Karpaltunnelsyndrom – Häufig gestellte Fragen



  • Meine Finger schlafen nachts ein - gelegentlich habe ich ein Taubheitsgefühl in den Fingern - was muss ich als erstes tun?

    Es gibt verschiedene mögliche Ursachen für solche Beschwerden. Treten diese Erscheinungen regelmäßig auf, so sollten sie auch abgeklärt werden. Bei Gefühlsstörungen handelt es sich um die Folge von Nervenfunktionsstörungen - der Fachmann für die Untersuchung ist ein Neurologe. Dieser sollte spezielle Erfahrungen in der Untersuchung von Nerven haben.
  • Ich habe Symptome eines Karpaltunnelsyndroms; was könnte es außerdem sein?

    Es könnte eine Erkrankung der Halswirbelsäule sein. Bei Bandscheibenschäden und besonders beim Bandscheibenvorfall können Nerven ebenfalls durch Druck geschädigt sein. Die Beschwerden treten dann entlang des Armes auf. Sie sind typischerweise ebenfalls ausstrahlend bis in die Hand und abhängig von der Lage des Arms. Es könnte auch eine Erkrankung der Nerven selbst sein. Die häufigste ist eine so genannte Polyneuropathie. Sie tritt bei Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder bei Stoffwechselerkrankungen auf. In seltenen Fällen können ähnliche Beschwerden bei den verschiedensten neurologischen Erkrankungen auftreten
  • Welche Untersuchungen sind notwendig, damit die Diagnose gestellt werden kann?

    Bei der körperlichen Untersuchung der Hand werden typische Veränderungen festgestellt. Dazu gehören eine Gefühlsstörung an den Fingern oder eine verminderte Hautfeuchte. Hält man Handgelenk und Finger für eine Minute in maximaler Beugung, können die Erscheinungen provoziert werden. Die Muskulatur am Daumenballen kann vermindert sein. Weitere apparative Untersuchungen werden durch den Neurologen durchgeführt. Dieser misst die Nervenleitfähigkeit in verschiedenen Abschnitten des Nerven und kann so den Ort der Schädigung feststellen. So kann zwischen einem Karpaltunnelsyndrom und Folgen einer Wirbelsäulenerkrankung unterschieden werden. Schließlich kann der Nerv durch eine Ultraschalluntersuchung direkt abgebildet werden. Röntgen, Computertomografie und Kernspintomographie sind nur dann notwendig, wenn noch andere krankhafte Veränderungen vermutet werden.
  • Kann konservativ, d. h. ohne Operation behandelt werden?

    Das nächtliche Tragen einer Schiene verhindert, dass die Hand nachts unbemerkt in Beugestellung gerät und damit das „Einschlafen“ der Finger ausgelöst wird. Bestimmte Medikamente können die Erscheinungen mindern. Dazu gehören starke entzündungshemmende Substanzen wie Ibuprofen oder Diclophenac. Stärker wirksam ist Kortison, als Tablette oder auch als Injektion direkt in den Karpaltunnel. Die Wirksamkeit einer medikamentösen Behandlung ist in den meisten Fällen zeitlich auf die Anwendungsdauer des Medikaments begrenzt. Tritt das Karpaltunnelsyndrom als unmittelbare Folge einer entzündlichen Biindegewebserkrankung ("Rheuma") auf, kann eine medikamentöse Behandlung der Entzündung das Karpaltunnelsyndrom auch beseitigen, ohne daß ein Eingriff erforderlich ist.
  • Wann soll operiert werden?

    Eine Operation kann die Beschwerden immer dann beseitigen, wenn die Veränderungen nicht zu lange bestehen und nicht zu ausgeprägt sind. Ist bereits ein permanetes Taubheitsgefühl vorhanden oder die Muskulatur des Daumenballens gemindert, kann durch weiteres Zuwarten das Ergebnis einer Operation schlechter sein. Ist ein Karpaltunnelyndrom als Ursache Ihrer Beschwerden defintiv nachgewiesen,  ist eine operative Behandlung  grundsätzlich angezeigt und sollte nicht hinausgezögert werden.
  • Wie dringlich ist der Eingriff?

    Dies hängt von der Ausprägung der Symptome ab. Besteht bereits eine Gefühlsminderung an den Fingern, verhindert eine zeitnahe Operation das Risiko der Entstehung bleibender Schäden. Bestehen nur gelegentliche Erscheinungen und ist das Gefühl zwischenzeitlich vollständig normalisiert, kann man sich mehr Zeit lassen. Einen zusätzlichen Hinweis auf die Dringlichkeit gibt das Ergebnis der neurologischen Untersuchung. Ausgesprochen dinglich ist der Eingriff  dann, wenn ein schweres Karpaltunnelsyndrom unmittelbar als Folge einer Verletzung wie etwa eines Knochenbruchs eingetreten ist.
  • Was kann passieren, wenn nicht operiert wird?

    Auf lange Sicht nehmen die Erscheinungen an an Intensität zu. In manchen Fällen ist zwischenzeitlich eine Besserung möglich, die jedoch meist nicht bleibend ist. Im Laufe der Zeit kann es zu einem vollständigen Taubheitsgefühl an den betroffenen Fingern und zu einer Lähmung des Daumenballens kommen. Wird zu spät operiert, ist die Rückbildung langwierig und kann mehrere Monate andauern und bleibt unvollständig.
  • Gibt es Gründe gegen eine Operation?

    Jeder Eingriff hat Risiken, auch wenn schwere Komplikationen ausgesprochen selten auftreten. Ist die Funktionsstörung nur gering und treten Beschwerden nur sehr gelegentlich auf, muss man die Risiken gegen den Nutzen abwägen. Ist das Karpaltunnelsyndrom durch vorübergehende Veränderungen verursacht, so kann es sich dann zurückbilden, wenn die Veränderungen beseitigt sind. Hierzu gehören eine Schwangerschaft oder auch einmal ein akutes rheumatisches Geschehen.
  • Ist eine Vorbereitung auf den Eingriff notwendig?

    Eine spezielle Vorbereitung ist nicht erforderlich. Wie bei allen Operationen an der Hand sollte diese frei sein von Wunden oder Hautverletzungen. Kein Nagellack!
  • Was muss ich am Tag der Operation beachten?

    Es hängt davon ab, welche Betäubungsform gewählt wurde. Bei einer Lokalanästhesie kann ein normales Frühstück eingenommen werden. Im Falle einer Vollnarkose ist Nüchternheit notwendig. Eine Medikamenteneinnahme vor der Operation sollte im Vorgespräch abgesprochen werden – besonders betrifft dies alle Medikamente zur Blutverdünnung. Tabletten gegen Bluthochdruck müssen im Regelfall eingenommen werden.
  • Was muss ich nach der Operation beachten?

    Die Finger können bewegt, die Hand soweit verwendet werden, soweit dies schmerzfrei möglich ist. Die Hand sollte nicht längere Zeit herunterhängen, der Verband sollte trocken gehalten werden.
  • Welche Komplikationen können auftreten?

    Allgemeine Operationskomplikationen chirurgischer Eingriffe wie eine Infektion oder Heilungsstörung sind bei einer Karpaltunnelspaltung selten. Sehr selten ist eine direkte Verletzung des Nerven bei der Operation. Wird der Karpaltunnel bei der Operation nicht vollständig geöffnet, bleiben die Beschwerden unverändert oder nehmen sogar nach der Operation sogar zu. Häufiger ist eine Verhärtung der Narbe, die sich in den Tagen nach der Operation entwickelt und nur ganz langsam im Laufe von Wochen normalisiert. Auch kann die Narbe über einen längeren Zeitraum berührungsempfindlich sein. Auch dies entwickelt sich dann ganz allmählich im Lauf von Monaten wieder zurück.  
  • Was passiert nach der Operation?

    Nach der Operation wurde ein Verband angelegt. Sofern keine Vollnarkose durchgeführt wurde, kann man das Krankenhaus unmittelbar wieder verlassen; nach einer Vollnarkose nach einigen Stunden. Man soll am Operationstag nicht selbstständig ein Fahrzeug führen.
  • Wie ist die Nachbehandlung?

    Abends sind wenige Schmerztabletten ausreichend. Am Tag nach der Operation wird der Verband gegen ein Pflaster getauscht. So lange sollte die Hand trocken bleiben - beim Waschen trägt man am besten einen Gummihandschuh. Nach 10 Tagen werden die Fäden entfernt. Selten ist Krankengymnastik erforderlich, wie etwa zur Besserung einer Narbenverhärtung.
  • Wann kann ich wieder arbeiten oder Sport treiben?

    Bei normalem Verlauf ist die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeitszeit für Büroarbeit 2-3 Wochen und für manuelle Arbeit 4-6 Wochen. Duschen mit Handschuh geht nach wenigen Tagen, damit auch Joggen und Walken. Schwimmen nach Wochen, Golf und Tennis nach 2-6 Wochen.
  • Gibt es eine vollständige Heilung?

    Erfolgt der Eingriff nicht zu spät, so ist eine vollständige Ausheilung wahrscheinlich.
  • Mit welchen Dauerfolgen muss ich eventuell rechnen?

    Wird zu spät operiert, kann ein Taubheitsgefühl an Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger oder auch eine Schwäche des Daumenballens bleiben. Selten kann die Narbe in der Handfläche zu bleibenden Beschwerden führen. Ganz selten kann es durch eine Komplikation zu einer Gefühlsstörung in einem Bereich der Hand kommen.
  • Was ist in der Zukunft zu beachten?

    Eigentlich nichts - wenn alles unkompliziert verlaufen ist. Bessern sich die vor der Operation bestandenen Beschwerden nicht, suchen Sie ihren Arzt auf. Er wird feststellen, ob der Nerv ausreichend entlastet wurde oder eine andere Ursache für die Erscheinungen vorliegt. Manchmal sind dann zusätzliche Untersuchungen notwendig, wie zum Beispiel eine Ultraschalluntersuchung des Nerven. Wurden die Beschwerden durch die Operation nicht zumindest gebessert, sollte damit nicht lange gewartet werden. Ein Karpaltunnelsyndrom kann in seltenen Fällen viele Jahre nach der Operation erneut wieder auftreten. Grund ist eine narbige Verwachsung, sie zu einem neuerlichen Verschluss des geöffneten Karpaltunnels und Enge für den Nervus medianus führt. Treten ähnliche Beschwerden nach einem Intervall erneut auf, kann es notwendig sein, erneut zu operieren. In jedem Fall sollten diese Beschwerden in gleicher Weise abgeklärt werden.