2. März 2024

Kahnbeinfraktur – Häufig gestellte Fragen

Auch wenn Sie das Handgelenk bewegen können, sind ein Bruch oder ein Bänderschaden nicht auszuschließen. Handgelenksverletzungen können heimtückisch sein. Nicht immer ist ein Knochenbruch an der Handwurzel offensichtlich zu erkennen.

Bei manchen Verletzungen ist es wichtig, frühzeitig mit der Behandlung zu beginnen. Gehen Sie zum Arzt. Der Orthopäde oder Chirurg untersucht die Hand und veranlasst alle nötigen Untersuchungen.

Ein Bruch des Kahnbeins oder ein Bänderriss in der Handwurzel ist auf den ersten Röntgenaufnahmen nicht immer gut zu sehen. Gehen sie nochmals zu Ihrem Orthopäden oder Chirurgen und schildern ihm Ihre Beschwerden. Er wird eine Kernspintomografie (MRT) oder ein Computertomogramm (CT) veranlassen, um eine mögliche Verletzung zu erkennen oder auch ausschließen zu können.

Bestimmte Knochenbrüche an Speiche oder anderen Handwurzelknochen können ganz ähnliche Erscheinungen verursachen.

Es kann auch ein Bänderriss in der Handwurzel sein. Bestimmte Bänderrisse und hier besonders der Riss der Verbindung zwischen Kahnbein und Mondbein (so genanntes skapho-lunäres Band, „SL-Band“) verursachen ganz ähnliche Beschwerden.

Die meisten Kahnbeinbrüche können mit normalen Röntgenbildern diagnostiziert werden. Ist die Fraktur hier zu sehen und kann eine eventuelle Fehlstellung ausreichend beurteilt werden, so kann bereits eine Therapieentscheidung gefällt werden.

Nicht immer ist eine Kahnbeinfraktur auf den ersten Röntgenbildern zu sehen. Dies betrifft insbesondere unverschobene Brüche und Haarrisse.

Eine Kernspintomogramm (MRT) kann das Vorhandensein eines Bruches definitiv nachweisen oder ausschließen. Mit einer solchen Kernspintomografie kann man nicht nur das Vorhandensein einer Kahnbeinfraktur, sondern auch andere krankhafte Veränderungen den Bändern des Handgelenkes oder einen nicht verschobenen Speichenbruch nachweisen.  Mit einem Computertomogramm (CT) kann die Knochenstruktur besser als im Kernspintomogramm abgebildet werden. Eine eventuelle Fehlstellung ist hier besser zu erkennen als mit anderen Untersuchung. Die Computertomografie ist aus diesem Grund bei der Therapieplanung und hier besonders bei der Entscheidung zur Operation hilfreich.

Es hängt vom Frakturtyp ab.

Brüche im ersten Drittel des Kahnbeins heilen im Gipsverband schlecht und sollen operiert werden.

Brüche des mittleren Kahnbeindrittels heilen im Gipsverband, wenn sie unverschoben sind und die Ruhigstellung unmittelbar nach der Verletzung begonnen wurde. Die Heilungsdauer liegt hier zwischen 6 und 12 Wochen.

Brüche des letzten (handgelenksfernen) Drittels haben eine gute Heilungstendenz im Gipsverband und heilen meist in 6 Wochen.

Immer dann, wenn die Heilungsaussichten im Gipsverband eingeschränkt sind.

Das gilt, wenn anfangs nach der Verletzung der Bruch nicht erkannt und das Handgelenk nicht ruhiggestellt wurde.

Brüche des ersten (handgelenksnahen) Drittels heilen nach einer Operation besser als im Gipsverband.

Verschobene Brüche des mittleren Kahnbeindrittels können im Gipsverband ausheilen, die Heilungsaussichten sind jedoch unsicher. Sind weitere Verletzungen vorhanden, wie ein Speichenbruch oder ein Bruch am Ellenbogen, sollte der Kahnbeinbruch operiert werden, um die Mobilisation des verletzten Arms zu beschleunigen.

Der Bruch wird verschraubt. Man verwendet hierzu eine Doppelgewindeschraube, die komplett in den Knochen eingedreht wird. Ist der Bruch unverschoben, kann dies „minimalinvasiv“, d.h. ohne eine Freilegung des Frakturbereichs durchgeführt werden. Über einen Mini-Schnitt („Stichinzision“) wird ein dünner Metallstift („Kirschner-Draht“) durch den Knochen gebohrt. Dessen Lage wird während des Eingriffs im Röntgenbild überprüft. Liegt er korrekt, wird eine durchbohrte Doppelgewindeschraube über den Metallstift gefädelt. Mit deren Eindrehen werden die Fragmente aufeinander gepresst. Die Schraube selbst ist dann vollständig unter die Knochenoberfläche versenkt.

Ist der Bruch verschoben, so ist eine Öffnung des Bruchbereichs notwendig. Der Bruch wird eingerichtet („reponiert“) und dann mit dem gleichen Verfahren verschraubt.

Eine optimale Heilungschance besteht, wenn zeitnah, d.h. in den ersten Tagen nach der Verletzung operiert wird. Bei verzögerter Operation kann es zu Abbauprozessen im Frakturbereich kommen, die die Heilung behindern und eventuell weitere Maßnahmen wie eine Knochentransplantation erfordern.

Auch das hängst stark von Frakturtyp ab.

Manche Frakturen heilen auch ohne Operation – es dauert nur etwas länger und man muß länger einen Gipsverband tragen. Andere Frakturen heilen ohne Operation nicht oder in einer Fehlstellung.

Fragen Sie Ihren Arzt wie es konkret aussieht!

Jeder Eingriff hat mögliche Komplikationen.

Das angestrebte Ergebnis kann nicht mit absoluter Sicherheit erzielt werden. Im ungünstigsten Fall kommt es nicht zur angestrebten knöchernen Heilung und es sind weitere Maßnahmen erforderlich.

Das Handgelenk ist verbunden und geschient. Die Finger können bewegt werden, der Daumen, soweit es die Schienung zulässt. Eine Hochlagerung mindert Schmerzen und führt zur schnelleren Abschwellung.

Die Ruhigstellung im Gipsverband ist zunächst bis zum Entfernen der Fäden notwendig.

Ob dann eine Mobilisierung möglich ist, hängt vom Frakturtyp und der Versorgung ab. Im Verlauf wird die Heilung mehrfach im Röntgenbild kontrolliert. Nach vollständiger Beendigung der Schienenruhigstellung wird die Belastung allmählich gesteigert.

Wundheilungsstörungen oder eine Beschädigung von Sehnen oder Nerven im Operationsgebiet sind extrem selten.

Gelegentlich gelingt die optimale Platzierung der Schraube nicht und die angestrebte mechanische Stabilität wird nicht realisiert. Eine längere Ruhigstellung ist in diesen Fällen trotz der Operation notwendig. Im ungünstigsten Fall bleibt die Knochenbruchheilung aus und weitere Maßnahmen sind erforderlich.

Trotz sachgerechter Verschraubung kann auch nach einer Operation in seltenen Fällen die Knochenbruchheilung ausbleiben. Dies wird erst im Laufe der Wochen und Monate nach der Operation durch Röntgenkontrollen festgestellt.

Es hängt von der Fraktur, von der bei einer Operation erzielten Stabilität und auch Ihrem Beruf ab. Büroarbeit kann nach 2-4 Wochen wiederaufgenommen werden.

Joggen kann man nach dem Entfernen der Fäden, Schwimmen etwa mach 4 Wochen.  Bis zur vollen Belastbarkeit des Handgelenks vergehen je nach Frakturtyp und Versorgung 2-3 Monate auch bei unkompliziertem Verlauf.

Wird der Bruch ohne zeitliche Verzögerung adäquat behandelt, ist eine vollständige Knochenheilung wahrscheinlich.

Auch nach vollständiger Knochenbruchheilung kann eine geringe Bewegungseinschränkung im Vergleich zum nicht verletzten Handgelenk zurückbleiben.

Eine geringgradige Bewegungseinschränkung ist auch nach unkompliziertem Heilverlauf möglich und typisch. Gravierende funktionelle Beeinträchtigungen entstehen dann, wenn eine knöcherne Heilung ausbleibt.

Eine Röntgenkontrolle ein Jahr nach der Operation bestätigt die eingetretene Heilung.

Nach unkompliziertem Heilverlauf ist die Entfernung einer korrekt platzierten Kahnbeinschraube ist nach heutiger Erkenntnis nicht notwendig.