28. Juni 2022

Sehnenverletzungen

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Sehnen

Die Sehnen stellen die Verbindung zwischen Muskulatur und Knochen dar. Sie übertragen die Kraft und bewegen damit die Gelenke in ihrem Verlauf. Am Finger unterscheidet man Beugesehnen und Strecksehnen.

Die Beugesehnen übertragen die Kraft der Unterarmmuskeln auf die Fingerend- und Mittelglieder und auf das Daumenendglied.

Jeder Finger verfügt über zwei lange Beugesehnen, von denen eine jeweils zum Mittelglied und eine zum Endglied reicht. Der Daumen besitzt nur eine zum Endglied führende lange Beugesehne. Zur Beugung der Finger ist ein Gleitvorgang der Sehne im Gewebe notwendig. Dieser Gleitvorgang findet innerhalb der so genannten Sehnenscheiden statt. Neben dem Gleitvorgang vermitteln die Sehnenscheiden die für die Ernährung der Sehne notwendige Blutversorgung. Sehne und Sehnenscheide werden im Bereich der Finger durch eine straffe Faserhülle (Ringbänder) am Knochen geführt. Hier ist die Verletzungsgefahr bei einer Schnittverletzung groß, da die Sehnen nicht im Gewebe ausweichen können.

Die zu Daumen und Fingern verlaufenden Strecksehnen ähneln an Handgelenk und Handrücken in ihrer äußeren Beschaffenheit den Beugesehnen. Am Finger laufen sie in eine bandartig den Finger umgreifende Faserstruktur („Streckaponeurose“) aus. Sie verlaufen bis zum Handrücken in einem lockeren Gleitgewebe, dass die Beweglichkeit gegenüber dem umgebenden Gewebe sichert. Bei Verletzungen und nachfolgender Sehnennaht ermöglicht dieses Gleitgewebe eine rasche Wiederherstellung der Gleitfähigkeit und Beweglichkeit.

Im Bereich der Finger verläuft die Strecksehne („Streckaponeurose“) unmittelbar benachbart zu Knochen und Gelenken. Bei Sehnenverletzungen oder auch bei Knochenbrüchen kann es leicht zu Verwachsungen und Bewegungseinschränkungen der kleinen Fingergelenke kommen.  Die Folge kann eine Bewegungseinschränkung der kleinen Fingergelenke sein, die meist auch trotz aller Mühe durch nachfolgende Behandlung nicht mehr vollständig beseitigt werden kann. Im Gegensatz zu den Beugesehnen verlaufen die Anteile der Strecksehne gekoppelt zu den verschiedenen Gelenken des Fingers. Eine Verletzung in einem Abschnitt kann eine Fehlstellung der benachbarten Gelenke nach sich ziehen.

Sehnenverletzungen an der Hand entstehen meist durch Schnittverletzungen mit scharfen Gegenständen oder zerbrochenem Glas.

Durchtrennte oder gerissene Sehnen können durch eine chirurgische Naht wieder vereinigt werden. Sehnen und Bänder gehören zu den langsam wachsenden und heilenden Geweben. Die Zeit bis zur vollständigen Heilung einer genähten Sehne beträgt mindestens 12 Wochen. Eine Sehnennaht hat anfangs eine begrenzte Zugfestigkeit und würde unter normaler Belastung in kurzer Zeit wieder nachgeben. Die volle Zugfestigkeit entsteht erst wieder durch das Zusammenwachsen der Sehnenstümpfe. In der Zeit bis zum Zusammenwachsen kann daher nicht belastet werden. Gleichzeitig neigt die Nahtstelle zur Verwachsung mit der Umgebung. Daher ist eine frühzeitige Bewegung der Nahtstelle im Gewebe notwendig, um das Entstehen der Verwachsungen und damit eine Bewegungseinschränkungen zu vermeiden.

Die richtige Nachbehandlung, d. h. ausreichende und rechtzeitige Mobilisation einerseits sowie Entlastung andererseits ist entscheidend für den Erfolg und die später ungestörte Funktion. Gerade bei Sehnenverletzungen ist daher die Nachbehandlung mindestens von gleicher Wichtigkeit wie die Operation. Ein gutes Ergebnis wird nur dann erzielt, wenn ein optimales Operationsergebnis von korrekter Nachbehandlung über einen längeren Zeitraum gefolgt ist. Je nach betroffener Sehne sind nach der chirurgischen Versorgung hierzu besondere Schienen und eine spezielle Übungstherapie notwendig.

Auch bei optimaler Behandlung wird nicht immer ein perfektes Ergebnis erzielt. Nicht selten kommt es zu Bewegungseinschränkungen und Gelenksteifen der betroffenen Finger. Hier sind zu einem späteren Zeitpunkt funktionsverbessernde Maßnahmen möglich.

Zu den funktionsverbessernden Maßnahmen gehören:

  • Sehnen-, Narben- und Gelenklösung
  • Sehnenersatz durch Transplantation oder Umlagerung
  • Versteifung eines verkrümmten und nicht mehr mobilisierbaren Fingergelenks

Funktionsverbessende Maßnahmen werden erst nach Narbenlockerung frühestens einige Monate nach der Verletzung durchgeführt. Sie können das Ergebnis graduell bessern, eine vollständige Wiederherstellung der Bewegung nicht garantieren.