Spätfolgen nach Sehnenverletzungen

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Während der Heilungszeit einer Sehnenverletzung kommt es nicht nur zum Zusammenwachen der Sehnenenden, sondern auch zur Bildung von Verklebungen der Nahtstelle mit dem umgebenden Gewebe und speziell der Sehnenscheide.

Dies kann durch eine zielgerichtete Übungsbehandlung teilweise vermieden werden. In manchen Situationen entstehen jedoch starke, funktionell wirksame Verwachsungen  mit der Folge einer Einschränkung der Beweglichkeit des betroffenen Fingers. Möglich ist eine unvollständige Beuge- oder Streckfähigkeit, oder auch eine Fixierung in Beugestellung wovon meist das mittlere Gelenk des Fingers betroffen ist.

Die Nachbehandlung soll dies verhindern. Hierzu gehört Physiotherapie mit aktiver und passiver Mobilisation und Unterstützung durch so genannte Quengelschienen.

Kann die Beweglichkeit durch diese konservativen Maßnahmen nicht weiter verbessert werden, kommen operative Korrekturen in Betracht.

Zu den operativen Möglichkeiten gehören:

– Die Sehnenlösung (Tenolyse), die Lösung versteifter Gelenke (Arthrolyse)

– Der Ersatz der Sehne und Sehnenscheide durch Sehnentransplantation

 Tenolyse, Arthrolyse

Bei der Operation („Tenolyse“ = Sehnenlösung, „Arthrolyse“ = Gelenklösung) werden Verwachsungen im Gelenkbereich gelöst, Verklebungen der Sehnen, die vornehmlich im Gleitkanal im Bereich der Ringbänder auftreten, getrennt.

Die Nachbehandlung nach einer Tenolyse unterscheidet sich wesentlich von der Nachbehandlung nach einer Sehnennaht. Sie besteht in einer mehrmals täglichen intensiven aktiven und passiven Beübung. Im Gegensatz zur Sehnennaht ist nach einer Sehnenlösung  einer genähten Sehne die Festigkeit der Sehne vorhanden, so dass unmittelbar kraftvoll bewegt werden kann und auch muss.

Beugesehnentransplantation

Wenn eine durchtrennte Beugesehne nicht genäht wurde  muss nicht nur die Sehne, sondern auch der Sehnengleitkanal wiederhergestellt werden. Die Sehne wird dabei durch eine andere Sehne komplett ersetzt.

Eine Sehnentransplantation wird 2-zeitig vorgenommen, sie erfordert zwei operative Eingriffe. In einem ersten Schritt wird die verwachsene Sehne komplett entfernt und durch einen Silikonstab ersetzt. Eventuell beschädige Ringbänder werden wiederhergestellt. In den Wochen nach dem Ersteingriff bildet der Körper eine Hülle um den Silikonstab („Silasticstab“), die dann als Gleitlager für die transplantierte Sehne fungiert. Im Anschluss an die Einlage des Silasticstabes erfolgt eine intensive Krankengymnastik, bis der operierte Finger passiv frei beweglich ist.Bei der eigentlichen Transplantation wird eine entbehrliche Sehne vom Unterarm oder Unterschenkel entnommen und in den so neu geschaffenen Gleitkanal eingelegt. Sie wird mit dem Sehnenstumpf am Unterarm vernäht und am Fingerknochen angeheftet.

Die Nachbehandlung entspricht in weiten Zügen der nach einer direkten Sehnennaht. Da die erzielte Festigkeit zunächst deutlich geringer ist als nach einer Sehnennaht, ist besondere Vorsicht geboten.

Risiken und Komplikationen

– Nach einer Sehnenlösung oder Transplantation können erneut Verklebungen auftreten, die das Operationsergebnis zunichte machen können.

– Eine gelöste oder transplantierte Sehne kann unter bestimmten Umständen  reißen.

Fazit

Ist nach einer Sehnenverletzung eine Bewegungseinschräkung verblieben, kann dies durch operative Maßnamen gebessert werden. Auch hier schließt sich an die Operation eine lange und mühsame Nachbehandlung an.