Risiken und Komplikationen

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An der Hand liegen verschiedene Strukturen des Bewegungsapparates eng benachbart. Bei Operationen an der Hand werden diese Strukturen freigelegt, teilweise mobilisiert und beim Wundverschluss wieder genäht. Bei handchirurgischen Operationen kommt es zu  Heilungsvorgängen nicht nur zwischen genähten Strukturen, sondern auch zu Verklebungen und Verwachsungen  zwischen Strukturen, die primär nicht zusammengehören wie zwischen Knochen und Sehnen oder zwischen Sehnen und der Haut. Normalerweise liegen zwischen diesen Strukturen sehr feine Gleitschichten. Diese werden bei operativen Eingriffen zwangsweise durchtrennt und können nicht im vollem Umfang beim Wundverschluss wiederhergestellt werden.

Ein  spezielles Risiko handchirurgischer Eingriffe ist daher die Entstehung von Bewegungseinschränkungen allein aufgrund der engen Nachbarschaft zwischen verschiedenen Strukturen.  Eine frühe postoperative Bewegungstherapie hilft dieses Risiko weitestgehend zu reduzieren. Sie erfordert eine spezielle Kompetenz des therapeutischen Teams. Am Anfang steht die funktionelle physikalische Therapie. Ist es zur Einsteifung von Gelenken kommen kann eine kontinuierliche Dehnungsbehandlung helfen. Hier kommen spezielle Schienen („Quengelschienen“) zur Anwendung.

Bei jeder Operation kann es zur unbeabsichtigten Beschädigung von anatomischen Strukturen kommen. An der Hand besteht dieses Risiko insbesondere aufgrund der engen Nachbarschaft und der geringen Größe von Sehnen, Nerven und Blutgefäßen. Das Risiko einer solchen unbeabsichtigten Durchtrennung dieser Strukturen wird durch verschiedene Maßnahmen gemindert.

So werden die meisten handchirurgischen Operationen in einer sogenannten Blutleere ausgeführt. Die Blutsperre führt zu einer Übersicht im Gewebe. Strukturen können erkannt differenziert und geschont werden.

Die geringe Größe der Strukturen erfordert die Verwendung einer optischen Sichtvergrößerung. Im Normalfall ist dies eine Lupenbrille, bei bestimmten Operation ein Operationsmikroskop. Die optische Sichtvergrößerung ist handchirurgischer Standard und führt ganz wesentlich zu einer Verminderung des Risikos einer solchen unbeabsichtigten Beschädigung wichtiger Strukturen.

Gleichwohl kann eine solche nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden. Zu den wichtigen Strukturen die im Rahmen eines operativen Eingriffes beschädigt werden können gehören Fingernerven und kleine Blutgefäße. Wird bei einer Operation ein Nerv oder Blutgefäß durchtrennt kann, so kann dies unmittelbar wieder genäht und der resultierende Schaden begrenzt werden. Dies setzt die personelle und organisatorische Möglichkeit einer solchen rekonstruktiven Maßnahme voraus. Hierzu gehört ein mikrochirurgisches Instrumentarium, das Vorhandensein eines Operationsmikroskops und auch die fachliche Eignung des Operateurs.

Eine weitere Besonderheit gegenüber Operationen an anderer Körperstelle besteht in der Narbenbildung, insbesondere in der Handfläche und an den Beugeseiten der Finger. Narben in diesen Bereichen neigen zur Verdickung („Hypertrophie“). Die Neigung zur Ausbildung einer solchen Narbenverdickung ist stark abhängig von der Art des Eingriffes. Ein besonderes Risiko stellt die Operation einer Dupuytren‘schen Erkrankung dar. Auch nach kleineren Operation wie einer Karpaltunnelspaltung oder der Versorgung eines schnellenden Fingers kann eine Narbenverdickung auftreten. Diese unterliegt einer zeitlichen Dynamik. Nach der Abheilung der Haut entwickelt sich eine solche Verdickung in den Wochen danach um sich dann ganz allmählich, meist im Lauf eines Jahres, wieder zu lockern. Aufgrund von solchen Narbenverdickungen können sowohl Überempfindlichkeit als auch eine eingeschränkte Beweglichkeit bestehen.

Man kann die Narbenbildung im begrenzten Umfang beeinflussen. Wirksam sind nächtlich getragene Kompressionsbandagen, gegebenenfalls in Verbindung mit Silikonauflagen. Auch die physikalische Behandlung wie eine Massage der Narbe mit fetter Salbe kann zur Verbesserung beitragen.

In sehr seltenen Fällen nach Operationen aber auch nach Verletzungen gänzlich ohne Operation kann die ganze Hand mit einer schmerzhaften Schwellung reagieren. Zusätzlich treten eine vermehrte Schweißneigung („Glanzhautbildung“), ein vermehrtes Haarwachstum sowie eine Bewegungseinschränkung und schwerwiegende Funktionsstörung der gesamten Hand auf. („Algodystrophie“, „Sudeck’sche Erkrankung“, „complex regional pain syndrome“, „CRPS“).  Diese sehr seltenen Komplikation ist nicht unbedingt von der Schwere der Verletzung oder Art des Eingriffs abhängig; sie kann auch nach geringfügiger Verletzung oder kleinerer Operation der Hand, aber auch nach Verletzungen gänzlich ohne operativen Eingriff auftreten.

Allgemeine Probleme die bei jeder Operation gleich welcher Lokalisation auftreten können sind Störungen der Wundheilung wie ein Bluterguss („Hämatom”) und hier im schlimmsten Fall eine Infektion. Ein größerer Blutverlust ist bei einem Bluterguss in der Hand nicht zu befürchten. Allerdings können schon kleine Hämatome zu Schmerzen in der Wunde führen und durch deren Abbau zu Verklebungen im Gewebe. Vermieden wird ein solcher Bluterguss durch die Verwendung einer Drainage die das sicher Blut in den ersten Stunden nach der Operation aufnimmt. Im Normalfall wird die Drainage am Folgetag wieder entfernt. Bei der Hämatombildung spielt die Blutverdünnung eine besondere Rolle. Ob eine Blutverdünnung über den Eingriff hinweg unterbrochen wird, ob sie in unverminderter Form weiterzuführen ist oder ob über den Eingriff hinweg eine Ersatzmedikation („bridging“) angewendet wird muss im Einzelfall geprüft werden.

Der schwerste Fall einer Wundheilungsstörung ist das Auftreten einer bakteriellen Infektion. Das Infektionsrisiko handchirurgischer Eingriffe ist durch verschiedene Umstände deutlich kleiner als bei Operationen anderer Lokalisation. Ursache ist die gute Durchblutung und damit hohe Abwehrkraft des Gewebes der Hand gegenüber Bakterien. Auch ist eine definitive Desinfektion der Hautoberfläche an der Hand gut möglich. Das Risiko einer Infektion nach einem handchirurgischen Eingriff ist damit extrem klein, verglichen mit anderen Operationen. Infektion mit in der Krankenhauseinrichtung erworbenen Problemkeimen spielen in der Handchirurgie bislang keine Rolle.

Eine Vorbeugung („Prophylaxe”) mit Antibiotika ist vor handchirurgischen Eingriffen im Regelfall nicht möglich und wird nur durchgeführt wenn eine besondere Gefährdung vorliegt. Diese ist beim Vorliegen bestimmter Allgemeinerkrankungen der Fall und auch bei Schäden an der Haut im unmittelbaren Operationsgebiet.

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