CRPS (Sudeck’sche Erkrankung)

PDF- Download

Kommt es nach einer Verletzung oder nach einer Operation zu starken Schmerzen, zu einer starken Schwellung, Überwärmung, zu einer vermehrten Hautfeuchte und bäulich-roten Verfärbung die in ihrer Ausprägung deutlich über den auslösenden Schädigung hinausgeht spricht man von einem CRPS (englisch: “complex regional pain syndome”). Gleichbedeutend sind die Begriffe Sudeck’sche Erkrankung oder Dystrophiesyndrom.

Jede Art der Gewebeschädigung führt zu einer Gewebereaktion. Blutgefäße erweitern sich, die Durchblutung wird gesteigert. Gefäßwände werden durchlässiger, Flüssigkeit und Blutzellen treten aus der Blutbahn in das Gewebe. Der Sinn der Gewebereaktion ist die Reparatur vorhandener Schäden. Die resultirenden Symptome einer Schwellung, einer vermehrten Durchblutung und eine Schmerzhaftigkeit sind Begleiterscheinung jeder Gewebeschädigung im Rahmen eines Traumas, einer Operation oder auch einer Infektion durch Bakterien. Bei einem CRPS stehen die reaktiven Veränderungen in ihrer Ausprägung und Intensität nicht mehr im Verhältnis zur auslösenden Ursache.

Typisches CRPS an der rechten Hand nach handgelenksnhem Speichenbruch

.

Das Leitsymptom dieser Veränderungen ist der brennende Schmerz, aufgrund dessen man diese Veränderungen als so genanntes CRPS bezeichnet, englisch; “Complex regional pain syndrome” Die deutsche Bezeichnung war über lange Zeit eine „Sudeck‘sche Erkrankung“, gleichbedeutend mit einem „Dystrophiesyndrom“.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei verschiedene Formen eines CRPS. Die zuvor beschriebenen Veränderungen bezeichnen ein CRPS Typ I. Ein solches CRPS vom Typ I kann nach jeder Art der Verletzung oder nach jeder Operation auftreten. Ganz selten einmal kann ein CRPS Typ I auch ohne eine äußere Schädigung vorkommen.  

Unter einem CRPS Typ II versteht man hingegen ein Schmerzsyndrom, dass nach einer direkten Nervenschädigung auftritt. Im Vordergrund steht hier der sogenannte neuropathische Schmerz (Nervenschmerzen). Auch hier übersteigt die Intensität der vorliegenden Symptome die Schwere der zugrundeliegenden Schädigung.

An der Hand können beide Typen eines CRPS auftreten. Bei einem CRPS Typ I werden neben dem brennenden Ruheschmerz die beschriebenen Veränderungen des Gewebes beobachtet. Ein CRPS Typ II wird nach traumatischer Verletzung eines Nerven an Unterarm oder Hand beobachtet.

Man kann ein CRPS Typ I in Stadien einteilen.

Im akuten Stadium steht der Schmerz im Verletzungsgebiet im Vordergrund. In unregelmäßiger Intensität findet sich eine auch über das Trauma hinausgehende Schwellung wie eine vermehrte Hautfeuchte, eine Überwärmung und Überempfindlichkeit.

Im sogenannten dystrophen Stadium findet sich eine Verhärtung der Weichteile, ein vermehrtes Haarwachstum und möglicherweise auch vermehrtes Nagelwachstum. Es können Veränderung an Muskulatur und Knochen bestehen („fleckförmige Entkalkung“). Ganz charakterisisch ist eine Bewegungssörung der Fingergelenke, die weit über die ursprüngliche Schädigung hinausgeht.

Im athrophen Stadium finden sich fixierte Veränderungen des Bindegewebes und der Schmerzwahrnehmung. Im Vordergrund steht eine Bewegungseinschränkung der Gelenke, auch derer, die von der Verletzung nicht unmittelbar betroffen sind.

Ein CRPS Typ I stellt keine einheitlich definierte Erkrankung dar. Bis zum jetzigen Zeitpunkt können wir lediglich die Symptome erkennen und behandeln. Wir sprechen immer dann von einem CRPS, wenn einige der beschriebenen Veränderungen in der Folge eines Ereignisses beobachtet werden. Nach wie vor wissen wir nicht, ob es sich um eine zusammenhängende Störung handelt.

Auch hängt die Schere der Veränderungen nicht mit der Schwere der auslösenden Ursache ab- auch ein geringfügiges Trauma kann zur Entwicklung eines schweren CRPS führen.

Von einem CRPS spricht man dann, wenn einige der beschriebenen Symptome zusammentreffen. Neben der körperlichen Untersuchung durch den Arzt ist eine Röntgenuntersuchung notwendig um eine fleckförmige Entkalkung feststellen zu können. Mit einer sogenannten Szintigrafie wird die Durchblutung des Gewebes gemessen und grafisch abgebildet. Schließlich ist bei einem CRPS an der Hand immer auch eine neurologische Untersuchung erforderlich um einen eventuell schwellungsbedingten Nervendruckschaden feststellen oder ausschließen zu können.

Die Therapie eines CRPS zielt auf die Besserung der bestehenden Krankheitserscheinungen und ihrer Symptome. Ein einheitlicher Therapieansatz wie er bei zahlreichen anderen Krankheiten möglich ist existiert bei einem CRPS nicht. Der Erfolg von Maßnahmen die ein CRPS „als Ganzes“ bessern können ist medizinisch wissenschaftlich nicht belegt. Hierzu gehören Nervenblockaden im Halsbereich (“Stellatumblockade”) oder auch sämtliche Medikamente wie auch Kortison. Der Erfolg der Einzelmaßnahmen ist immer nur im Einzelfall und auch in dessen Verlauf zu überprüfen.

Zu den wesentlichen Eckdaten der Behandlung gehören:

Die medikamentöse Schmerztherapie

Die medikamentöse Schmerztherapie stellt einen wesentlichen Teil der Behandlung dar. Bestimmte Medikamente sind hier stärker wirksam als “normale” Schmerzmittel. Eine erfolgreiche Schmerztherapie ermöglicht oder unterstützt alle weiteren Maßnahmen der physikalischen Therapie. Der zeitliche Verlauf eines CRPS wird allerdings durch die Schmerztherapie nicht beeinflusst.

Eine physikalische Therapie dient zur Besserung der vorliegenden funktionellen Störungen. Ganz verschiedene Techniken wurden hierbei in der Vergangenheit angewendet und auch mangels eines Wirkungsnachweises wieder verlassen. Auch ist es nicht möglich, eine generelle Empfehlung für ein bestimmtes Verfahren zu geben. Art und Intensität der physikalischen Behandlung wird dem im Verlauf der Erkrankung angepasst.

Im Frühstadium stehen bewegungsfördernde Maßnahmen im Vordergrund. Eine Schmerzprovokation soll vermieden werden. Art und Intensität werden an die Schmerzsymptomatik und der Veränderungen im Weichteilgewebe angepasst. Bestimmte psychomotorische Verfahren haben ihren Wert. Beim CRPS ist dies zum Beispiel die Spiegeltherapie.

In späteren Stadien steht die Behandlung resultierender Bewegungseinschränkung im Vordergrund.

Die Ausschaltung von chronischen schmerzauslösenden Faktoren. Dies hängt ganz konkret von der zugrundeliegenden Verletzung und ihrer Versorgung ab. Zu solchen schmerzauslösenden Faktoren kann eine chronische Wunde gehören, eine instabile Fraktur oder Osteosynthese oder auch eine Nervendruckschädigung.

Grundsätzlich soll jedes zusätzliche Trauma vermieden werden. Hierzu gehört jeder Art der operativen Maßnahme nach der es zu einer akuten Verschlechterung kommen kann.

Operative Maßnahmen während eines CRPS und auch in den ersten Monaten nach Ablauf eines CRPS können dieses wesentlich verschlechtern und sind nur zur Korrektur solcher chronischer schmerzauslösenden Faktoren angebracht.

Ausblick und Prognose

Der Verlauf eines CRPS ist langwierig und erstreckt sich über Monate. So verschieden die Intensität und Symptome eines CRPS sind so unterschiedlich ist auch das Resultat am Ende der Krankheitsentwicklung. Milde Formen eines CRPS können sich vollständig zurückbilden. Bei schweren Formen verbleiben chronische Schmerzen und eine erhebliche Bewegungseinschränkung. Bei einem schweren CRPS sollte daher schon frühzeitig die möglichen Auswirkungen auf die berufliche Tätigkeit mit in die Berufs- und Lebensplanung aufgenommen werden.

Empfehlung

Ein nachgewiesenes CRPS verlangt nach einer “multimodalen” Therapie die auf die einzelnen Symptome und Beeinträchtigungen speziell ausgerichtet ist.

Ein therapeutisches Team ist erforderlich. Schmerztherapeut, Handtherapeut, Chirurg.

Bei einem schweren CRPS kann ein stationärer Reha-Aufenthalt hilfreich sein.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.