Blutleere und Blutsperre bei Handoperationen

Die Besonderheit bei Handoperationen ist die unmittelbare anatomische Nähe verschiedener Strukturen wie Knochen, Sehnen, Nerven und Blutgefäße. Bei einem operativen Eingriff an der Hand werden die zu operierenden Strukturen freigelegt und alle nicht beteiligten Stukturen geschont.

Schon eine minimale Blutung im Operationsgebiet kann die Übersicht gefährden. Der Eingriff wird erschwert, das Risiko der Verletzung unbeteiligter Strukturen ist schon bei geringer Blutung beträchtlich.

Zur Vermeidung einer Blutung im Operationsgebiet stellt die Verwendung einer sogennten Blutsperre oder Blutleere handchirurgischen Standard dar.

Realisiert wird diese durch eine Stauungsmanschette entsprechend der einer Blutdruckmessung. Diese wird am Oberarm angebracht und vor dem Beginn der Operation mit einem Druck gefüllt, der oberhalb des Blutdrucks liegt. Wird dazu der Arm zuvor mit einer Binde gewickelt, spricht man von einer Blutleere.

Eine Blutsperre oder Blutleere verursacht nach einer bestimmten Zeit Schäden am Gewebe. In den ersten zwei Stunden sind solche Schäden nicht zu erwarten. Nach lang dauernden Operationen in Blutleere kann es zu elektrisierenden Missempfindungen kommen. Schwere, durch die Blutsperre entstehende Schäden werden durch die Begrenzenug deren Dauer sicher vermieden.

Die Verwendung einer Blutleere oder Blutsperre ist nach kurzer Zeit schmerzhaft. Sie erfordert eine Betäubung des ganzen Armes oder auch eine Vollnarkose. Bei der Verwendung einer örtlichen Betäubung nur an der Hand und nicht des gesamten Arm ist daher die Operationszeit begrenzt. Eine solche örtliche Betäubung ist nur für Eingriffe mit kurzer Operationsdauer geeignet.

Unmittelbar nach einer Blutleere kommt es – abhängig von deren Dauer – für einige Minuten zu einer reaktiven Mehrdurchblutung des Gewebes und einer gewissen Blutungsneigung. Dies ist besonders dann zu beachten, wenn außerdem Medikamente zur Blutverdünnung angewendet werden.

Als Alternative zur Blutleere kann die Blutungneigung im Gewebe durch die Verwendung blutgefäßverengender Medikamente zusammen mit der örtlichen Betäubung wirksam reduziert werden („WALANT“: „wide awake local anaesthesia no torniquet“).

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