28. September 2022

Osteosynthese bei Fingergrundgliedfraktur

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Verschobene Frakturen des Fingergrundglieds, die zu einer Fehlstellung des Fingers geführt haben und im Gipsverband nicht zufriedenstellend behandelt sind, können operativ gerichtet und mit kleinen Metallschrauben und -plättchen fixiert werden.

Operationsprinzip

Kann die Fraktur geschlossen gerichtet werden, ist eine Fixierung mit kleinen, durch die Haut eingebohrten Stiften möglich. Die stark verschobene Fraktur wird über einen Hautschnitt geöffnet und unter Sicht des Auges eingerichtet (reponiert). Die Fragmente werden dann mit Minischrauben und wenn nötig unter Zuhilfenahme eines kleinen Metallplättchens fixiert.

Vor der Operation

Allgemeine Vorerkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen waren Gegenstand des Vorbereitungsgesprächs. Über das Verhalten vor der Operation wurde mit dem Anästhesisten gesprochen, speziell über Medikamente, Essen und Trinken am OP-Tag. Im Besonderen gilt dies für eine Blutverdünnung und eventuelle Allergien (Penicillinallergie).

Hautveränderungen im OP-Bereich und am zu operierenden Arm sollten dem Operateur bekannt sein. Dies gilt für alle bestehende Wunden Infektionen unabhängig von der aktuellen Erkrankung.

Blutleere

Zur Arthroskopie ist eine Blutfreiheit erforderlich. Hierzu wird der Arm mit einer Binde gewickelt und am Oberarm eine Stauungsmanschette angelegt. Der Druck bleibt bis zum Wundverschluss bestehen. Eine solche Blutleere kann für mindestens zwei Stunden aufrecht erhalten werden, ohne Schäden im Gewebe zu verursachen. Dies wird akribisch kontrolliert. Bei länger dauernder Operation wird die Manschette nach 2 Stunden geöffnet. Schäden im Gewebe durch die Blutleere sind damit nicht zu befürchten.

Betäubung

Eine nur örtliche Betäubug im Bereich des Operationsgebietes ist für den Eingriff nicht ausreichend. Für den Eingriff und die hierzu notwendige Blutleere (siehe unten) ist eine vollständige Betäubung des Armes bis zur Schulter erforderlich. Erreicht wird dies mit einer Armbetäubung („Plexusanästhesie“) oder einer Vollnarkose.

Bei der Armbetäubung („Plexusanästhesie“) wird das Narkosemittel in die Achselhöhle in die Nähe der Armnerven eingespritzt. Die Lage der Kanüle wird dabei im Ultraschall kontrolliert. Man kann wach bleiben; die Risiken einer Vollnarkose werden vermieden. Eine solche „Plexusbetäubung“ kann mit einem Schlaf- oder Beruhigungsmittel (z.B. „Propofol®“) kombiniert werden, ohne dass dies mit einer vollständigen Narkose gleichkommt. Die Wirkungsdauer einer Armbetäubung ist stark vom verwendeten Mittel abhängig und kann bis zu 12 Stunden anhalten. Immer ist auch alternativ eine Vollnarkose möglich.  

Eingriff

Der Hautschnitt liegt über der Streckseite des Fingergrundgliedes. Zwischen der Haut und im Knochen liegt die Strecksehne als flaches Band über der gesamten Streckseite des Fingers. Diese wird längst geöffnet, ebenso die darunter gelegene Knochenhaut unter der sich die Fraktur darstellt. Zwischen den Frakturfragmenten befindliches Blut und Narbengewebe wird minutiös entfernt. Anschließend erfolgt das Einrichten der Knochenfragmente unter Sicht und eine provisorische Fixierung, meist mit einer kleinen Haltezange. Die Fragmente werden mit Minischrauben oder einem kleinen Plätzchen definitiv fixiert. Das erzielte Ergebnis wird noch während der Operation unter einem mobilen Röntgengerät kontrolliert und dokumentiert.

Nach der Operation

Am ersten Tag nach dem Eingriff wird der Verband gewechselt, eine Röntgenkontrolle durchgeführt und die Schiene wieder angelegt. Nach 10 Tagen werden die Fäden gezogen. In günstiger Konstellation kann jetzt mit Bewegung begonnen werden. Manchmal ist auch eine längere Schienenrückstellung erforderlich.

Übungen

Fingergrundgliedfrakturen erfordern eine spezielle funktionelle Therapie.

Nicht selten kommt es anfangs zu einer Bewegungseinschränkung von Mittel- und Endgelenk. Ursache ist eine Verklebung der flach und bandförmig über dem Knochen gelegenen Strecksehne („STreckaponeurose“). Diese neigt zu Verklebung mit dem darunterliegenden frakturierten Fingergrundglied. Wird zu lange mit der Mobilisation gewartet und hier insbesondere mit der aktiven Streckung des Mittelgelenkes , so kann eine Beugestellung dieses Gelenkes verbleiben die auch im späteren Verlauf nicht mehr voll ausgeglichen wird.

Risiken und Komplikationen

Die Heilungstendenz von Fingergrundgliedfrakturen ist hinsichtlich der knöchernen Konsolidierung ausgesprochen gut. Wundheilungsstörungen und Infektionen sind bei operativer Behandlung sehr selten.

Fingergrundgliedfrakturen sind aufwendig in der Nachbehandlung. Wird diese vernachlässigt, terten mit nennenswerter Häufigkeit Bewegungseinschränkungen besonders an Mittel- und Endgelenk ein.

Ergebnis und Ausblick

Wenn eine Bewegungseinschränkung eintritt, kann in einem zweiten operativen Eingriff die Platte entfernt und die verklebte Sehne gelöst werden. Die Erfolgsaussichten eines solchen Eingriffes sind umso größer, je länger der zeitliche Abstand zur Osteosynthese ist. Keineswegs sollte eine Sehnenlösung im ersten halben Jahr nach der Versorgung durchgeführt werden.