Kahnbeinfraktur

PDF Download  Häufige Fragen 

Das Handgelenk besteht aus Elle, Speiche und zwei aufeinander folgenden Reihen von Handwurzelknochen. Das Kahnbein befindet sich an der Daumenseite der Handwurzel und verbindet beide Handwurzelreihen miteinander. Seine Oberfläche ist größtenteils von Gelenkknorpel überzogen. Ernährende Blutgefäße können nur an einigen Stellen zum Knochen gelangen.

Eine Kahnbeinfraktur entsteht durch eine Überstreckung des Handgelenks. Betroffen von einer Kahnbeinfraktur sind meist jüngere Menschen und ursächlich sind in den allermeisten Fällen Sportverletzungen wie der Sturz auf die ausgestreckte Hand. Etwa die Hälfte der Kahnbeinfrakturen entsteht beim Fußballspiel. Beim älteren Menschen ist eine Kahnbeinfraktur selten. Verursacht durch die verminderte Knochendichte kommt es bei gleichem Mechanismus hier in der Regel zu einem Speichenbruch.

Bedingt durch die enge Bandführung des Handgelenks ist bei einem Kahnbeinbruch die Verschiebung der Knochenfragmente anfangs nur gering. Im Vergleich zu anderen Frakturen sind die Schmerzen an den ersten Tagen weniger ausgeprägt.

Die Symptome einer Kahnbeinfraktur können sehr unterschiedlich sein – häufig bestehen Schmerzen im Handgelenk bei Bewegung und beim Aufstützen. Das Handgelenk kann weiterbewegt werden und die Beschwerden gehen allmählich wieder zurück. Häufig wird der Bruch dadurch leicht als „Verstauchung“ abgetan. Die anfänglichen Beschwerden können nach einiger Zeit vorübergehend verschwinden, ohne dass es zur Heilung der Fraktur gekommen ist.

Nicht immer ist der Bruch auf den ersten Röntgenbildern gut zu sehen. Bei geringer Verschiebung der Bruchstücke ist die Fraktur hier oft schlecht oder manchmal auch gar nicht zu erkennen.

Notwendige Untersuchungen

Bei der Verletzung soll zunächst eine „einfache“ Röntgenuntersuchung des Handgelenks durchgeführt werden. In vielen Fällen kann auf diesen Aufnahmen ein Kahnbeinbruch erkannt werden. Ist auf diesen Aufnahmen keine Fraktur zu erkennen und besteht aufgrund typischer Symptome weiterhin ein Verdacht, wird die Diagnose durch eine Computertomografie oder eine Kernspintomografie gesichert.

Flüssigkeitseinlagerung (“Ödem”) im Kahnbein

Die Kernspintomographie zeigt die Reaktion des Knochens auf die Fraktur. Zu erkennen ist die Flüssigkeitseinlagerung im Knochen an dessen Weißfärbung – auch dann wenn keine vollständige Fraktur vorliegt (Bild links). Der Mediziner bezeichnet die Flüssigkeitseinlagerung als Ödem. Das Vorhandensein eines frischen Knochenbruchs kann mit einer Kernspintomografie definitiv festgestellt oder ausgeschlossen werden. Daneben zeigt die Kernspintomographie auch Veränderungen der umgebenden Strukturen. Bänderrisse und entzündliche Veränderungen im Gewebe werden abgebildet.

Zur Darstellung der Knochenfeinstruktur ist die Kernspintomographie nicht geeignet. Diese kann mit einer Computertomografie dargestellt werden.

In der seitlichen Aufnahme ist die Fraktur nicht zu sehen.
Die Computertomografie zeigt die Abkippung der Fragmente

Eine Computertomografie trennt das Gewebe rechnerisch in schmale Scheiben die dann getrennt voneinander betrachtet werden. Schon feine Knochenveränderungen sind festzustellen. Auch kann mit einer Computertomografie eine dreidimensionale Abbildung des Knochens realisiert werden die dann frei gedreht und quasi von außen betrachtet werden kann.

Die Heilungstendenz einer Kahnbeinfraktur hängt wesentlich davon ab, in welchem Anteil des Kahnbeins sie gelegen ist.

Man unterscheidet drei Lokalisationen:

Bruch des distalen Dittels

Der Bruch des oberen („distalen“) Drittels ist hinsichtlich der Durchblutung beider Fragmente unkritisch. Die Heilungstendenz gut, Heilungskomplikationen  sind sehr selten.

Bruch des mittleren Drittels

Der Bruch des mittleren Drittels belässt eine bessere Blutzufuhr zum unteren Fragment, die Heilungstendenz ist besser, eine knöcherne Heilung dauert jedoch länger und ist nicht sicher.

Bruch des proximalen Drittels

Bei Brüchen des unteren („proximalen“) Kahnbeindrittels ist die Durchblutung des kleinen gebrochenen Anteils stark herabgesetzt, die Heilungstendenz ist schlecht.

Die Heilungstendenz einer Kahnbeinfraktur ist nicht nur von der Lokalisation der Fraktur als auch ganz wesentlich von der Zeitspanne des Unfalls bis zum Therapiebeginn abhängig. Beginnt die Behandlung erst nach einigen Wochen, sind die Aussichten schlechter.

Grundsätzlich gilt: Bei günstiger Heilungstendenz kann konservativ, also im Gipsverband behandelt werden. Je ungünstiger die Heilungstendenz, je eher soll operativ behandelt werden: eine Osteosynthese mit einer Schraube verbessert die Heilungschancen und verkürzt die Behandlungszeit.

In manchen Fällen kommt es trotz adäquater Therapie nicht zur knöchernen Verheilung der Fraktur. Die Frakturenden distanzieren sich und werden gegeneinander beweglich. Es entwickelt sich ein so genanntes Falschgelenk (“Pseudarthrose”).

Das linke Bild zeigt eine Fraktur des mittleren Kahnbeindrittels bei einem Jugendlichen. Nach 6 Wochen Gipsverband ist noch keine Heilung erkennbar (mittleres Bild). Nach 3 Monaten (rechtes Bild) besteht keine Aussicht mehr auf eine spontane Ausheilung; ein operativer Eingriff ist notwendig.

Wird die Pseudarthrose nicht behandelt, entwickelt sich eine Deformierung der nicht verheilten Bruchenden mit der Folge einer Arthrose des Handgelenks.

Eine Pseudarthrose entsteht meistens dann, wenn die Fraktur erst nach einigen Wochen oder Monaten festgestellt wird und bis zu diesem Zeitpunkt keine Ruhigstellung vorgenommen wurde.