Karpaltunnelspaltung

Operationsprinzip

Im Karpaltunnel verlaufen die Beugesehnen zu Daumen und Fingern gemeinsam mit dem Nervus medianus, der das Gefühl an Daumen, Zeige-, Mittel und einem Teil des Ringfingers vermittelt. Ein Karpaltunnelsyndrom bezeichnet die Schädigung des Nervus medianus, verursacht durch eine Zunahme der Sehnen und ihres Gleitgewebes („Sehnenscheide“). Bei der Operation wird die Faserplatte, die über dem Nerven gelegen ist und den Karpaltunnel begrenzt komplett durchtrennt und nicht wieder genäht. Nur wenn eine erhebliche entzündliche Schwellung des Sehnengleitgewebes besteht, wird dieses zusätzlich entfernt (bei rheumatischen Erkrankungen).

Vor der Operation

Allgemeine Vorerkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen waren Gegenstand des Vorbereitungsgesprächs. Über das Verhalten vor der Operation wurde mit dem Anästhesisten gesprochen, speziell über Medikamente, Essen und Trinken am OP-Tag. Im Besonderen gilt dies für eine eventuelle Blutverdünnung und Allergien (Penicillinallergie).

Hautveränderungen im OP-Bereich und am zu operierenden Arm sollten dem Operateur bekannt sein. Dies gilt auch für bestehende Infektionen unabhängig von der aktuellen Erkrankung.

Blutleere Blutleere und Blutsperre

Zur Operation ist eine Blutfreiheit erforderlich. Hierzu wird der Arm mit einer Binde gewickelt und am Oberarm eine Stauungsmanschette angelegt. Der Druck bleibt bis zum Hautverschluß bestehen, typischerweise etwa 5 bis 10 Minuten. Er ist bei einer örtlichen Betäubung spürbar und kann in unterschiedlicher Intensität als unangenehm empfunden werden.

Betäubung

In den meisten Fällen ist eine örtliche Betäubung des Operationsgebietes ausreichend. Die Injektion wird in der Nähe des Handgelenks plaziert. Vor Beginn des eigentlichen Eingriffs wird deren Wirkung überprüft, bei nicht ausreichender Wirkung wird nachbetäubt, bis das Gefühl im Operationsgebiet ausgeschaltet sind. Die Wirkungsdauer der Betäubung ist abhängig vom Betäubungsmittel und beträgt zwischen 2 und über 10 Stunden. Die örtliche Betäubung erlaubt die Verwendung einer Blutsperre für 5-10 Minuten,dies ist für den Eingriff ausreichend. Soll zusätzlich zur Öffnung des Karpaltunnels eine Entfernung entzündeter Sehnenscheiden vorgenommen werde, ist eine örtliche Betäubung hinsichtlich ihrer Wirkung nicht mehr ausreichend. In diesem Fall ist eine Betäubung des gesamten Armes oder auch eine Vollnarkose notwendig.

Bei einer Betäubung des gesamten Armes (so genannte „Plexusanästhesie“) wird die Injektion wird unter der Axel verabreicht. Um eine optimale Wirkung zu erzielen und eine direkte Berührung von Armnerven mit der Nadelspitze zu vermeiden wird deren Lage unter Ultraschall kontrolliert. Mit der Verwendung des Ultraschalls ist sowohl die Wirksamkeit der Plexusanästhesie verbessert, als auch mögliche Schmerzen beim Einstich. Vorteil der Plexusanästhesie gegenüber einer ausschließlich örtlichen Betäubung am Handglenk ist die Vermeidung unangenehmer Beschwerden bei der Anwendung einer Blutleere.

Alternativ zu einer Plexusanästhesie kann eine Blutfreiheit durch die Beigabe eines gefäßverengenden Mittels bei der örtlichen Betäubung hergestellt werden.

Eine Vollnarkose kann unangenehme Begleiterscheinungen örtlicher Betäubungsverfahren vermeiden. Steht man der Operation ängstlich gegenüber, kann man diese Option wählen auch wenn ein zusätzliches allgemeines Risiko besteht.

Eingriff

Der Hautschnitt liegt entlang des Daumenballens. Die Gewebeschichten unter der Haut werden getrennt, das über dem Nerven gelegene Band („Retinaculum flexorum“) über die Länge des Hautschnitts hinaus von der Handfläche bis zum Unterarm durchtrennt. Die Haut wir danach mit 4-5 Stichen verschlossen. Nach dem Wundverschluss wird ein Verband angelegt. Eine Schiene ist nicht erforderlich.

Am Tag der Operation

Nach einer örtlichen Betäubung kann man unmittelbar nach der Operation das Krankenhaus verlassen. Nach einer Armbetäubung („Plexusanästhesie“) ist der Arm zunächst wie gelähmt. Vor dem Verlassen der Einrichtung muss die eigene muskuläre Kontrolle des Armes gewährleistet sein. Nach einer Vollnarkose wartet man eine gewisse Zeit nach Narkoseende und kann das Krankenhaus auch nur in Begleitung verlassen.

Am Operationstag sollte der Arm nicht unnötig herunterhängen um Schwellungen zu vermeiden. Bewegung und Gebrauch der Finger ist möglich, spezielle Übungen unter Schmerzen nicht erforderlich.

In der Nacht des Operationstages kann etwas Blut in den Verband sickern. Sollte der Verband eng sein kann die Wicklung gelockert werden.

Am Tag nach dem Eingriff

Am ersten Tag nach dem Eingriff wird der Verband gewechselt, typischerweise gegen ein Pflaster, das die Wunde nach außen abschließt. Nach 10-12 Tagen werden die Fäden entfernt. Bis dahin sollte die Wunde trocken bleiben. Wird als Verband ein Pflaster verwendet, kann beim Hantieren mit Wasser ein Gummihandschuh getragen werden. Wird das Pflaster nass, muss es gewechselt werden. Nach Entfernen der Fäden kann die Hand gewaschen werden.

Bewegung und Krankengymnastik

Eine spezielle funktionelle Therapie ist nicht erforderlich.

Narbenpflege

Narben nach handchirurgischen Operationen neigen in manchen Fällen zur schmerzhaften Verdickung. Besonders betroffen sind Narben in der Handfläche und an den Beugeseiten der Finger. Narben lockern sich allmählich in den Wochen und Monaten nach der Operation, auch ohne jedes Zutun. Helfen kann eine regelmäßige Hautpflege mit fetter Salbe, die unter kreisenden Bewegungen in die Hand einmassiert wird. Bei stärkerer Schwellung sind eventuelle Medikamente notwendig, dann ist ärztliche Hilfe angebracht.

Typischerweise kann die Hand nach 2-4 Wochen wieder belastet werden. Unangenehme Beschwerden im Narbenbereich nehmen graduell ab, können aber im Einzelfall länger anhalten. In den meisten Fällen gehen sie allmählich zurück. Typische Arbeitsunfähigkeitszeiten sind bei Büroarbeit 2 Wochen, bei manueller Tätigkeit 3-4 Wochen.

Verlauf, Komplikationen und Probleme

Nach dem Eingriff sind schmerzhafte nächtliche Sensationen im Regelfall unmittelbar weitgehend beseitigt. Ein Taubheitsgefühl kann unmittelbar nach der Operation gebessert sein, ist aber meist nicht vollständig beseitigt. Es bessert sich weiter nur allmählich typischerweise im Verlauf von einem halben bis einem Jahr. Qualität und zeitlicher Verlauf der Rückbildung sind davon abhängig, wie ausgeprägt die Krankheitserscheinungen waren und wie lange sie vor dem Eingriff bestanden haben.

Eingriffstypische aber ausgesprochen seltene Komplikationen sind eine Beschädigung des Nerven durch die Operation oder ein unvollständige Öffnung und Druckentlastung nach dem Eingriff. Sind die Beschwerden in den ersten Tagen nach der Operation in keiner Weise verändert oder haben sich verschlechtert, muss nach einer solchen Komplikation gesucht werden.

Ergebnis und Ausblick

Inwieweit der Nerv sich nach der Operation erholt, hängt vom Grad der Schädigung ab. Eine vollständige Erholung ist in den meisten Fällen noch möglich.

Ein Karpaltunnelsyndrom, dass erfolgreich behandelt wurde, kann sich nach vielen Jahren erneut entwickeln; Ursache ist eine Neubildung von Bindegewebsfasern im Verlauf der durchtrennten Bandes.