Arthrose am Handgelenk

PDF- Download Häufige Fragen Handgelenksversteifung

Die  Arthrose des Handgelenks betrifft die Knorpelflächen der Speiche und der Handwurzelknochen .

Am Anfang einer Arthrose bestehen Veränderungen der Knorpeloberfläche mit einer Verminderung der Knorpeldicke und deren Festigkeit. Allmählich entstehen regelrechte Knorpellücken und der darunter liegende Knochen liegt frei. Der Körper reagiert mit knöchernen Verdickungen im Randbereich der Gelenke. Am Handgelenk beginnen diese Veränderungen meist zwischen Kahnbein und  Mondbein (Bild unten) oder Zwischen Kahnbein und den beiden Vieleckbeinen. Allmählich greifen die Veränderungen auf die übrigen Gelenkflächen über

Vollständig verlorener Knorpel zwischen Kahnbein und Speiche (links im Bild)

Eine Handgelenksarthrose kann ganz verschiedene Ursachen haben.

Die häufigste Form der Handgelenksarthrose ist anlagebedingt, entwickelt sich spontan und wird zusammen mit Arthrosen der Daumen- und Fingergelenke beobachtet. Besonders betroffen sind die kleinen Fingergelenke sowie das Daumensattelgelenk (“Polyarthrose”).   Die Veränderungen bilden sich ohne eine eigentliche Ursache. Es besteht eine starke erbliche Veranlagung. Häufig bestehen bei einer Polyarthrose gleichzeitig Veränderungen an den Sehnenscheiden (“Schnellender Finger”) oder ein so genanntes Karpaltunnelsyndrom. Auch wenn die ersten Symptome unter Belastung auftreten ist die körperliche Belastung nicht die Ursache.

Eine besondere Rolle spielt dabei die Arthrose des Daumensattelgelenks. Bestimmte Arthroseformen am Handgelenks treten zusammen mit einer solchen Sattelgelenksarthrose auf und sind auf ganz bestimmte Bereiche des Handgelenks begrenzt („STT-Arthrose).

Weniger häufig liegt eine spezifische Ursache vor. Zu den möglichen spezifischen Ursachen einer Handgelenksarthrose gehören:

– Verletzungsfolgen wie Speichenbrüche mit Handgelenksbeteiligung oder auch nicht verheilte Frakturen oder Bänderrisse in der Handwurzel  (“Kahnbeinpseudarthrose“)

– Entzündliche Gelenkerkrankungen (“Rheumatoide  Arthritis”)

– Stoffwechselerkrankungen (z.B. Gicht) oder Chondrokalzinose

Der zeitliche Verlauf der Arthroseentwicklung ist abhängig von der zugrundeliegenden Ursache. Er kann ebenso wie die Ursache der Arthrose sehr unterschiedlich sein. Eine Handgelenksarthrose im Rahmen der spontanen Arthroseentwicklung (“Polyarthrose”) entwickelt sich in der Regel ganz allmählich über Jahre. Sie kann über viele Jahre schmerzfrei verlaufen. Später, wenn die Knorpelschicht in einzelnen Abschnitten des Handgelenks vollständig verloren gegangen ist, treten Schmerzen bei Bewegung und Belastung auf. Hinzu kommt eine zunehmende Bewegungseinschränkung des Handgelenks und in einigen Fällen auch der Unterarmdrehfähigkeit.

Nach Frakturen und Bänderrissen können sich die Veränderungen auch deutlich schneller entwickeln, immer abhängig von der Ausprägung einer eventuellen Fehlstellung.

Zur Diagnosestellung einer Handgelenksarthrose ist in den meisten Fällen ein einfaches Röntgenbild ausreichend. Bei entzündlichen Erkrankungen kommen Blutuntersuchungen hinzu. Eine Kernspintomografie (MRT) oder eine Computertomografie (CT) sind nur selten erforderlich. In manchen Fällen ist es notwendig, vor einer operativen Behandlung die Knorpelflächen beurteilen zu können. Hierzu ist dann eine Arthroskopie (Spiegelung) angezeigt.

Die spontane Arthroseentwicklung kann man weder vorbeugen noch aufhalten. Dies ist nur dann möglich, wenn eine spezifische Ursache vorliegt, die auch medizinisch erfolgreich behandelt werden kann. Dies ist bei bestimmten Verletzungsfolgen der Fall, die durch operative Maßnahmen korrigiert werden können. Dazu gehören ein nicht verheilter Kahnbeinbruch oder ein in Fehlstellung verheilter Speichenbruch.

Mit der Behandlung kann die Arthrose selbst nicht aufgehalten oder rückgängig gemacht werden. Die Behandlung dient zur Linderung arthrosebedingter Schmerzen.

Zu den konservativen (nichtoperativen) Behandlungsmaßnahmen gehören:

– Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten oder Injektionen in das Gelenk

– eine Behandlung mit Röntgenstrahlen

Häufig verläuft die Arthrose in Schüben. In diesen Fällen können Schmerzphasen durch die medikamentöse Behandlung und eine vorübergehende Immobilisierung des Handgelenks abgefangen werden.

Operativ stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

– Die Beeinflussung der Schmerzwahrnehmung durch Eingriffe an den schmerzleitenden Nerven (so genannte Denervationsoperation)

– Der komplette Handgelenksersatz durch eine Gelenkprothese

– Die Entfernung von erkrankten Handwurzelknochen, eventuell in Verbindung mit einer Teilversteifung der Handwurzel (“Mediokarpale Teilarthrodese”)

– Die komplette Versteifung (“Arthrodese”) des Handgelenks.

Bei der Denervationsoperation werden im Rahmen eines kleinen Eingriffs ausschließlich schmerzleitende Nervenäste zum Handgelenk operativ aufgesucht und unter Sicht des Auges durchtrennt.

Die Schmerzbefreiung ist nicht vollständig, sondern nur teilweise im Sinne einer Linderung. Im Regelfall hält die Besserung für einige Jahre an, bis wieder erneut Handgelenksschmerzen auftreten.

Sind die Veränderungen des Gelenkknorpels auf bestimmte Abschnitte des Handgelenks beschränkt, (z. B. nach einer nicht verheilten Kahnbeinfraktur), so kann eine Beschwerdebesserung durch eine Entfernung des Kahnbeins und der benachbarten Knochen Mondbein und Dreiecksbein, damit der ersten Reihe der Handwurzelknochen erreicht werden (“Resektion der proximalen Handwurzelreihe“). Es kommt hierdurch zur Einstellung der zweiten Reihe der Handwurzelknochen in die Gelenkfläche der Speiche. In funktioneller Sicht ist die Beweglichkeit gegenüber einem gesunden Handgelenk eingeschränkt, sie bleibt jedoch zumindest teilweise erhalten, die Schmerzen werden meist gebessert.  Der Erfolg hält im Regelfall viele Jahre an.

Eine Teilversteifung der Handwurzel unter Erhalt eines Teils der Beweglichkeit ist immer dann möglich, wenn Anteile des Handgelenks gesund und der Knorpel in diesen Anteilen noch belastbar sind. Dies ist in erster Linie bei Arthrosen nach Kahnbeinfrakturen und bestimmten Bänderrissen der Handwurzel der Fall. Das nicht verheilte Kahnbein wird komplett entfernt; die Handwurzel wird durch eine Verbindung der übrigen Handwurzelknochen stabilisiert. (“Mediokarpale Teilarthrodese“)Hierzu wird in der Regel Knochengewebe vom Beckenkamm zwischen die verbleibenden Handwurzelknochen eingebracht um eine feste knöcherne Verbindung zu erzielen. Eine zusätzliche Fixierung mit Stiften oder einer kleinen Platte ist notwendig. Der Eingriff entspricht auch in funktioneller Sicht einer Teilversteifung; die Beweglichkeit ist auf ca. ein Drittel bis zur Hälfte der normalen Handgelenksbeweglichkeit reduziert.

Inzwischen ist der vollständige Ersatz des Handgelenks durch ein künstliches Gelenk („Handgelenksendoprothese“) möglich. Dies ist auch bei weit fortgeschrittener Arthrose des Handgelenks möglich. Es besteht die Aussicht auf den Erhalt einer schmerzfreien, wenn auch reduzierten Handgelenksbeweglichkeit. Eine Endoprothese kann sich im Gebrauch allmählich lockern. Wir gehen davon nach heutiger Erfahrung aus, dass bei den jetzt zur Verfügung stehenden Modellen die Zeitspanne bis zu einer Lockerung mehrere Jahre beträgt. Man muss davon ausgehen, dass im Falle einer Prothesenlockerung weitere operative Maßnahmen erforderlich sind, hierzu gehören ein Austausch der Prothese oder auch eine endgültige Versteifung des Handgelenks.

Die komplette Versteifung („Arthrodese“) des Handgelenks führt in der Regel zu einer weitgehend schmerzfreien Belastbarkeit führen und dem Verlust von Heben und Senken sowie der seitlichen Neigung. Nach einer kompletten Versteifung des Handgelenks ist die Drehung im Unterarm genauso weiter möglich wie die Beweglichkeit der Daumen- und Fingergelenke.

Empfehlung

Eine generelle Behandlungsempfehlung für alle  Arthroseformen des Handgelenks kann nicht gegeben werden. In jedem Fall sind aktuelle Ursache und das Entwicklungsstadium in Betracht zu ziehen. Genauso wesentlich sind persönliche Umstände wie Beruf und Belastung im Alltag. In jedem Fall soll ein ganz individuelles Therapiekonzept entwickelt werden.

 

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