Ablauf der Osteosynthese

Operationsprinzip

Der gebrochene Anteil der Speiche wird über einen Hautschnitt geöffnet. Die Fragmente werden eingerichtet (reponiert). Zur Fixierung werden kleine Titanplatten verwendet. Besteht eine komplizierte Fraktursituation können zusätzliche Kraftträger wie kleine Schrauben oder Metallstifte angebracht sein.

Operationsgrund („Indikation“)

Grund für eine operative Behandlung des Speichenbruchs ist eine relevante Verschiebung der Frakturfragmente. Weiter möglich Gründe sind eine Eröffnung der Haut über dem Knochenbruch- hier soll der Eingriff zeitnah in den ersten Stunden oder aber, bei kleineren Hautläsionen, nach deren Abheilung nach einigen Tagen erfolgen.

Operationsvoraussetzungen und Hinderungsgründe

Nach der Verletzung kommt es in den folgenden Stunden zu eine Schwellung von Hand und Unterarm. Eine solche Schwellung kann einen Hinderungsgrund darstellen.

Unter einer medikamentösen Blutverdünnung besteht ein erhöhtes Risiko für die Ausbildung von Blutergüssen („Hämatomen“). Kommt es zu einem solchen Hämatom, können weitere Störungen der Wundheilung entwickeln. Besteht eine solche medikamentöse Blutverdünnung, so soll der Umgang hiermit vor dem Eingriff geklärt werden. Dies ist von der Art der verwendeten Medikamente abhängig und kann ganz unterschiedlich sein. Auch hängt es vom Grund für die Blutverdünnung ab.

Allergien stellen kein generelles Risiko zur Operation dar, wohl aber für die Verwendung bestimmter Materialien. Der Operateur sollte darüber informiert sein.

Vor der Operation

Über das Verhalten vor der Operation wurde mit dem Anästhesisten gesprochen, im Besonderen über Medikamente und essen und trinken am OP-Tag.

Hautveränderungen im OP-Bereich und am zu operierenden Arm sollten dem Operateur bekannt sein.

Betäubung

Für die Operation ist eine vollständige Betäubung des Armes bis zur Schulter erforderlich. Grund hierfür ist neben dem Eingriff selbst die Verwendung der Blutsperre oder Blutleere. Auch ist zur Reposition der Fraktur eine Muskelentspannung vonnöten. Erreicht wird dies mit einer Armbetäubung oder einer Vollnarkose.

Bei der Armbetäubung („Plexusanästhesie“) wird das Narkosemittel in die Axel in die Nähe der Armnerven eingespritzt. Man kann wach bleiben; die Risiken einer Vollnarkose werden vermieden. Eine solche „Plexusbetäubung“ kann mit einem Schlaf- oder Beruhigungsmittel (z.B „Propofol“) kombiniert werden, ohne daß dies mit einer vollständigen Narkose gleichkommt. Die Wirkungsdauer einer Armbetäubung ist stark vom verwendeten Mittel abhängig und kann bis zu 12 Stunden anhalten.

Blutleere

Zur Operation ist eine Blutfreiheit im Operationsgebiet („Blutleere“) erforderlich.

Eingriff

Der Hautschnitt liegt über der tastbaren Sehne am beugeseitigen Unterarm vor dem Handgelenk. Die Gewebeschichten unter der Haut werden getrennt, über der Speiche gelegene Muskulatur von dieser abgeschoben. Das Einrichten der Fragmente erfolgt über direkte Manipulation. Das Ergebnis wird provisorisch fixiert. Vor der definitiven Stabilisierung wird eine Röntgenkontrolle noch im OP durchgeführt. Ist die Fragmentstellung noch nicht zufriedenstellend sind jetzt noch Korrekturen möglich.

In den meisten Fällen wird dann kleine vorgebogene Metallplatte von der Beugeseite aus über die Fraktur mit Schrauben am Knochen befestigt. Bei modernen Implantaten ist der Winkel der Schrauben Platte ist starr und ändert sich dann nicht mehr („winkelstabil“). Nach abschließender Röntgenkontrolle und Dokumentation wird die Blutleere geöffnet, kleinere Blutungen werden gestillt. In der Regel wird eine Drainage eingelegt, die mit einem Unterdruckgefäß verbunden wird. Sie nimmt das Sickerblut auf, das sich in den nächsten Stunden in der Operationswunde bildet. Nach der Operation wird ein Verband und eine Schiene angelegt.

Am Tag des Eingriffs

Die Regel ist eine Übernachtung im Krankenhaus am Operationstag. Der Arm wird auf einem Kissen gelagert. Abends wird der Verband gelockert, es werden ausreichend Schmerzmittel verabreicht. Gibt es ein Problem, kann man im Krankenhaus darauf reagieren.

Am Tag danach noch im Krankenhaus

Am Folgetag noch im Krankenhaus wird der Verband gewechselt. Die Drainage wird gezogen, die Schiene wieder angelegt. Typischerweise kann man das Krankenhaus dann verlassen.

Der weitere Verlauf

Nach 10 Tagen werden die Fäden gezogen. Wie es weitergeht, hängt vom Frakturtyp und der Stabilität der Osteosynthese ab. Ist die Fraktur mit der erfolgten Versorgung „übungsstabil“ kann die Schiene abgenommen und das Handgelenk bewegt werden. Je nach Stabilitätsgrad ist aber auch eine längere Schienenruhigstellung nötig. Dies legt der Operateur im Einzelfall fest und gibt die Nachbehandlung vor.

Übungen

Zur Wiederherstellung der Beweglichkeit kann eine Übungsbehandlung hilfreich sein wenn sie die bestehenden Defizite gezielt adressiert und behandelt werden. Es setzt eine Kompetenz des Therapeuten voraus, dessen spezielle Kenntnisse auch der vorliegenden Situation und eine Abstimmung mit Ihrem behandelnden Arzt.

Weiterer Verlauf und Prognose

Die eigentliche Knochenheilung ist nach ca. 3 Monaten abgeschlossen. Der Verlauf hinsichtlich der Funktion kann sehr unterschiedlich sein. In günstiger Situation kann man nach dem Zeihen der Fäden mit der Bewegung anfangen. Mit zunehmender Schwere der Fraktur ist doch die Stabilität der Versorgung geringer; eine längere Schonung ist notwendig.

Am Anfang besteht eigentlich immer eine gewisse Bewegungseinschränkung. Betroffen hiervon ist die Drehung des Unterarms, die Bewegung des Handgelenks. Bei schwerer Schwellung und bei Heilungskompikationen können auch Daumen und Finger betroffen sein. Ganz allmählich kommt die ursprüngliche Verletzung zurück, Unterstützt durch ein aktives Übungsprogramm.