Operative Sanierung der Kahnbeinpseudarthrose

Operationsprinzip

Heilt eine Fraktur nicht aus bleiben die Fragmente gegeneinander beweglich und führen zur Funktionsstörung. Bei der Sanierung wird das Narbengewebe zwischen den Fragmenten entfernt, der Zwischenraum mit eigenem Knochengewebe gefüllt und der Verbund mit einer Schraube fixiert.

Operationsgrund („Indikation“)

Eine Pseudarthrose führt zu Schmerzen bei Beanspruchung. Es kommt über Jahre zur Entwicklung einer Arthrose des Handgelenks. Schmerzen und Bewegungseinschränkung nehmen zu. Diese Entwicklung kann nur aufgehalten werden, wenn es gelingt den Bruch und damit die Pseudarthrose zur Ausheilung zu bringen. Wenn Aussichten auf einen Heilerfolg bestehen soll daher operiert werden.

Operationsvoraussetzungen und Hinderungsgründe

Nicht alle Pseudarthrosen können operativ zur Ausheilung gebracht werden. Sind die Veränderungen am Knochen oder am Gelenk zu weit fortgeschritten, ist ein Eingriff nicht mehr erfolgversprechend und kann die Situation verschlechtern.

Vor der Operation

Allgemeine Vorerkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen waren Gegenstand des Vorbereitungsgesprächs. Über das Verhalten vor der Operation wurde mit dem Anästhesisten gesprochen, speziell über Medikamente, Essen und Trinken am OP-Tag. Im Besonderen gilt dies für eine eventuelle Blutverdünnung und Allergien (Penicillinallergie).

Hautveränderungen im OP-Bereich und am zu operierenden Arm sollten dem Operateur bekannt sein. Dies gilt auch für bestehende Infektionen unabhängig von der aktuellen Erkrankung.

Betäubung

Bei der Operation wird Knochengewebe vom Beckenkamm (nicht: Hüftgelenk) entnommen und zum Kahnbein transplantiert. Für die Operation ist daher eine vollständige Betäubung des Armes als auch des Beckenkamms notwendig. Erreicht wird dies mit einer einer Vollnarkose.

Blutleere Blutleere und Blutsperre

Zur Operation ist eine Blutfreiheit im Operationsgebiet erforderlich. Hierzu wird wie bei anderen Handoperationen der Arm mit einer Binde gewickelt und am Oberarm eine Stauungsmanschette angelegt. Deren Druck übersteigt den arteriellen Blutdruck, das Blut kann nicht in das Operationsgebiet fließen.

Der Manschettendruck bleibt bis zum Hautverschluss bestehen. Schäden im Gewebe sind nicht zu befürchten sofern die Dauer der Blutleere 2 Stunden nicht überschreitet. Dies ist bei den meisten handchirurgischen Eingriffen der Fall. Dauert die Operation einmal länger, wird die Blutleere zwischenzeitlich geöffnet.

Eingriff

Der Hautschnitt liegt über beugeseitigen Handgelenk.

Das Handgelenk wird über dem Kahnbein eröffnet. Eventuell vorhandenes Narbengewebe zwischen den nicht zusammengewachsenen Bruchfragmenten wird entfernt. Die zwischen den Gelenken gelegenen Grenzflächen sind abgerundet und mit faserigem Knochengewebe überzogen. Dies wird bis in gesunden Knochen abgetragen um heilungsfähige Grenzflächen zu schaffen.

Die Größe der resultierenden Knochenlücke kann jetzt bestimmt werden.

Zunächst wird jetzt die Haut über dem Beckenkamm geöffnet. Ein in der Größe entsprechendes Knochentransplantat wird vom Beckenkamm entnommen, die Wunde hier wieder geschlossen.

Dieses Knochenstück wird in der Größe angepasst und zwischen die Kahnbeinfragmente eingepresst. Im Normalfall wird die Schraube durch beide Fragmente und das dazwischen eingepasste Knochentransplantat eingedreht. Es handelt sich um eine Doppelgewindeschraube mit zwei Gewinden unterschiedlicher Steigung. Beim Eindrehen in den Knochen kommt es zur Kompression an den sich berührenden Flächen; dies erhöht die mechanische Stabilität.

Nach dem Eingriff

Üblicherweise ist der Eingriff ist stationär, Schmerzmittel können in ausreichender Dosierung verwendet werden. Der Arm ist geschient.

Am Folgetag wird der Verband gewechselt, ein Röntgenbild angefertigt und die Schiene wieder angelegt. Meist kann in der Regel das Krankenhaus wieder verlassen.

Schmerzbehandlung

Der weitere Verlauf

Nach 10 Tagen werden die Fäden gezogen. Das Handgelenk wird für die nächsten Wochen weiter geschient, üblicherweise für ca. 6 Wochen. Die Ruhigstellungszeit ist deutlich länger als nach einer Verschraubung einer einfachen Fraktur ohne Knochentransplantation.

Übungen

Die Finger und bleiben von Anfang an beweglich, dar Daumen wird teilweise in die Schiene einbezogen. Bewegung des Handgelenks kann nach Schienenentfernung begonnen werden, Belastung ist nach Knochenheilung möglich, normalerweise nach 2-3 Monaten.

Aussichten

Die Wahrscheinlichkeit der knöchernen Heilung nach einer solchen Operation liegt zwischen 60% und 90%. Dies ist ganz wesentlich von der Ausgangssituation abhängig. Kritische Faktoren sind der zeitliche Abstand von der Fraktur und die Lage der Fraktur am Kahnbein.

Auch nach unkomplizierter knöcherner Heilung bleibt immer eine gewisse Bewegungseinschränkung zurück. Auch bleibt immer eine Formveränderung zurück die zur späteren Arthrose führen kann – wenn auch deutlich weniger schnell als bei einer fortbestehenden Pseudarthrose.

Bleibt die Heilung aus, so hat ein Folgeeingriff, bei dem erneut Knochengewebe transplantiert wird eine Aussicht auf Erfolg. Heilt der Knochen auch dann nicht zusammen, kommt es sich in den Jahren danach allmählich zur Arthrose. Dies ist bei der Zukunfts- und Berufsplanung zu berücksichtigen.

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