CRPS (Sudeck’sche Erkrankung)

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Was eigentlich ist ein CRPS?

Jedes auf den Körper auftreffendes Trauma führt zu einer Gewebereaktion. Der Sinn der Gewebereaktion ist die Reparatur vorhandener Schäden. Hierzu wird die Durchblutung erhöht, die Durchlässigkeit der Gefäße ist vergrößert um Heilungsfaktoren an das Gewebe abgeben zu können. Dies führt zu einer Schwellung in der Umgebung des Traumas. All dies ist für den Körper in unterschiedlichem Grade schmerzhaft.

Die Symptome einer Schwellung, einer vermehrten Durchblutung und eine Schmerzhaftigkeit sind Begleiterscheinung jeder Gewebeschädigung im Rahmen eines Traumas, einer Operation oder auch einer Infektion durch Bakterien.

Typisches CRPS an der rechten HAnd nach handgelenksnhem Speichenbruch

Bei einem CRPS kommt es zu einer Überreaktion des Körpers.

Die Schmerzen stehen ihrer Intensität nicht mehr im Verhältnis zur zugrundeliegenden Ursache. Das Ausmaß der beobachteten Schwellung geht über die ursprüngliche Gewebeschädigung hinaus. Zusätzlich zur Schwellung besteht eine vermehrte Durchblutung und damit eine Überwärmung des betroffenen Armes. Es kommt zu einer vermehrten Hautfeuchte die der Haut das Aussehen einer Glanzhaut verleiht.

Im weiteren Verlauf treten weitere „trophische” Veränderungen auf. Dazu gehört eine vermehrte Behaarung oder Zunahme des Nadelwachstums. Der Knochen reagiert mit einer Entkalkung die im Röntgenbild einen fleckförmigen Eindruck macht.

Tatsächlich handelte es sich bei einem CRPS (Sudeck‘sche Erkrankung) nicht um ein definiertes Krankheitsbild. Von einem CRPS spricht man, wenn einige der oben beschriebenen Veränderungen in der Folge eines Traumas oder einer Operation auftreten. Grundsätzlich unterscheidet man zwei verschiedene Formen eines CRPS. Ein CRPS Typ I umfasst die oben genannten Veränderungen und Symptome und kann nach jeder Art der Verletzung oder Operation auftreten. Unter einem CRPS Typ II versteht man ein Schmerzsyndrom nach einer direkten Nervenschädigung. An der Hand können beide Typen eines CRPS auftreten. Während bei einem CRPS Typ I in vermehrtem Umfang die beschriebenen Veränderungen des Gewebes beobachtet werden steht bei einem CRPS Typ II ganz der Nervenschmerz (“neuropathischer” Schmerz) im Vordergrund.

Man kann ein CRPS in Stadien einteilen.

Im akuten Stadium steht der Schmerz im Verletzungsgebiet im Vordergrund. In unregelmäßiger Intensität findet sich eine auch über das Trauma hinausgehende Schwellung, eine vermehrte Hautfeuchte, eine Überwärmung und Überempfindlichkeit.

Im sogenannten dystrophen Stadium findet sich eine Verhärtung der Weichteile (Integration), ein vermehrtes Haarwachstum und möglicherweise auch Nagelwachstum. Es können Veränderung an Muskulatur und Knochen bestehen („fleckförmige Entkalkung“).

Im athrophen Stadium finden sich fixierte Veränderungen des Bindegewebes und der Schmerzwahrnehmung. Im Vordergrund steht eine Bewegungseinschränkung der Gelenke, auch derer, die von der Verletzung nicht unmittelbar betroffen sind.

Ein CRPS stellt keine einheitlich definierte Erkrankung dar. Wir sprechen dann von einem CRPS, wenn einige der beschriebenen Veränderungen in der Folge eines Ereignisses beobachtet werden. Nach wie vor ist eine Ursache der Phänomene nicht bekannt, auch nicht, ob es sich um eine zusammenhängende Störung handelt. Es gibt nach wie vor keinen belegten Hinweis auf die Ursache. Schwere und Ausprägung CRPS hängen nicht mit der Art der durchgeführten Operation, mit der Art Traumas oder mit sonstigen definierbaren Ursachen zusammen.

Die Diagnose eines CRPS wird durch das Zusammentreffen mehrerer oben erwähnter festgestellter Veränderungen gestellt. Neben der körperlichen Untersuchung durch den Arzt ist eine Röntgenuntersuchung notwendig um eine fleckförmige Entkalkung feststellen zu können. Bei einer sogenannten Szintigrafie handelt es sich um eine Untersuchung bei der die Durchblutung des Gewebes gemessen und abgebildet werden kann. Schließlich ist bei einem CRPS an der Hand immer auch eine neurologische Untersuchung erforderlich um einen eventuell schwellungsbedingten Nervendruckschaden feststellen oder ausschließen zu können.

Die Therapie eines CRPS zielt auf die Besserung der bestehenden Krankheitserscheinungen und ihrer Symptome. Ein einheitlicher Therapieansatz wie er bei zahlreichen anderen Krankheiten möglich ist existiert bei einem CRPS nicht. Der Erfolg von Maßnahmen die ein CRPS „als Ganzes“ bessern können ist medizinisch wissenschaftlich nicht belegt. Hierzu gehören Nervenblockaden im Halsbereich oder auch Medikamenteneinnahme wie Cortison. Der Erfolg der Einzelmaßnahmen ist immer nur im Einzelfall und auch in dessen Verlauf zu überprüfen. Zu den wesentlichen Eckdaten der Behandlung gehören:

Die medikamentöse Schmerztherapie

Die medikamentöse Schmerztherapie stellt einen wesentlichen Teil der Behandlung dar. Bestimmte Medikamente sind hier stärker wirksam als “normale” Schmerzmittel. Eine erfolgreiche Schmerztherapie ermöglicht oder unterstützt alle weiteren Maßnahmen der physikalischen Therapie. Der Verlauf eines CRPS wird allerdings durch die Schmerztherapie nicht beeinflusst.

Eine physikalische Therapie dient zur Besserung der vorliegenden funktionellen Störungen. Ganz verschiedene Techniken wurden hierbei in der Vergangenheit angewendet und auch mangels eines Wirkungsnachweises wieder verlassen. Auch ist es nicht möglich, eine generelle Empfehlung für ein bestimmtes Verfahren zu geben. Art und Intensität der physikalischen Behandlung wird dem im Verlauf der Erkrankung angepasst

Im Frühstadium stehen bewegungsfördernde Maßnahmen im Vordergrund. Eine Schmerzprovokation soll vermieden werden. Art und Intensität wird an die Schmerzsymptomatik und der Veränderungen im Weichteilgewebe angepasst werden muss. Bestimmte pychomotorische Verfahren haben ihren Wert. Beim CRPS ist dies zum Beispiel die Spiegeltherapie.

In späteren Stadien steht die Behandlung resultierender Bewegungseinschränkung im Vordergrund.

Die Ausschaltung von chronischen schmerzauslösenden Faktoren. Dies hängt ganz konkret von der zugrundeliegenden Verletzung und ihrer Versorgung ab. Zu solchen schmerzauslösenden Faktoren kann eine chronische Wunde gehören, eine instabile Fraktur oder Osteosynthese oder auch eine Nervendruckschädigung.

Grundsätzlich soll jedes zusätzliche Trauma vermieden werden. Hierzu gehört jeder Art der operativen Maßnahme nach der es zu einer akuten Verschlechterung kommen kann. Operative Maßnahmen können während eines CRPS dieses wesentlich veschlechtern und sind nur zur Korrektur solcher chronischer schmerzauslösenden Faktoren manchmal erforderlich.

Ausblick und Prognose

Der Verlauf eines CRPS ist langwierig und erstreckt sich über Monate. So verschieden die Intensität und Symptome eines CRPS sind so unterschiedlich ist auch das Resultat am Ende der Krankheitsentwicklung. Milde Formen eines CRPS können sich vollständig zurückbilden. Bei schweren Formen verbleiben chronische Schmerzen und eine erhebliche Bewegungseinschränkung. Bei einem schweren CRPS sollte daher schon frühzeitig die möglichen Auswirkungen auf die berufliche Tätigkeit mit in die Lebensplanung aufgenommen werden.

Empfehlung

Ein nachgewiesenes CRPS verlangt nach einer “multimodalen” Therapie die auf die einzelnen Symptome und Beeinträchtigungen speziell ausgerichtet ist.

Ein therapeutisches Team ist erforderlich. Schmerztherapeut, Handtherapeut, Chirurg.

Bei einem schweren CRPS kann eien stationärer Reha-Aufenthalt hilfreich sein.


 

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