Nervenverletzungen

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Nervenverletzungen

„Sensible“ Nervenfasern übermitteln Informationen aus dem Körper zum Gehirn, „motorische“ steuern die Muskulatur. Jeder Nerv enthält sowohl sensible als auch motorische Fasern in unterschiedlicher Verteilung.

Die einzelnen Nervenfasern (“Axone”) sind in Bündeln (“Faszikel”) von vielen Tausend solcher einzelfasern angeordnet. Ein Nerv besteht aus einer Anzahl solcher Faserbündel und enthält sowohl motorische als auch sensible Fasern. Jeder Nerv ist für die Sensibilität eines bestimmten Körperareals und/oder bestimmte Muskeln zuständig.

Bei einer Durchtrennung eines Nerven kommt es zu einem Ausfall des Gefühls im Bereich des durch den Nerven versorgten Körperareals und/oder zu einer Lähmung der von diesem Nerven versorgten Muskeln.

Wird ein Nerv durchtrennt, bildet sich die Nervenfaser in der Peripherie zurück, nur das Hüllgewebe bleibt bestehen. Stehen sich nach einer Nervendurchtrennung jedoch beide Nervenenden gegenüber,  können die vom Körper kommenden Nervenfasern aus dem Stumpf auswachsen, das gegenüberliegende Ende erreichen und entlang der Nervenhüllen wieder das Erfolgsorgan (Haut oder Muskulatur) erreichen. Der Vorgang ist langwierig – eine Wachstumsgeschwindigkeit der Fasern von ca. 1 mm pro Tag ist realistisch.

Stehen die durchtrennten Nervenfasern nicht perfekt gegenüber, bilden die aus dem Nervenstumpf auswachsenden Fasern einen Nervenknoten („Neurom“). Ein solches Neurom kann unter Berührung der über dem Knoten gelegenen Haut sehr schmerzhaft sein.

Bei einer Nervendurchtrennung weichen die durchtrennten Nervenenden zurück. Die zur Regeneration notwendige Gegenüberstellung der Nervenenden ist spontan nicht möglich. Sie kann durch eine Nervennaht erreich werden, die das Hüllgewebe der Nervenstümpfe gegenüberstellt. Unter optimalen Bedingungen findet dann ein Anteil der Fasern ihr Ziel.

 

Die Funktion erholt sich daher erst nach einem längeren Zeitraum, und dann auch nur unvollständig. Inwieweit sich Gefühl und Muskelkraft erholen, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Vom Patientenalter: Nur im  Kleinkindalter kann eine vollständige Funktionswiederherstellung erreicht werden. Im Erwachsenenalter bleibt immer ein mehr oder weniger großes Funktionsdefizit zurück.
  • Von der Art der Verletzung: Während bei einer glatten Schnittverletzung günstige Bedingungen für die Erholung nach einer Nervennaht bestehen, sind nach einer Quetschung oder  Zerreißung die Bedingungen schlecht.
  • Vom Abstand zwischen der  Verletzung und dem versorgten Hautareal. Je größer der Abstand ist,  je länger ist die Rückbildungszeit und ungünstiger die Prognose
  • Von der Art der      Behandlung: Eine erfolgreiche Nervennaht setzt die Möglichkeit zu mikrochirurgischem Operieren voraus: Das Vorhandensein eines Operationsmikroskopes,      entsprechende Instrumente und Nahtmaterialien sowie nicht zuletzt einer  entsprechenden Ausbildung und Erfahrung des Chirurgen.

 

Behandlung einer Nervenverletzung

Wichtig ist, bei einer offenen Verletzung eine eventuelle Nervendurchtrennung definitiv festzustellen. Dies ist durch die Untersuchung von Gefühl und Motorik unmittelbar nach der Verletzung möglich.

Ob eine vollständige Nervendurchtrennung, eine teilweise Nervendurchtrennung oder nur eine Nervenquetschung ohne Kontinuitätsdurchtrennung vorliegt, kann nur im Rahmen der operativen Versorgung definitiv festgestellt werden. Während der operativen Versorgung wird entschieden, ob die Nervenenden gleich genäht werden können, oder ob Gründe dagegen sprechen, wie dies bei schweren Verletzungsformen möglich ist.

Liegt eine längerstreckige Nervenschädigung vor, kann es möglich sein, dass eine einfache Naht nicht mehr möglich ist. Auch bei einer verspäteten Versorgung Tage nach der Verletzung haben sich die Nervenenden so weit zurückgezogen, dass eine direkte Naht nicht mehr durchgeführt werden kann. Die Wiederherstellung erfolgt dann durch eine so genannte Transplantation: Von einer anderen Körperregion werden Nervensegmente entnommen und zwischen die Stümpfe eingenäht. So wird ein Durchwachsen der Nervenfasern bis zur Haut oder Muskulatur möglich. Die Ergebnisse sind nach einer solchen Transplantation in der Regel etwas ungünstiger als nach einer direkten Nervennaht.Eine Transplantation wird nicht bei der Erstversorgung, sondern erst nach definitiver Heilung der Haut in einem zweiten geplanten Eingriff durchgeführt.

Komplikationen und Risiken

Der Erfolg einer Nervennaht ist unsicher. Im günstigen Fall werden alle Qualitäten zum großen Teil wieder hergestellt. Im ungünstigen Fall bleibt ein Gefühlsverlust oder eine Lähmung der betroffenen Muskeln trotz der Naht bestehen. In diesem Fall können auch unangenehme Mißempfindungen (“Parästhesien”) auftreten.

Wird der Nerv nicht genäht oder kommt es nach einer Naht nicht zum Durchwachsen der Nervenfasern, kann sich aus dem körpernahen Nervenstumpf ein schmerzhafter Nervenknoten (“Neurom”) entwickeln.

 

Empfehlung

Eine Nervenverletzung stellte einen medizinischen Notfall dar und muss möglichst frühzeitig festgestellt werden. Sofern die Bedingungen es erlauben soll eine operative Nervennaht durchgeführt werden. Nach einem längeren verstrichenen Zeitraum ohne entsprechende Versorgung kann eine Transplantation zu einer partiellen Wiederherstellung der Funktion führen.