4. Februar 2023

Dupuytren

Druckversion als PDF Häufig gestellte Fragen Dupuytren-OP 

Bei der Dupuytren’schen Erkrankung handelt es sich um eine gutartige Bindegewebswucherung in der Hand. In ihrem Verlauf entstehen knotige Verdickungen und verhärtete Stränge, anfangs in der Handfläche und später an Daumen und Fingern.

Die Verdickungen tasten sich wie (verkürzte) Sehnen. Eine eigentliche Sehnenverkürzung liegt, wie häufig irrtümlich angenommen, nicht vor. Es handelt es sich um eine Vermehrung derjenigen Bindegewebsfasern, die die Haut mit den darunter liegenden Strukturen des Bewegungsapparates wie Sehnenscheiden, Bändern und Gelenkkapseln und Knochen verbinden.

Ursache und Verlauf

„Blickdiagnose“: Dupuytren-Strang am Kleinfinger

Die Dupuytren’sche Erkrankung ist genetisch bedingt. Es liegt ein so genannter multifaktorieller Erbgang vor. Dabei kann durchaus einmal eine Generation übersprungen werden. Umstritten ist bis heute, ob eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder eine Leberschädigung die Krankheitsentwicklung fördern.

Engeschränkte Streckfähigkeit des Kleinfingers

Die Entwicklung der Bindegewebswucherungen verläuft in Schüben, wobei sich Aktivitäts- und Ruhephasen abwechseln. Nicht selten beginnt der erste Schub im Anschluss an ein traumatisches Ereignis, auch wenn dies nicht die Ursache der Erkrankung darstellt. Meist finden sich die ersten Veränderungen in der Hohlhand in Form tastbarer Knoten und Stränge. Anfangs wird die Beweglichkeit der Finger oder des Daumens nicht beeinträchtigt. Mit der weiteren Entwicklung treten krankhafte Veränderungen im Verlauf von Daumen und Fingern auf.

MIt der allmählichen Verkürzung der Faserstränge (nicht der Sehnen) entwickelt sich eine zunehmende Beugestellung der betroffenen Finger, die nicht mehr überwunden werden kann. In Spätstadien können die Finger vollständig in die Hand eingeschlagen sein.

Die Diagnose einer Dupuytren‘schen Erkrankung kann in den allermeisten Fällen schon bei der körperlichen Untersuchung definitiv gestellt werden. Anderweitige Verdickungen wie gutartige Tumoren und entzündliche Schwellungen sind nur selten mit den typischen Knoten und Streckung einer Dupuytren‘schen Erkrankung zu verwechseln. Spezielle Untersuchungsverfahren wie eine Röntgenuntersuchung oder Kernspintomografie (MRT) sind in aller Regel nicht erforderlich. Auch eine Blutuntersuchung ist nur dann notwendig, wenn bei anderweitigen Beschwerden der Verdacht auf zusätzliche krankhafte Veränderungen besteht.

Behandlung

Eine wirksame Vorbeugung gegen die Krankheitsentwicklung ist nicht möglich.

Zahlreiche versuchte konservative Behandlungsverfahren sind bislang den Nachweis ihrer Wirksamkeit schuldig geblieben. Dazu gehört eine physikalische Behandlung wie Dehnungsübungen der betroffenen Finger. Dazu gehören auch Medikamentengabe und die Injektion von entzündungshemmenden Substanzen wie Kortisonpräparate in die krankhaften Veränderungen. Auch eine Behandlung mit Laserstrahlen und Stoßwelle konnte nicht die sie gerichteten Erwartungen erfüllen. Die einzige wirksame nichtoperative Maßnahme, die in frühen Stadien die Entwicklung der Erkrankung nachweislich verlangsamen kann, ist die Behandlung der Hand mit Röntgenstrahlen mit ihren möglichen Nebenwirkungen. Eien solche Bestrahlung wird vor einer Verkrümmung durchgeführt. Sind bereits Bewegungseinschränkung eingetreten, kann diese mit eine röntgenbestrahlung nicht mehr beseitigt werden.

Auch die operative Behandlung kann die Erkrankung nicht zur vollständigen Heilung bringen. Sie dient der Entfernung der bis zum Zeitpunkt der Operation entwickelten Veränderungen und damit der Wiederherstellung der Beweglichkeit. Die weitere Entwicklung der Erkrankung wird nicht beeinflusst.

Die einfachste operative Maßnahme ist der „perkutane Nadelfasziotomie„. Bei der „perkutanen Nadelfasziotomie“ (PNF) wird in örtlicher Betäubung eine scharfe Kanüle durch die Haut eingestochen. Einzelne Stränge unter der Haut werden mit der Kanülenspitze durchtrennt. Die Stränge selbst werden unter der Haut belassen.Mit der Methode kann in geeigneten Fällen unmittelbar eine Besserung der Beugestellung eines verkrümmten Fingers erzielt werden. Der Vorteil ist auch hier die Vermeidung einer offenen Operation und der damit verbundenen längeren Nachbehandlung und die mit einem operativen Eingriff verbundenen Risiken. Nachteilig ist, dass die Stränge in kürzerer Zeit als nach einer operativen Entfernung wieder zu einer Beugestellung des betroffenen Fingers führen. Wie bei einer offenen Operation besteht ein gewisses Risiko, Nerven und Sehnen zu durchtrennen.

Nicht mehr möglich in Deutschland ist die Behandlung mit Kollagenase (Xiapex). Hier wird ein Medikament in den Strang eingespritzt. Dieser wird dabei punktuell am Ort der Injektion aufgelockert. Der Strang wird dann am Folgetag in örtlicher Betäubung manuell zerrissen. Die Behandlung ähnelt der Nadelfasziotomie – auch hier wird das Gewebe nicht entfernt, sondern punktuell unterbrochen. Das Medikament wurde inzwischen vom deutschen Markt genommen, wird aber im Ausland weiter angewendet.

Bei der offenen operativen Behandlung wird das krankhafte Gewebe aus der Hand herausgetrennt und entfernt. Hierzu ist ein Hautschnitt notwendig, der in seiner Länge der Ausbreitung der verhärteten Stränge entspricht. Bei starker Verkürzung sind im Rahmen der Operation eine Lösung eingesteifter Fingergelenke und gelegentlich auch eine Hautverpflanzung zum Ausgleich der Hautverkürzung notwendig.

Die Operation selbst erfordert handchirurgische Erfahrung. Das erkrankte Gewebe befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft von Sehnen, Nerven und Blutgefäßen. Um deren Beschädigung zu vermeiden, wird in einer so genannten Blutleere gearbeitet. Hierzu wird der Arm gewickelt, am Oberarm wird eine angelegte Manschette entsprechend einer Blutdruckmessung mit Luftgefüllt. Die hierzu verwendete Oberarmmanschette erfordert eine Betäubung des gesamten Armes oder eine Vollnarkose. Notwendig ist auch eine optische Sichtvergrößerung und zum handchirurgischen Standard gehörendes mikrochirurgisches Instrumentarium.

Der Zeitpunkt für die Operation ist wesentlich: Ein zu früher Eingriff sollte vermieden werden, da mit Rückfällen und Wiederholungseingriffen gerechnet werden muss und wiederholte Eingriffe technisch problematisch sind. Wird zu spät operiert, kann die eingetretene Verkürzung der verschiedenen Gewebe eventuell nicht mehr vollständig ausgeglichen werden.

Jede operative Behandlung der Dupuytren’schen Erkrankung erfordert eine spezielle Nachbehandlung. Diese ist bei der Dupuytren‘schen Erkrankung in besonderer Weise aufwendig und notwendig. Anfangs gehört dazu die Wundbehandlung bis zur vollständigen Abheilung. Bei stabiler Wundheilung soll frühzeitig mit einer Mobilisierung der Fingergelenke begonnen werden. Nicht selten besteht anfangs eine Tendenz zu einer erneuten Verkrümmung, verursacht durch die Narbenbildung im Operationsgebiet. Dem wird mit besonderen Hilfsmitteln begegnet. Hierzu gehört ein nächtlich getragener Handschuh in Streckstellung der Finger und im weiteren Verlauf eine sogenannte Quengelschiene zur Dehnung der Fingergelenke.

Regelhaft kommt es nach der Operation einer Dupuytren‘schen Erkrankung zu einer Verdickung der Operationsnarbe und der unmittelbaren Umgebung. Diese entwickelt sich in den ersten Wochen nach der Operation in unterschiedlichem Grade. Die Verdickung lockert sich dann im Verlauf eines Jahres wieder. Eine gezielte Narbenbehandlung kann dies nicht verhindern, die Beschaffenheit der Narbe jedoch günstig beeinflussen.

Sowohl die Nadelfasziotomie als auch die Operation einer Dupuytren’schen Erkrankung ist nicht ohne Risiken und mögliche Komplikationen.

Sowohl bei der Nadelfasziotomie als auch bei der Entfernung der Stränge zu einer Verletzung von Nervenästen im Operationsbereich kommen. Die Folge ist eine Gefühlsstörung an den Fingern, die sich je nach Art der Schädigung nicht immer vollständig zurückbildet. Die Wahrscheinlichkeit einer Nervenverletzung soll beim Ersteingriff im kleinen einstelligen Prozentbereich liegen. Das Risiko einer Nervenbeschädigung ist bei Wiederholungseingriffen deutlich erhöht. Abenso selten ist die Verletzung kleinerer Blutgefäße mit der Folge einer Durchblutungsstörung  In sehr seltenen extremen Fällen kann dies bis zum Fingerverlust führen.

Empfehlung

Wirksame vorbeugende Maßnahmen sind nicht bekannt. In Frühstadien ohne Beeinträchtigung ist eine operative Therapie nicht sinnvoll. Eine Röntgenbestrahlung kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.

Isolierte Hohlhandveränderungen mit einer Beugestellung des ersten Fingergelenks können mit einer Nadelfasziotomie behandelt werden.

Ausgedehnte, in der Haut gelegenen Knoten und Verkrümmungen der Fingermittelgelenke werden mit einer operativen Entfernung der Knoten und Stränge behandelt.

Bei Wiederauftreten von Veränderungen ist Zurückhaltung gegenüber neuerlichen Operationen angebracht.

Letzte Aktualisierung: 2.2.2023