Behandlung der Kahnbeinfraktur

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kahn2Die meisten frischen, unverschobenen oder nur gering verschobenen Frakturen des Kahnbeins im können im Gipsverband ohne Operation („konservativ“) behandelt werden.  Der Gipsverband reicht zum Unterarm uns schließt den Daumen im Grundgelenk ein. Die Dauer der Ruhigstellungszeit ist abhängig vom Frakturtyp und beträgt zwischen 6 und 14 Wochen.

Auch nach konsequenter konservativer Behandlung über einen entsprechend langen Zeitraum kann eine knöcherne Heilung ausbleiben. Die Gefahr hierzu besteht bei:

verzögertem Behandlungsbeginn, insbesondere dann, wenn

  • die Fraktur verspätet erkannt und anfangs nicht im Gipsverband immobilisiert wurde
  • bei bestimmten Bruchtypen, bei denen ein Anteil des gebrochenen Kahnbeins von der Blutversorgung abgeschnitten ist (“kleines proximales Fragment”) und
  • bei verschobenen Brüchen.

In diesen Situationen soll der Bruch operativ stabilisiert werden.

Auch bei unverschobenem Bruch kann eine Verschraubung die Immobilisationsdauer ganz wesentlich reduzieren.

HerbertBei der Operation werden die Bruchstücke mit einer Spezialschaube fixiert. Man verwendet eine Doppelgewindeschraube, bei der beide Gewindeanteile eine unterschiedliche Steigung aufweisen oder gegeneinander beweglich sind. Die Schraube wird beim Eindrehen vollständig im Knochen versenkt. Beim Anziehen werden die Bruchstücke aufeinander gepresst und damit stabil fixiert. Bei unverschobenen Brüchen kann die Verschraubung die Ruhigstellungszeit stark verkürzen. Bei verschobenen Brüchen wird zusätzlich die Wahrscheinlichkeit der Ausheilung verbessert.

Ist der Bruch unverschoben, kann die Schraube durch einen winzigen Hautschnitt (“minimalinvasiv”) platziert werden. Nur bei verschobenen Brüchen und dann, wenn zusätzlich Knochen übertragen werden muss, ist eine “normaler” Hautschnitt notwendig.

Wurde die Fraktur erst verspätet nach einigen Wochen erkannt, ist in der Zwischenzeit meist ein Abbau (“Resorption”) von Knochensubstanz im Frakturbereich eingetreten. In diesem Fall muss zusätzlich zur Verschraubung Knochensubstanz verpflanzt werden, um die Lücke zwischen den Bruchstücken zu schließen. Diese wird vom Beckenkamm oder vom Speichenknochen entnommen. Die Ausheilungszeit ist hier länger als nach einem einfachen Bruch.

Risiken und Komplikationen der operativen und konservativen Behandlung von Kahnbeinfrakturen

Gravierend ist die fehlende Ausheilung der Fraktur. Diese tritt bei sachgemäßer operativer Behandlung  seltener auf als nach konservativer Behandlung im Gipsverband. Eine knöcherne Ausheilung kann jedoch auch nach einer Verschraubung nicht mit letzter Sicherheit garantiert werden. Bleibt die Heilung aus, so zieht dies die Notwendigkeit weiterer operativer Maßnahmen nach sich. Im ungünstigsten Fall entsteht ein Falschgelenk sowie eine fortschreitende Arthrose des Handgelenks.