur Blutarmut im Gewebe beim operativen Eingriff wird das Risiko zur Entstehung von Blutergüssen im Gewebe deutlich gemindert.

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