9. Dezember 2022

Osteosynthese einer Mittelhandfraktur

PDF-Download

Verschobene Frakturen eines Mittelhandknochens, die zu einer Fehlstellung geführt haben und im Gipsverband nicht zufriedenstellend behandelt sind, können operativ gerichtet werden. Die Fixierung erfolgt durch größenangepasste Titanschrauben und -plättchen.

Operationsprinzip

Die Haut wird über der Fraktur geöffnet. Die Fraktur wird freigelegt und gereinigt und provisorisch mit kleiner Fixationszange gehalten.  Die Fragmente werden dann mit Minischrauben und wenn nötig unter Zuhilfenahme eines kleinen Metallplättchens fixiert.

Vor der Operation

Allgemeine Vorerkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen waren Gegenstand des Vorbereitungsgesprächs. Über das Verhalten vor der Operation wurde mit dem Anästhesisten gesprochen, speziell über Medikamente, Essen und Trinken am OP-Tag. Im Besonderen gilt dies für eine Blutverdünnung und eventuelle Allergien (Penicillinallergie).

Hautveränderungen im OP-Bereich und am zu operierenden Arm sollten dem Operateur bekannt sein. Dies gilt für alle bestehende Wunden Infektionen unabhängig von der aktuellen Erkrankung.

Blutleere

Zur Arthroskopie ist eine Blutfreiheit erforderlich. Hierzu wird der Arm mit einer Binde gewickelt und am Oberarm eine Stauungsmanschette angelegt. Der Druck bleibt bis zum Wundverschluss bestehen. Eine solche Blutleere kann für mindestens zwei Stunden aufrecht erhalten werden, ohne Schäden im Gewebe zu verursachen. Dies wird akribisch kontrolliert. Bei länger dauernder Operation wird die Manschette nach 2 Stunden geöffnet. Schäden im Gewebe durch die Blutleere sind damit nicht zu befürchten.

Betäubung

Eine nur örtliche Betäubung im Bereich des Operationsgebietes ist für den Eingriff nicht ausreichend. Für den Eingriff und die hierzu notwendige Blutleere (siehe unten) ist eine vollständige Betäubung des Armes bis zur Schulter erforderlich. Erreicht wird dies mit einer Armbetäubung („Plexusanästhesie“) oder einer Vollnarkose.

Bei der Armbetäubung („Plexusanästhesie“) wird das Narkosemittel in die Achselhöhle in die Nähe der Armnerven eingespritzt. Die Lage der Kanüle wird dabei im Ultraschall kontrolliert. Man kann wach bleiben; die Risiken einer Vollnarkose werden vermieden. Eine solche „Plexusbetäubung“ kann mit einem Schlaf- oder Beruhigungsmittel (z.B. „Propofol®“) kombiniert werden, ohne dass dies mit einer vollständigen Narkose gleichkommt. Die Wirkungsdauer einer Armbetäubung ist stark vom verwendeten Mittel abhängig und kann bis zu 12 Stunden anhalten. Immer ist auch alternativ eine Vollnarkose möglich.  

Eingriff

Der Hautschnitt liegt über der Streckseite des betroffenen Mittelhandknochens. Die Strecksehne und kleine streckseitige Nervenäste werden beiseite gehalten. Zwischen den Frakturfragmenten befindliches Blut und Narbengewebe wird minutiös entfernt. Anschließend erfolgt das Einrichten der Knochenfragmente unter Sicht und eine provisorische Fixierung, meist mit einer kleinen Haltezange. Das Ergebnis wird im Röntgenbild kontrolliert. Stimmt jetzt alles, werden die Fragmente mit Minischrauben oder einem kleinen Plätzchen definitiv fixiert. Das erzielte Ergebnis wird noch während der Operation unter einem mobilen Röntgengerät kontrolliert und dokumentiert. Nach Beendigung der Fixierung wird die Haut genäht. Ein steriler Verband wird angelegt, ebenso eine Schiene in unterschiedlicher Größe.

Nach der Operation

Am ersten Tag nach dem Eingriff wird der Verband gewechselt, eine Röntgenkontrolle durchgeführt und die Schiene wieder angelegt. Nach 10 Tagen werden die Fäden gezogen. In günstiger Konstellation kann jetzt mit Bewegung begonnen werden. Manchmal ist auch eine längere Schienenrückstellung erforderlich.

Übungen

Mittelhandfrakturen erfordern eine funktionelle Therapie.

Anfangs kann es zu einer Bewegungseinschränkung vor allem des Fingergrundgelenks kommen. Mit einer aufmerksamen Nachbehandlung kann dies in den meisten Fällen vermieden werden.

Risiken und Komplikationen

Die Heilungstendenz von Mittelhandfrakturen ist hinsichtlich der knöchernen Konsolidierung ausgesprochen gut. Wundheilungsstörungen und Infektionen sind bei operativer Behandlung sehr selten. Bei komplizierten Faktoren des Mittelhand knochens am Schaftbereich aufgrund eines schweren Traumas kann die Knochenbruchheilung gestört sein oder ausbleiben. In diesem Fall können weitere Maßnahmen erforderlich werden.

Aussichten

In den meisten Fällen ist die Knochenbruchheilung unkompliziert und es resultiert eine gute Funktion. Knochenbrüche die bis dicht an das Fingergrundgelenk hineinreichen können zu einer Einschränkung der Beugefähigkeit des Fingers im Grundgelenk führen. In diesen Fällen soll die Osteosyntheseplatte entfernt werden. In gleicher Sitzung kann eine Lösung der Sehne vorgenommen werden.