Nervenverletzungen – Häufig gestellte Fragen



  • Ich habe mir eine Schnittverletzung zugezogen und es besteht jetzt eine Gefühlsstörung an der Hand; was ist zu tun?

    Wird ein durchtrennter Nerv wieder genäht, kann sich das Gefühl zumindest zum Teil wieder erholen. Diese Möglichkeit ist zeitabhängig, die Versorgung sollte frühestmöglich durchgeführt werden, am besten in den ersten Stunden nach der Verletzung. Sie sollten Daher unmittelbar den Arzt aufsuchen und nicht bis zum nächsten Tag warten.
  • Welche Untersuchungen sind notwendig, damit die Diagnose gestellt werden kann?

    In den meisten Situationen ist die körperliche Untersuchung durch den Arzt ausreichend, um zumindest eine Verdachtsdiagnose stellen zu können. Im Rahmen der Wundversorgung kann dann der Verdacht bestätigt oder ausgeschlossen werden. Ist die Diagnose unsicher, liegt die Verletzung länger zurück so kann vor einer chirurgischen Versorgung eine so genannte elektophysiologische Untersuchung durch den Neurologen notwendig sein.
  • Kann man konservativ, ohne Operation behandeln?

    Nein. Ist der Nerv durchtrennt, finden die Enden nicht mehr zusammen. Der Gefühlsausfall bleibt größtenteils bestehen. Nur wenn der Nerv nicht durchtrennt sondern nur gequetscht war, kann er sich ohne chirurgische Maßnahmen erholen.
  • Welches Operationsverfahren ist das Richtige? Wann soll operiert werden und wie dringlich ist der Eingriff?

    Nach einer Nervenverletzung bleibt immer eine Funktionsminderung in unterschiedlichem Grad zurück- entweder in Form einer Gefühlsstörung oder einer muskulären Schwäche. Diese ist am geringsten, wenn eine direkte Naht des Nerven möglich ist. Eine solche direkte Naht ist nur ein den ersten Tagen nach der Verletzung möglich. Die besten Aussichten bestehen in den ersten Stunden. Eine Sofortoperation ist daher in den meisten Fällen das richtige Verfahren. Erfolgt die Behandlung erst verzögert nach mehrere Tagen und Wochen, so haben sich die Nervenenden zurückgezogen. Eine direkte Naht ist jetzt aufgrund der Spannung nicht mehr möglich. Die Kontinuität kann durch das Einfügen von Nervensegmenten ("Nerventransplantation") wiederhergestellt werden. Die Resultate sind hier etwas ungünstigen als nach einer direkten Naht.
  • Was kann passieren, wenn nicht operiert wird?

    War der Nerv vollständig durchtrennt und wird die Nervenverletzung sich selbst überlassen, so ist die Gefühls-und Bewegungsstörung permanent. An der Verletzungsstelle bildet sich schmerzhafter Nervenknoten (so genanntes Neurom) und die Narbe wird berührungsempfindlich. War der Nerv nur gequetscht, kann er sich mit er zeit dann erholen, die Funktionsstörung bildet sich allmählich zurück. Bei einer Teildurchtrennung findet eine graduelle Rückbildung statt entsprechend dem Grad der vorliegenden Schädigung.
  • Gibt es Gründe gegen eine Operation?

    Liegt die Verletzung bereits einige Zeit zurück und ist eine direkte Naht des Nerven nicht mehr möglich, so kann eine teilweise Erholung nur durch eine Transplantation von Nervenfasern erreicht werden. Hierzu ist eine Entnahme von Nervengewebe an anderer Stelle notwendig, wodurch zusätzliche Probleme entstehen können. Der zu erwartende Nutzen einer Transplantation muss hierzu abgewogen werden. Fragen Sie Ihren Arzt!
  • Was muss ich nach der Operation beachten?

    Der Arm ist verbunden und geschient. Die Nervenenden wurden mit feinsten Fäden genäht; die Rißfestigkeit der Naht ist anfangs begrenzt. Bewegung ist erst nach Abnahme der Scheine erlaubt.
  • Welche Komplikationen können vorkommen?

    Es handelt sich um eine offene Verletzung, bei der Bakterien eingedrungen sein können; die Entwicklung einer Infektion ist wie bei jeder anderen offenen Verletzung möglich. Trotz rechtzeitiger Operation kann in ungünstigen Fällen die Nervenheilung ausbleiben. Auch ist die Entwicklung einer berührungsempfindlichen Narbe oder eines schmerzhaften Nervenknotens möglich, unabhängig davon, welcher Art der nervenschaden war, ob operiert wurde und welches Verfahren zu Anwendung gekommen ist.
  • Was passiert nach der Operation und wie ist die Nachbehandlung?

    Nach jeder Nervennaht ist in der Anfangsphase eine Ruhigstellung notwendig. Auf die unmittelbare Wundheilung und die Ruhigstellung folgt eine Lokalbehandlung der Narbe. Bei motorischen Lähmungen können auch nach der unmittelbaren Ruhigstellung Schienen zur Anwendung kommen, die bis zur Nervenerholung getragen werden. Mit der Erholung der Nervenfasern nach Wochen ist dann eine funktionelle Therapie angezeigt. Sowohl das Gefühl als auch die Motorik im betroffenen Areal ist z.B. im Rahmen einer Ergotherapie trainierbar.
  • Wann kann ich wieder arbeiten oder Sport treiben?

    Nach der Wundheilung und der anfänglichen Ruhigstellungszeit hängt dies von den eingetretenen funktionellen Beeinträchtigungen nach der Nervenverletzung ab. Ist die Sportausübung von der Erholung der Nervenfunktion abhängig, so vergehen bis dahin mehrere Monate.
  • Gibt es eine vollständige Heilung?

    Nur dann, wenn der Nerv bei der Verletzung nicht durchtrennt oder in seiner Struktur beschädigt wurde. Liegt eine Durchtrennung von Nervenfasern vor, ist auch nach optimalem Behandlungsverlauf nur noch eine graduelle Rückbildung der Funktion zu erwarten. Eine vollständige Nervenheilung ist auch nach optimaler operativer Behandlung nicht mehr möglich.