Kahnbeinfraktur

 Seite als PDF  zum Spreichern und Drucken                                                                     Häufig gestellte Fragen

Fraktur des mittleren Kahnbeindrittels, erkenntlich an der feinen Aufhellungslinie
Fraktur des mittleren Kahnbeindrittels, erkenntlich an der feinen Aufhellungslinie

Eine Kahnbeinfraktur entsteht durch eine Überstreckung des Handgelenks. Bedingt durch die enge Bandführung des Handgelenks ist die Verschiebung der Knochenfragmente oft nur gering. Häufig wird der Bruch dadurch leicht als „Verstauchung“ abgetan. Die anfänglichen Beschwerden können nach einiger Zeit vorübergehend verschwinden, ohne dass es zur Heilung der Fraktur gekommen ist.

Die Symptome einer Kahnbeinfraktur können sehr unterschiedlich sein – häufig bestehen Schmerzen im Handgelenk bei Bewegung und beim Aufstützen.

Nicht immer ist der Bruch auf den ersten Röntgenbildern gut zu sehen. Bedingt durch die geringe Verschiebung der Bruchstücke ist die Fraktur hier oft schlecht oder gar nicht zu erkennen. Erst Kontrollaufnahmen nach einiger Zeit bringen die Verletzung in solchen Situationen zu Tage.

Bei der Verletzung soll zunächst eine „einfache“ Röntgenuntersuchung des Handgelenks durchgeführt werden. Ist die Verletzung hier klar zu erkennen, sind weitere Untersuchungen nicht mehr erforderlich. Ist auf diesen Aufnahmen keine Fraktur zu erkennen und besteht aufgrund typischer Symptome weiterhin ein Verdacht, wird die Diagnose durch eine Computertomografie oder eine Kernspintomografie gestellt. Alternativ kann eine erneute Röntgenuntersuchungen nach ein bis zwei Wochen zur Diagnose führen- in dieser Zeit muss das Handgelenk ruhiggestellt werden.

Mit einem Computertomogramm (CT) kann die Knochenstruktur besser abgebildet werden; es ist hilfreich bei der Therapieplanung und hier besonders bei der Entscheidung zur Operation.

Nach aktuellen Leitlinien sollte bei einem Kahnbeinbruch zur Therapieentscheidung eine solche Computertomografie durchgeführt werden. Gegenüber einem Kernspintomogramm (MRT) ist die bei einer Computertomografie relativ hohe Strahlendosis mit zu berücksichtigen. Ob diese tatsächlich immer medizinisch notwendig ist, bleibt abzuwarten. Hier sind auch Aspekte des Strahlenschutzes bei der sehr strahlenintensiven Computertomografie zu bedenken.

Siehe auch:

http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/012-016l_S3_Skaphoidfraktur_2015-10.pdf

Die Heilungstendenz einer Kahnbeinfraktur hängt wesentlich davon ab, in welchem Abschnitt des Kahnbeins sie gelegen ist. Man unterscheidet hier drei Drittel:

Kahnbeinfraktur mit kleinem proximalen Fragment
Kahnbeinfraktur mit kleinem proximalen Fragment
  • Bei Brüchen des unteren körpernahen (“proximalen”) Kahnbeindrittels ist die Durchblutung des kleinen gebrochenen Anteils stark herabgesetzt, die Heilungstendenz ist schlecht.
  •  Der Bruch des mittleren Drittels belässt eine bessere Blutzufuhr zum unteren Fragment, die Heilungstendenz ist besser, eine knöcherne Heilung jedoch weiterhin nicht sicher.
  •  Der Bruch des oberen „körperfernen“ (“distalen”) Drittels ist hinsichtlich der Durchblutung beider Fragmente unkritisch. Die Heilungstendenz ist hier gut, Heilungskomplikationen sind sehr selten.

Abhängig ist die Heilungstendenz einer Kahnbeinfraktur  sowohl von der Lokalisation als auch vor der Zeitspanne von der Verletzung bis zur Diagnosestellung. Beginnt die Behandlung erst nach einigen Wochen, sind die Aussichten schlechter.

Grundsätzlich gilt: Bei günstiger Heilungstendenz kann konservativ, also im Gipsverband behandelt werden. Je ungünstiger die Heilungstendenz, je eher soll operativ behandelt werden: eine Osteosynthese mit einer Schraube verbessert die Heilungschancen und verkürzt die Behandlungszeit.

In manchen Fällen kommt es trotz adäquater Therapie nicht zur knöchernen Verheilung der Fraktur. Die Frakturenden distanzieren sich und werden gegeneinander beweglich. Es entwickelt sich ein so genanntes Falschgelenk (“Pseudarthrose“).