Arthrosebehandlung an der Hand

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Die meisten Arthroseformen („Polyarthrose“) an der Hand können nicht vorgebeugt und in ihrem Verlauf nicht wesentlich beeinflusst werden.

Dies ist nur bei Arthroseformen möglich, die durch eine bestimmte Ursache entstanden sind. Im Besonderen sind dies Arthrosen die in Zusammenhang mit einer Gicht, einer rheumatischen Erkrankung oder auch -im gewissen Umfang – bei einer Schuppenflechte aufgetreten sind.

Eine Arthrose ist primär eine Erkrankung des Gelenkknorpels. Grundsätzlich förderlich für die Durchblutung und Regeneration des Knorpels ist ein Belastungswechsel wie er bei normaler alltäglicher Bewegung normalerweise stattfindet; besondere Übungen sind nicht erforderlich und auch nicht hilfreich. Anders als bei bestimmten Arthroselokalisationen wie etwa an der Wirbelsäule ist ein muskuläres Training oder Physiotherapie an der Hand nicht wirksam für den Verlauf. Eine Immobilisation wie etwa das Tragen einer Schiene mag bei akuten Schüben die Schmerzen lindern, ist auf die Dauer aber nicht sinnvoll und fördert den Knorpelabbau. Ungünstig sind monotone Beanspruchungen oder einseitige punktuelle Belastungen.

Ist die Arthrose durch eine Fehlstellung nach einer Fraktur oder einem Bänderschaden verursacht, kann eine frühe Korrektur die Entwicklung einer Arthrose vermeiden. Ist eine Arthrose bereits eingetreten, kann durch eine Korrektur deren Verlauf vielleicht verlangsamt werden.

Entzündliche Gelenkerkrankungen (“Rheumatoide Arthritis“) erfordern eine spezifische medikamentöse antirheumatische Therapie. Ist einer Arthrose bereits eingetreten, unterscheiden sich die therapeutischen Maßnahmen nicht grundsätzlich von denen bei anderen Arthroseformen. Gleiches gilt für Arthroseformen bei Stoffwechselerkrankungen (Gicht) deren Verlauf medikamentös oder mit einer Diät stark beeinflusst werden kann.

Grundsätzlich können verlorener Knorpel und Gelenkfläche nicht wiederaufgebaut oder regeneriert werden. Ist eine Arthrose bereits eingetreten, zielt deren Behandlung auf die Linderung arthrosebedingter Beschwerden.

Arthrosebedingte Schmerzen entstehen nicht unmittelbar durch die Veränderung der Gelenkflächen selbst, sondern durch die Reaktion der Gelenkkapsel und –innenhaut („Synovialis“).

Zahlreiche konservative (nichtoperative) Behandlungsverfahren können arthrosebedingte Schmerzen in unterschiedlichem Ausmaß mindern. Nicht immer ist deren Wirkungsweise bekannt und der Erfolg kalkulierbar. Zu den Verfahren gehören:

 – Entzündungshemmende Substanzen (z.B. Kortison, nichtsteroidale Antirheumatika („NSAR“) wie Ibuprofen oder Diclophenac) entweder als Tablette oder – bei Kortison – als Injektion direkt in das betroffene Gelenk beeinflussen direkt die Entzündungsreaktion der Gelenkinnenhaut. Besonders wirksam sind sie bei akuten Arthroseschüben. Deren Wirkungsdauer ist sehr verschieden und auch von Gelenk zu Gelenk sehr unterschiedlich.

 – Eine Röntgenbestrahlung oder das Einspritzen radioaktiven Materials in das Gelenk (“Radiosynoviorthese”, “RSO”) hat einen ähnlichen Wirkungsansatz. Besonders eine Radiosynoviorthese ist wirksam bei starker entzündlicher Aktivität .

Eine Sonderstellung in der konservativen Behandlung nimmt die Eigenfettinjektion in ein arthrotisch verändertes Gelenk ein. Ihre Wirksamkeit besteht nicht im mechanischen Effekt des übertragenen Fettes; dieses wird schon in kurzer Zeit nach der Injektion wieder abgebaut. Mit dem Fettgewebe werden bindegewebige so genannte Stammzellen übertragen. Diese scheinen einen regenerativen Effekt auf die Veränderungen der Gelenkinnenhaut zu haben. Eine solche Eigenfettinjektion ist hinsichtlich ihrer Wirkungsintensität an der Hand vergleichbar mit eienr Kortisoninjektion. Die Wirkung scheint dabei etwas länger anzuhalten.

Neben den beschriebenen konservativen Verfahren existiert eine große Zahl von Therapien, deren Wirkung medizinisch nicht erforscht und belegt ist.

Die operative Behandlung kommt in Betracht, wenn konservativ keine ausreichende Besserung erreicht wird. Möglicher Grund für eine operative Maßnahme ist die Notwendigkeit einer dauernden Medikamenteneinnahme mit den entsprchenden Nebenwirkungen und Risiken. 

Die Versteifung („Arthrodese“) eines arthrotischen Gelenkes führt in einem Schritt zur weitgehenden Beseitigung der Schmerzen bei erhaltener Stabilität um den Preis des Verlustes der Beweglichkeit. An der Hand findet sie hauptsächlich am Handgelenk und an den Endgelenken der Finger ihre Anwendung. Was eine solche Versteifung bedeutet, kann man vor einem Eingriff simulieren. Wird das Gelenk mit einer Schiene oder einem Tapeverband stabilisiert entspricht dieser Zustand zumindest für die Dauer des Tragens der Schiene demjenigen, der bei der Versteifung operativ herbeigeführt wird – man kann es quasi “ausprobieren” bevor eine endgültige Entscheidung gefällt wird. Auch kann man so die Stellung, in der das Gelenk immobilisiert werden soll vor einem eventuellen Eingriff festlegen.

Unter einer Arthroplastik versteht man die Auflösung eines Gelenks durch die Entfernung eines Teils der Gelenkfläche. (Der Ausdruck “Plastik” bezeichnet lediglich eine Neubildung, nicht das Einsetzen von Kunststoff). Die Beweglichkeit bleibt erhalten, die Stabilität wird in der Regel leicht gemindert. An der Hand hat sie sich insbesondere am Daumensattelgelenk bewährt. Wie auch nach einer Arthrodese ist das Ergebnis definitiv und eine Verschlechterung im weiteren Verlauf nicht zu befürchten.

Als Arthroplastik bezeichnet wird auch der Gelenkersatz aus Silikon (“Swanson-Spacer”). Dieser  wird an der Hand seit vielen Jahren erfolgreich besonders bei rheumatischen Erkrankungen und Arthrosen der Fingermittelgelenke angewendet.  Schmerzen werden hiermit weitgehend beseitigt, die Beweglichkeit bleibt (eingeschränkt) erhalten, die Stabilität ist vermindert.

Künstliche Gelenke mit Ersatz der veränderten Gelenkflächen („Endoprothese“) existieren seit einigen Jahren.  Gegenüber einem Spacer aus Silikon sind Beweglichkeit und auch Stabilität besser. Nach vielen Entwicklungsjahren haben jetzt Prothesen für den Ellenkopf, das Daumensattelgelenk und die Mittelgelenke der Langfinger den Weg in die Anwendung in bestimmten Situationen gefunden.  Die Haltbarkeit ist gegenüber den Prothesen an Hüft- und Kniegelenken geringer, sollte aber inzwischen mehrere Jahre betragen.

Besonders am Handgelenk ist es möglich, ausschließlich schmerzleitende Nervenfasern aus operativem Weg durch durchtrennen. Durch die als Denervation bezeichnete Methode resultiert eine graduelle Schmerzlinderung, die einige Jahre anhalten kann. Die Denervation hat sich besonders bei Arthrosen des Handgelenks bewährt.

Empfehlung

Bei den meisten Arthrosen hilft Bewegung ohne Belastung; eine dauerhafte Schienenruhigstellung ist widersinnig.

Gicht und Rheuma müssen ursächlich behandelt werden.

Der Einsatz konservativer Behandlungsmaßnahmen ist an ihrem Erfolg zu messen.

Operative Therapien werden nicht im Frühstadium angewandt.