Radiusfraktur – Häufig gestellte Fragen



  • Ich bin auf die Hand gestürzt, das Handgelenk ist geschwollen - was soll ich tun?

    Ohne eine ärztliche Untersuchung ist nicht zu entscheiden, ob es nur um eine Verstauchung oder einen Knochenbruch oder Bänderriss handelt. Sie müssen zum Arzt!
  • Ich habe Symptome eines Speichenbruchs - was könnte es außerdem noch sein?

    Auch Brüche der Handwurzelknochen und bestimmte Bänderrisse können zu starken Schmerzen und Schwellung am Handgelenk führen. Es kann eine Kombination verschiedener Verletzungen vorliegen. Ohne eine Röntgenuntersuchung ist dies nicht zu unterscheiden!
  • Welche Untersuchungen sind notwendig, damit die Diagnose gestellt werden kann?

    Am Anfang steht die körperliche Untersuchung durch den Arzt und eine einfache Röntgenuntersuchung des verletzten Handgelenks. In vielen Fällen kann die Diagnose jetzt bereits eindeutig gestellt werden. Ist ein Bruch nicht eindeutig zu sehen, besteht Verdacht auf einen zusätzlichen Bänderriss oder eine Knorpelschädigung,  sind weitere Untersuchungen notwendig. In erster Linie gehören dazu die Kernspintomografie (MRT) oder die Computertomografie (CT).
  • Kann man eine Radiusfraktur konservativ, das heißt ohne Operation behandeln?

    Es hängt vom Frakturtyp ab. Grundsätzlich ist die Heilungstendenz auch ohne Operation sehr gut; die Heilungsdauer nicht wesentlich verlängert.  Auch wenn eine Verschiebung der Fragmente vorliegt, kommt es zur Verheilung der Bruchenden, allerdings verbleibt die Fehlstellung.  Je nach Grad der resultierten Fehlstellung kann sich dann allerdings eine schmerzhafte Funktionseinschränkung entwickeln. Eine erhebliche Fehlstellung sollte daher bei der Erstbehandlung des Speichenbruchs beseitigt werden. Manchmal gelingt dies ausreichend durch „Einrichten“ des Bruchs und Gipsruhigstellung.  In anderen Fällen kann durch ein solches geschlossenes Manöver die Fehlstellung nicht beseitigt werden. Liegt keine wesentliche Fehlstellung vor, wird das Handgelenk für 4-6 Wochen immobilisiert, z.B. im Gipsverband.
  • In welchen Fällen soll operiert werden?

    Liegt eine erhebliche Fehlstellung vor, und kann diese durch eine geschlossenen Einrichtung („Reposition“) des Bruchs nicht dauerhaft verhindert werden,  so soll diese durch eine operative Stabilisierung beseitigt werden. Eine solche erhebliche Fehlstellung liegt dann vor, wenn Unregelmäßigkeiten der Gelenkfläche bestehen, wenn oder der Bruch in der Längsachse abgeknickt ist oder eine Längendifferenz zwischen Elle und Speiche durch den Bruch eingetreten ist. Auch Begleitverletzungen eines Speichenbruchs können den Grund für eine operative Behandlung darstellen. Hierzu gehören Brüche der Handwurzelknochen, Bänder-und Knorpelschäden und nicht zuletzt eine Schädigung verschiedener Nervenäste. In erster Linie betrifft dies das so genannte  Karpaltunnelsyndrom, dass im Zuge eines Speichenbruchs ausgelöst oder verstärkt werden kann.
  • Wie dringlich ist der Eingriff?

    Sehr starke Verschiebungen der Fragmente, die geschlossen nicht beseitigt werden können, eine Hautverletzung über der Fraktur oder eine Gefühlsstörung an den Fingern erfordern eine unmittelbare Versorgung zeitnah in den ersten Stunden nach der Verletzung. Bei allen anderen Bruchformen ist eine Notoperation nicht erforderlich. In den ersten Stunden nach dem Unfallereignis entwickeln sich ein Bluterguss und eine Schwellung am Handgelenk. Eine Operation kann daher in den ersten Stunden nach dem Unfall durchgeführt werden, so lange, bis die Schwellung noch nicht vollständig ausgebildet ist. Ist eine notwendige Operation aus organisatorischen Gründen in den ersten Stunden nicht möglich oder sinnvoll, sollte bis zur zumindest teilweisen Rückbildung der Schwellung gewartet werden. In technischer Sicht ist der Eingriff schwieriger, wenn zu lange gewartet wird, so dass die Operation nicht ohne Not hinausgeschoben werden soll.
  • Was passiert, wenn nicht operiert wird?

    Der Bruch verheilt bestenfalls in der Stellung, in der das Handgelenk immobilisiert wurde. Wurde dieser vor der Immobilisierung eingerichtet („reponiert“), kann sich die anfängliche Fehlstellung trotz eines Gips- oder Schienenverbands in den ersten Wochen bis zur Abheilung ganz allmählich wieder einstellen. Das Risiko ist umso größer, je komplizierter die Fraktur war, je ausgeprägter die Fehlstellung vor der Einrichtung war und je ausgeprägter eine eventuell vorhandene Osteoporose vor dem Unfallereignis bereits ausgebildet war. Nach Abheilung bleiben Beschwerden unterschiedlicher Art und Intensität zurück, abhängig vom Frakturtyp und der Ausprägung der Fehlstellung. Manche Frakturformen und Fehlstellungen führen zur einschränkten Drehfähigkeit des Unterarms; bei anderen kommt es zu einer schmerzhaften Arthrose des Handgelenks. Fragen Sie Ihren Arzt!
  • Gibt es Gründe gegen eine Operation?

    Jeder Eingriff hat Risiken. Diese unterscheiden sich hinsichtlich des vorliegenden Frakturtyps und des gewählten Verfahrens. Hierzu gehören Störungen der Wundheilung, in seltenen Fällen auch eine Beschädigung von Sehnen oder Nerven im Rahmen des Operationsvorgangs oder durch das einliegende Material. Auch kann das angestrebte Operationsziel nicht in jedem Fall sicher realisiert werden.
  • Was muss ich am Tag der Operation beachten?

    Die Operation findet in einer Vollnarkose oder einer Armbetäubung statt. Hinsicht Essen und Trinken wurde mit dem Narkosearzt gesprochen. Sollte sich an der Hand etwas geändert haben, sind Gefühlstörungen an den Fingern aufgetreten oder Veränderungen an der Haut, sprechen Sie mit Ihrem Arzt vor dem Eingriff darüber.
  • Was passiert nach der Operation?

    Im Regelfall findet der Eingriff im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes im Krankenhaus statt. Der Arm ist verbunden, mit einer Schiene immobilisiert und auf einem Kissen gelagert. Melden Sie sich, wenn der Verband eng ist, wenn Schmerzen auftreten oder Gefühlstörungen in den Fingern auffallen. Hochlagerung des Arms und gelegentliches langsames Öffnen und kräftiges Schließen der Hand fördert das Abschwellen und wirkt damit auch schmerzlindernd. Am Folgetag wird der Verband gewechselt. Die weiteren Kontrollen und erforderlichen Maßnahmen werden dann verabredet. Im typischen Fall bleibt die Hand einige Tage geschient; die Fäden werden nach 10-12 Tagen gezogen.
  • Welche Komplikationen können auftreten?

    Unmittelbar nach der Operation kann es zu einer Störung der Heilung kommen. Hierzu gehören starke Schwellungszustände, die Ausbildung eines Blutergusses („Hämatom“) oder auch eine schwellungsbedingte Nervenfunktionsstörung. Sehr seltene aber gravierende Komplikation ist die Entwicklung eines  Dystrophiesyndroms („Sudeck‘sche Erkrankung“, „CRPS“). Es handelt sich um eine schmerzhafte Schwellung der gesamten Hand mit Funktionseinschränkung von Handgelenk und Fingern. Eine solche Dystrophie kann sowohl nach konservativer als auch nach operativer Behandlung gleichermaßen auftreten. Auch nach einer Operation kann es in bestimmten Fällen zu einer Verschiebung der Bruchfragmente kommen, sei es aufgrund vorzeitiger Belastung oder auch aufgrund einer eventuellen Osteoporose. Verschlechtert sich der Zustand des verletzten Handgelenks im Heilverlauf, suchen Sie Ihren Arzt auf!
  • Wie ist die Nachbehandlung nach einer Operation?

    Dies hängt davon ab, welche Stabilität durch die operative Versorgung erzielt wurde. Im Normalfall ist diese als „übungsstabil“ anzusehen. Dies bedeutet, dass das Handgelenk ohne Belastung bewegt werden kann. Verrichtungen des täglichen Alltags sollten möglich sein; das Anheben schwerer Gegenstände oder Abstützen mit der operierten Hand müssen vermieden werden. Verschiedene Faktoren sind für die Stabilität bestimmend. hierzu gehören der Frakturtyp, Art der operativen Stabilisierung und auch die vorhandenen Knochendichte. Daher kann dies nicht generell sondern individuell vom Operateur für Sie angegeben werden. Im Verlauf der Frakturheilung sind dann weitere Maßnahmen hilfreich - dazu gehören eine krankengymnastische Übungsbehandlung, eine Behandlung eventueller Schwellungszustände durch Lymphdrainage oder auch eine Ergotherapie zum Kraftaufbau und Funktionstraining.
  • Wann kann ich wieder arbeiten oder Sport treiben?

    Es hängt von Ihrer Tätigkeit ab und vom Heilungsverlauf der Fraktur. Die knöcherne Heilung ist nach 2-3 Monaten erfolgt. Starke körperliche Belastung ist frühestens nach dieser Zeit möglich. Büroarbeit kann eventuell früher aufgenommen werden.
  • Gibt es eine vollständige Heilung?

    Wenig verschobene Brüche ohne Beschädigung der Gelenkflächen können zu einer vollständigen Heilung führen. Auch stärker verschobene Brüche, die erfolgreich reponiert oder operiert werden, können zu einer funktionell vollständigen Heilung führen. Typisch ist eine gewisse Bewegungseinschränkung, die abhängig ist vom Typ der vorliegenden Fraktur und dem erzielten Behandlungsergebnis. Speichenbrüche bei Kindern im Wachstumsalter führen in den meisten Fällen zu einer vollständigen Heilung. Allerdings sind bei bestimmten Bruchformen bei Kindern wachstumsbedingte Fehlstellungen möglich, die sich erst ganz allmählich mit dem weiteren Längenwachstum einstellen- turnusmäßige Kontrollen sollten durchgeführt werden. Fragen Sie Ihren Arzt!  
  • Mit welchen Dauerfolgen muss ich rechnen?

    Auch dies hängt stark vom Frakturtyp und dem erzielten Behandlungsergebnis ab. Zu den möglichen Dauerfolgen gehören eine Einschränkung der Unterarmdrehfähigkeit,  eine eingeschränkte Beweglichkeit des Handgelenks oder auch Schmerzen bei Bewegung und Belastung.
  • Nach meinem Speichenbruch sind Funktionsstörungen verblieben. Kann dies noch gebessert werden?

    Ist die Fraktur in einer Fehlstellung verheilt, kann diese in vielen Fällen durch einen operativen Eingriff korrigiert werden. Hierbei werden die fehlverheilten Frakturfragmente wieder getrennt und in korrekter Position  meist mit einer Platte stabilisiert. Der Eingriff ist aufwendiger als die Operation bei frischem Speichenbruch, das Ergebnis wenig sicher vorherzusagen. Wann eine solche Korrektur durchgeführt werden soll, ist individuell unterschiedlich. Grundsätzlich sollte diese in den ersten Monaten nach der Verletzung erfolgen und nicht unnötig hinausgezögert werden.
  • Muss die Platte entfernt werden?

    Wurde zur operativen Stabilisierung eine Platte verwendet, kann diese in seltenen Fällen zur Beschädigung vom Sehnen  im Bereich des Handgelenks führen, auch bei perfektem Operationsergebnis und idealer Plattenlage. Im schlimmsten Fall kommt es zum Riss einer Sehne, wobei die Beuge- und Strecksehnen des Daumens am stärksten gefährdet sind. Auch wenn diese Komplikation insgesamt sehr selten ist, empfehle ich die verwendete Platte aus Sicherheitsgründen nach ca. 6 Monaten zu entfernen.