Ablauf der Osteosynthese bei Fingergrundgliedfrakturen

Operationsprinzip

Die verschobene Fraktur wird über einen Hautschnitt geöffnet und unter Sicht des Auges eingerichtet (reponiert). Die Fragmente werden mit Minischrauben und wenn nötig unter Zuhilfenahme eines kleinen Metallplättchens fixiert.

Operationszeitpunkt

Wurde bei dem Unfall die Haut über dem Bruch geöffnet und liegt damit ein offener Bruch vor so besteht Infektionsgefahr. Die Frakturversorgung soll innerhalb der ersten Stunden nach der Verletzung durchgeführt werden. Bei der Operation wird gleichzeitig eine Säuberung und Spülung der Wunde vorgenommen, beschädigtes Gewebe, das ein Boden für Bakterien darstellen könnte wird entfernt. Wird bei einem offenen Bruch die Versorgung erst nach mehreren Stunden durchgeführt ist die Infektionsgefahr deutlich erhöht.

Bei einem geschlossenen Bruch kann die Versorgung auch noch Tage nach der Verletzung durchgeführt werden. Technisch gesehen ist die Versorgung umso einfacher je früher sie durchgeführt wird. In den Tagen danach ist die Umgebung des Bruches geschwollen. Bei starker Schwellung kann es daher besser sein, einige Tage zu warten.

Vor der Operation

Allgemeine Vorerkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen waren Gegenstand des Vorbereitungsgesprächs. Über das Verhalten vor der Operation wurde mit dem Anästhesisten gesprochen, speziell über Medikamente, Essen und Trinken am OP-Tag. Im Besonderen gilt dies für eine eventuelle Blutverdünnung und Allergien (Penicillinallergie).

Hautveränderungen im OP-Bereich und am zu operierenden Arm sollten dem Operateur bekannt sein. Dies gilt auch für bestehende Infektionen unabhängig von der aktuellen Erkrankung.

Zur Operation ist eine Blutfreiheit im Operationsgebiet erforderlich. Hierzu wird wie bei anderen Handoperationen der Arm mit einer Binde gewickelt und am Oberarm eine Stauungsmanschette angelegt. Deren Druck übersteigt den arteriellen Blutdruck, das Blut kann nicht in das Operationsgebiet fließen.

Der Manschettendruck bleibt bis zum Hautverschluss bestehen. Schäden im Gewebe sind nicht zu befürchten sofern die Dauer der Blutleere 2 Stunden nicht überschreitet. Dies ist bei den meisten handchirurgischen Eingriffen der Fall. Dauert die Operation einmal länger, wird die Blutleere zwischenzeitlich geöffnet.

Betäubung

Eine nur örtliche Betäubung im Bereich des Operationsgebietes ist für den Eingriff nicht ausreichend. Für den Eingriff und die hierzu notwendige Blutleere ist eine vollständige Betäubung des Armes bis zur Schulter erforderlich. Erreicht wird dies mit einer Armbetäubung („Plexusanästhesie“) oder einer Vollnarkose.

Bei der Armbetäubung („Plexusanästhesie“) wird das Narkosemittel in die Achselhöhle in die Nähe der Armnerven eingespritzt. Die Lage der Kanüle wird dabei im Ultraschall kontrolliert. Man kann wach bleiben; die Risiken einer Vollnarkose werden vermieden. Eine solche „Plexusbetäubung“ kann mit einem Schlaf- oder Beruhigungsmittel (z.B. „Propofol®“) kombiniert werden, ohne dass dies mit einer vollständigen Narkose gleichkommt. Die Wirkungsdauer einer Armbetäubung ist stark vom verwendeten Mittel abhängig und kann bis zu 12 Stunden anhalten.

Immer ist auch alternativ eine Vollnarkose möglich.  

Eingriff

Der Hautschnitt liegt über der Streckseite des Fingergrundgliedes. Zwischen der Haut und im Knochen liegt die Strecksehne als flaches Band über der gesamten Streckseite des Fingers. Diese wird längst geöffnet, ebenso die darunter gelegene Knochenhaut unter der sich die Fraktur darstellt. Zwischen den Frakturfragmenten befindliches Blut und Narbengewebe wird minutiös entfernt. Anschließend erfolgt das Einrichten der Knochenfragmente unter Sicht und eine provisorische Fixierung, meist mit einer kleinen Haltezange. Die Fragmente werden mit Minischrauben oder einem kleinen Plätzchen definitiv fixiert. Das erzielte Ergebnis wird noch während der Operation unter einem mobilen Röntgengerät kontrolliert und dokumentiert.

Nach Beendigung der Fixierung wird die längs eröffnete Strecksehne mit auflösbaren Fäden verschlossen und die Haut genäht. Ein steriler Verband wird angelegt, ebenso eine Schiene in unterschiedlicher Größe.

Nach der Operation

Nach der ambulanten Operation kann man anschließend das Krankenhaus wieder verlassen. Sie sollten nicht selbst am Steuer sitzen! Die Verwendung öffentlicher Verkehrsmittel ist prinzipiell möglich.

Die Hand ist verbunden und geschient. Sie sollte am Operationstag nicht längere Zeit herunterhängen. Schmerzmittel wurden mitgegeben, die Dosierung mit dem Anästhesisten besprochen. Nicht erträgliche Schmerzen können Hinweis auf eine Komplikation sein wie z.B. eine Blutung. Manchmal ist auch ein zu enger Verband die Ursache.

Setzen Sie sich dann mit Ihrem Operateur in Verbindung!

Nach der Operation wurden ausreichend Schmerzmittel mitgegeben. Als Mittel der ersten Wahl empfehlen wir Paracetamol oder Novaminsulfon. Bestimmte Medikamente können die Knochenbruchheilung negativ beeinflussen. Dazu gehören häufig verwendete Schmerzmittel aus der Gruppe der sogenannten „Nicht Steroidalen Antirheumatika „(„NSAR“). Die gebräuchlichsten Medikamente sind Ibuprofen und Voltaren. Der Zusammenhang ist noch nicht endgültig bewiesen. Vor der Klärung rate ich nach Frakturen von der Verwendung dieser Mittel bei Knochenbrüchen und Sehnenverletzungen ab.

Am Tag nach dem Eingriff

Am ersten Tag nach dem Eingriff wird der Verband gewechselt, eine Röntgenkontrolle durchgeführt und die Schiene wieder angelegt. Nach 10 Tagen werden die Fäden gezogen. In günstiger Konstellation kann jetzt mit Bewegung begonnen werden. Manchmal ist auch eine längere Schienenrückstellung erforderlich.

Bewegung und Krankengymnastik

Fingergrundgliedfrakturen erfordern eine spezielle funktionelle Therapie.

Ganz häufig kommt es anfangs zu einer Bewegungseinschränkung von Mittel- und Endgelenk. Ursache ist eine Verklebung der flach und bandförmig über dem Knochen gelegenen Strecksehne („STreckaponeurose“). Diese neigt zu Verklebung mit dem darunterliegenden frakturierten Fingergrundglied. Wird zu lange mit der Mobilisation gewartet und hier insbesondere mit der aktiven Streckung des Mittelgelenkes , so kann eine Beugestellung dieses Gelenkes verbleiben die auch im späteren Verlauf nicht mehr voll ausgeglichen wird. Ihr Operateur ist hier in der Verantwortung die richtige Behandlung festzulegen.

Verlauf, Komplikationen und Probleme

Die Heilungstendenz von Fingergrundgliedfrakturen ist hinsichtlich der knöchernen Konsolidierung ausgesprochen gut. Wundheilungsstörungen und Infektionen sind bei operativer Behandlung sehr selten.

Fingergrundgliedfrakturen sond aufwendig in der Nachbehandlung. Wird diese vernachlässigt, terten mit nennenswerter Häufigkeit Bewegungseinschränkungen besonders an Mittel- und Endgelenk ein.

Ergebnis und Ausblick

Wenn eine Bewegungseinschränkung auftritt kann in einem zweiten operativen Eingriff die Platte entfernt und die verklebte Sehne gelöst werden. Die Erfolgsaussichten eines solchen Eingriffes sind umso größer, je länger der zeitliche Abstand zur Osteosynthese ist. Keineswegs sollte eine Sehnenlösung im ersten halben Jahr nach der Versorgung durchgeführt werden.

Fragen Sie Ihren Operateur!